4 Jahre Zeitenwende – Ist das Heer immer noch blank?

4 Jahre Zeitenwende - Ist das Heer immer noch blank?
SPz Puma | Foto: Bundeswehr/Marco Dorow

Am 24. Februar 2022, dem Tag, an dem Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, schockierte der ehemalige Inspekteur des Heeres, General a.d. Alfons Mais, mit der Aussage „…die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da.“ Drei Tage später, am 27. Februar 2022, rief der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz die sogenannte Zeitenwende aus. Diese beiden Ereignisse sind nun knapp vier Jahre her. Höchste Zeit also, der Frage nachzugehen, ob das Heer nach vier Jahren Zeitenwende immer noch blank ist. Dieser Beitrag wirft einen detaillierten Blick auf die Ausrüstung des Heeres.

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Gefechtsfahrzeuge

Das Hauptwaffensystem der Panzertruppe ist der Kampfpanzer Leopard 2. Nach der Abgabe von 18 Leopard 2 A6 an die Ukraine verfügt das Heer noch über 310 Exemplare in verschiedenen Varianten: 104 Leopard 2 A7V, 17 Leopard 2 A7A1, 51 Leopard 2 A6A3M, 50 Leopard 2 A6A3, 71 Leopard 2 A6 und 17 Leopard 2 A5. Der Leopard 2 wird voraussichtlich noch bis 2050 in Nutzung bleiben und dann sukzessive vom in Entwicklung befindlichen Main Ground Combat System (MGCS) ersetzt werden. Bis es jedoch soweit ist, ist der Aufwuchs der Kampfpanzerflotte geplant. Als Ersatz für die an die Ukraine abgegebenen Leopard 2 A6 und zur Vollausstattung der Panzertruppe wurden 123 weitere Leopard 2 in der Version A8 bestellt. Diese sollen im Zeitraum von 2027 bis 2030 zulaufen. Darüber hinaus hat Verteidigungsminister Boris Pistorius angekündigt, in diesem Jahr 75 weitere Leopard 2 A8 bestellen zu wollen. Damit würde das Heer künftig über insgesamt 508 Leopard 2 verfügen, sofern keine weiteren Kampfpanzer abgegeben oder ausgemustert werden.

Das Hauptwaffensystem der Panzergrenadiertruppe ist der Schützenpanzer Puma. Insgesamt 350 Exemplare befinden sich im Bestand des Heeres. 297 der 350 Schützenpanzer werden aktuell auf den Konfigurationsstand S1 gebracht. Diese Modernisierungsmaßnahme soll bis 2029 abgeschlossen sein. Darüber hinaus sind weitere 250 SPz Puma im Rahmen eines zweiten Loses für 5,7 Milliarden Euro bestellt. Die Auslieferung soll bis 2030 abgeschlossen sein. Künftig wird sich der Bestand des Heeres somit auf insgesamt 600 Schützenpanzer Puma belaufen.

Nach der Abgabe von 140 SPz Marder an die Ukraine verfügt das Heer noch über 418 dieser Schützenpanzer in verschiedenen Varianten: 280 Marder 1 A3, 14 Marder 1 A4, 37 Marder 1 A5, 34 Marder 1 A5A1, 38 Marder 1 Artilleriebeobachtung sowie 15 Fahrschulfahrzeuge. Seine Nutzungsdauer endet voraussichtlich 2030, danach soll er durch den SPz Puma sowie den jüngst bestellten Radschützenpanzer Schakal ersetzt werden.

Zur direkten Feuerunterstützung der Infanterietruppen kommt das leichte Kettenfahrzeug Wiesel 1 zum Einsatz. Aktuell verfügt das Heer noch über 196 Wiesel in drei verschiedenen Varianten: 120 Wiesel 1 MK, 60 Wiesel 1 MELLS und 16 Aufklärungspanzer Wiesel 1. Da der Wiesel 1 bereits 2030 das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht, sind zwei Nachfolgesysteme geplant. Die Jägertruppe erhält als Ersatz für ihre Wiesel 1 insgesamt 123 Schwere Waffenträger Infanterie. Das Nachweismuster wurde bereits ausgeliefert und befindet sich derzeit in der Erprobung. Die Auslieferung der Serienfahrzeuge soll bis 2031 abgeschlossen sein. Als Ersatz für die Wiesel 1 der Gebirgs- und Fallschirmjägertruppe war ursprünglich das Vorhaben „Luftbeweglicher Waffenträger“ (LuWa) geplant. Dieses wurde aufgrund von Kostenexplosionen jedoch abgebrochen. Eine Alternative ist aktuell noch nicht bekannt.

Vom Führungs- und Transportfahrzeug Wiesel 2 hat das Heer aktuell noch 97 Exemplare in drei Varianten: 33 Wiesel 2 Sanitätstrupp, 32 Wiesel 2 Pioniererkundung und 32 Wiesel 2 bewegliche Befehlsstelle. Auch der Wiesel 2 erreicht 2030 das Ende seiner Nutzungsdauer. Der Ersatz erfolgt durch die Luftlandeplattform Caracal.

Das Hauptwaffensystem der Heeresaufklärungstruppe ist der Spähwagen Fennek. Von diesem sind aktuell 220 Stück in verschiedenen Varianten im Bestand des Heeres: 116 Fennek 1 A1, 30 Fennek 1 A2, 16 Fennek 1 A1 Führungs-Erkundungsfahrzeug, 8 Fennek 1 A12 Führungs-Erkundungsfahrzeug und 50 Fennek JFST. Die Nutzungsdauer endet 2028, danach soll der Luchs 2 sukzessive übernehmen. Als Übergangslösung werden jedoch 30 Spähwagen Fennek 1A2 und 50 Joint Fire Support Team Fennek mit der neuen Beobachtungs- und Aufklärungsausstattung BAA III von HENSOLDT ausgestattet.

Das Hauptwaffensystem der Jägertruppe ist der 8×8 Transportpanzer Boxer. Insgesamt 403 GTK Boxer in vier verschiedenen Varianten befinden sich im Bestand der Truppe: 256 Gruppentransportfahrzeuge, 65 Führungsfahrzeuge, 72 Sanitätskraftfahrzeuge und 10 Fahrschulfahrzeuge. Die 72 vorhandenen schweren geschützten Sanitätskraftfahrzeuge werden aktuell für 139 Millionen Euro modernisiert. Darüber hinaus sind 423 weitere Waffensysteme auf Basis des GTK Boxers bestellt: 150 Schützenpanzer Schakal, 123 Schwere Waffenträger Infanterie, 83 RCH 155, 19 Skyranger 30, 10 weitere Fahrschulfahrzeuge und 38 weitere Sanitätskraftfahrzeuge. Folglich wird die Bundeswehr künftig über mindestens 826 GTK Boxer in verschiedenen Varianten verfügen.

Ergänzt wird der GTK Boxer vom 6×6 Transportpanzer Fuchs. Mit 939 Exemplaren, davon 286 mit verbessertem Schutzniveau, in etwa 30 verschiedenen Varianten ist der Fuchs eines der vielseitigsten Fahrzeuge der Bundeswehr. Zu den wichtigsten Varianten gehören unter anderem 180 Führungsfahrzeuge, 152 Pioniergruppentransport und 133 Panzeraufklärungsgruppentransport. Da der TPz Fuchs mittlerweile über 40 Jahre alt ist, soll er durch bis zu 4.000 Patria 6×6 ersetzt werden, welche im Rahmen des multinationalen Common Armoured Vehicles System (CAVS)-Programms beschafft werden.

Im Rahmen der Auslandseinsätze der Bundeswehr kam ein neuer Typ von Fahrzeugen in den Bestand der Bundeswehr, die Geschützten Führungs- und Funktionsfahrzeuge (GFF). Die GFF werden nicht ausschließlich vom Heer genutzt, sondern auch von den anderen militärischen Organisationsbereichen. Da eine genaue Verteilung jedoch nicht möglich ist, werden diese hier beim Heer aufgeführt. Nach der Abgabe von 50 ATF Dingo an die Ukraine verfügt die Truppe noch über 549 Exemplare in 16 verschiedenen Varianten. Weitere 115 Dingo 2 A4 sind für rund 266 Millionen Euro bestellt. Sofern keine weiteren Fahrzeuge abgegeben oder ausgemustert werden, wird die Bundeswehr künftig über 664 Dingo verfügen. Beim Dingo handelt es sich um ein GFF der Klasse 3. Damit ist er das am besten geschützte Führungs- und Funktionsfahrzeug der Bundeswehr.

Bei den GFF der Klasse 2 handelt es sich um den Eagle IV & V von GDELS. Insgesamt 764 Exemplare, davon 588 Eagle IV und 176 Eagle V, befinden sich im Bestand. Die Fahrzeuge werden in 13 verschiedenen Varianten genutzt. Darüber hinaus sind 2.610 weitere Eagle V für rund 3,8 Milliarden Euro bestellt. Folglich dürfte sich der künftige Bestand auf 3.374 Fahrzeuge belaufen.

Vom ENOK 5.4, einem GFF der Klasse 1, sind 140 Fahrzeuge in sechs verschiedenen Varianten vorhanden, darunter 76 Feldjägerfahrzeuge und 45 Patrouillenfahrzeuge.

Das Hauptwaffensystem der Gebirgsjägertruppe ist das Geländetransportfahrzeug Bv206. Nach der Abgabe von 78 Fahrzeugen an die Ukraine verfügt das Heer noch über 337 Bv206, davon 189 Bv206S und 148 Bv206D. Beim Bv206S handelt es sich um die geschützte Variante, beim Bv206D um die ungeschützte. Da der Bv206 bereits 2030 sein Nutzungsdauerende erreicht, wurden insgesamt 367 Husky 3 im Rahmen des multinationalen Collaborative All Terrain Vehicle (CATV)-Programms als Ersatz bestellt. Ein Nachweismuster des Husky 3 wurde letztes Jahr ausgeliefert und befindet sich derzeit in Erprobung. Die geplante Nutzungsdauer des Husky 3 beträgt 20 Jahre, also bis ca. 2050.

Der ESK Mungo ist mit 400 Fahrzeugen als Führungs- und Gruppenfahrzeug im Einsatz. Seine Nutzungsdauer endet ebenfalls 2030, ersetzt wird er durch die Luftlandeplattform Caracal.

Das Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug Serval ist mit 21 Exemplaren vertreten und soll durch die Fahrzeugfamilie mittel Spezialkräfte ersetzt werden. Hinzu kommen 65 leichte luftlandefähige Utility Terrain Vehicles.

Bundeswehr bestellt Panzermunition für mehrere hundert Millionen Euro
Leopard 2 | Foto: Bundeswehr / Mario Bähr

Artilleriesysteme

Vom M113 Panzermörser 120 mm verfügt das Heer noch über 48 Stück. Diese dienen der indirekten Feuerunterstützung der Infanterietruppen. Das System erreicht jedoch bereits 2030 das Ende seiner Nutzungsdauer. Als Ersatz sind 69 schwere Mörsersysteme des Typs Patria NEMO bestellt.

Eines der Hauptwaffensysteme der Artillerietruppe ist die Panzerhaubitze 2000. Nach der Abgabe von 14 PzH 2000 an die Ukraine verfügt das Heer noch über 97 Systeme. Als Ersatz für die an die Ukraine abgegebenen Systeme sind 22 weitere Panzerhaubitzen für rund 375 Millionen Euro bestellt. Die PzH 2000 soll noch mindestens bis Mitte der 2040er-Jahre in Nutzung bleiben.

Das zweite Hauptwaffensystem der Artillerietruppe ist der MARS II. Nach Abgabe von fünf MARS II an die Ukraine verfügt das Heer noch über 36 dieser Raketenartilleriesysteme. Aufgrund dessen, dass das System bereits 2030 das Ende seiner geplanten Nutzungsdauer erreicht, soll es durch den EuroPULS ersetzt werden. Von diesem sind bisher jedoch nur fünf Stück bestellt.

Zur Aufklärung feindlicher Artillerie verfügt die Artillerietruppe noch über 9 COBRA-Artillerieortungsradare und 17 Artilleriebeobachtungsradare. Die Artillerieortungsradare vom Typ COBRA werden aktuell modernisiert und sollen mindestens noch bis 2035 in Nutzung bleiben. Die Artilleriebeobachtungsradare erreichen bereits nächstes Jahr ihr Nutzungsdauerende und sollen durch das bodengebundene Aufklärungs- und Überwachungssystem (BARÜ) ersetzt werden.

Für die noch aufzustellende Heeresflugabwehrtruppe sind bisher lediglich 19 Skyranger 30 bestellt. Ein Nachweismuster wurde bereits ausgeliefert und befindet sich derzeit in Erprobung. Die Auslieferung der Serienfahrzeuge ist ab 2028 vorgesehen.

Dimension Land - Hauptwaffensysteme
PzH 2000 | Foto: KNDS

Pioniergerät

Zum Überwinden von Hindernissen stehen unter anderem sieben Brückenlegesysteme Leguan zur Verfügung. Im Juli 2020 wurde ein zweites Los von 24 Brückenlegern bestellt, deren Auslieferung von 2023 bis 2028 erfolgen soll. Wie viele davon bisher ausgeliefert wurden, ist nicht bekannt.

Von der Schwimmschnellbrücke Amphibie M3 verfügt das Heer noch über 30 Systeme. Aufgrund dessen, dass die Amphibie M3 bereits 2030 das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht, wurde die M3 EVO von GDELS bestellt.

Als Ersatz für die 134 Faltstraßengeräte ist die Beschaffung des Geländezugangssystems Trackway geplant.

Vom Minenräumpanzer Keiler sind noch 24 Stück im Bestand. Das System erreicht 2030 das Ende seiner Nutzungsdauer. Ein Nachfolgesystem ist zwar in Planung, lässt aber noch auf sich warten.

Vom Minenverlegesystem 85 sind noch 23 Exemplare in Nutzung. Auch dieses System soll in den nächsten Jahren durch ein Nachfolgesystem ersetzt werden.

Nach der Abgabe von 12 Dachs an die Ukraine verfügt das Heer noch über 51 dieser Pionierpanzer. Seine Nutzungsdauer endet ebenfalls 2030. Als Ersatz sind 44 PiPz AEV 3 Kodiak von Rheinmetall bestellt.

Nach der Abgabe von 2 Büffeln an die Ukraine verfügt das Heer noch über insgesamt 79 dieser Bergepanzer in zwei Versionen: 75 Bergepanzer 3 A0 BÜFFEL und 4 Bergepanzer 3 A1 BÜFFEL RPG/IED-Schutz.

Auch der ältere Bergepanzer 2 ist noch in Nutzung. Nach der Abgabe von 28 Bergepanzern 2 an die Ukraine verfügt das Heer noch über 95 Stück. Da der Bergepanzer 2 demnächst das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht, ist der Ersatz durch weitere Bergepanzer 3 geplant. Der Bedarf des Heeres liegt laut Informationen des Magazins .loyal bei 130 Bergepanzern.

Zuletzt verfügt die Pioniertruppe noch über 12 Berge- und Abschleppfahrzeuge des Typs Bison.

M3 EVO - Neue Schwimmschnellbrücken für die Bundeswehr bestellt
Amphibie M3 | Foto: Bundeswehr / Elian Hadj Hamdi

Hubschrauber

Die Heeresfliegertruppe verfügt aktuell noch über 51 Kampfhubschrauber Tiger. Da dieses Hubschraubermuster jedoch 2032 das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht, wurden insgesamt 82 leichte Kampfhubschrauber des Typs H145M LKH bestellt. Der H145M LKH soll sowohl den Tiger als auch den EC 135 ersetzen. Bisher wurde mindestens ein Exemplar an das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg geliefert.

Vom Transporthubschrauber NH-90 TTH sind insgesamt 82 Maschinen vorhanden. Diese werden aktuell modernisiert und sollen noch bis 2051 in Nutzung bleiben. Für Such- und Rettungsaufgaben stehen 7 H145M LUH SAR zur Verfügung. Als Schulungshubschrauber dienen 13 EC 135, deren Nutzung 2028 endet und die, wie bereits erwähnt, ebenfalls durch den H145M LKH ersetzt werden.

Bundeswehr beschafft 82 H145M LKH
H145M LKH | Foto: Airbus Helicopter

Aufklärungsdrohnen

Bei den Drohnen des Heeres handelt es sich aktuell nur um Aufklärungsdrohnen, die schwerpunktmäßig von der Heeresaufklärungs- und Artillerietruppe sowie Pioniertruppe eingesetzt werden. Kampfdrohnen und Loitering Munitions befinden sich aktuell noch nicht in der operativen Nutzung. Beschaffungen in dieser Richtung sind jedoch angestoßen, und entsprechende Systeme laufen in den nächsten Jahren zu.

Die leistungsfähigste Aufklärungsdrohne des Heeres ist die LUNA. Aktuell verfügt das Heer über 87 LUNA-Drohnen. Die Aufklärungsdrohne erreicht bereits 2028 das Ende ihrer Nutzungsdauer und soll dann durch das „Hocheffiziente Unbemannte System zur Aufklärung mittlerer Reichweite“, kurz HUSAR, ersetzt werden.

Eine weitere Aufklärungsdrohne des Heeres ist die KZO. Von diesem System sind aktuell noch 39 Stück in Nutzung. Das geplante Nutzungsdauerende ist bereits in diesem Jahr erreicht. Auch diese Aufklärungsdrohne soll durch HUSAR ersetzt werden. Da HUSAR jedoch noch auf sich warten lässt, dürfte die KZO noch etwas länger als geplant in Nutzung bleiben.

Von der Aufklärungsdrohne ALADIN verfügt das Heer über 290 Stück. Diese sollen in den nächsten Jahren durch bis zu 747 Drohnen des Typs Twister von Quantum-Systems ersetzt werden.

Zur Aufklärung bei Tag und Nacht im Nah- und Ortsbereich verfügt das Heer über 139 MIKADO-Drohnen, davon 116 AR100-B und 23 AR100-B KL. Zuletzt verfügt die Truppe noch über mindestens 50 Black Hornet PD-100 Nanodrohnen.

Bundeswehr erprobt Aufklärungs- und Wirkverbund mit HUSAR-Drohnen
HUSAR | Foto: Rheinmetall AG

Fazit

Zusammengefasst verfügt das Heer aktuell über rund 5.000 Gefechtsfahrzeuge, 181 Artilleriesysteme, 455 Pioniergeräte, 154 Hubschrauber und 605 Aufklärungsdrohnen. Für eine Vollausstattung reicht dies bei weitem nicht. Laut Andre Wüstner, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes, hat sich die Einsatzbereitschaft des Heeres seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine sogar verschlechtert. Lag sie vor der Invasion bei rund 65%, liegt sie aktuell nur noch bei ca. 50%. Dies ist vor allem auf die Abgaben von Material an die Ukraine zurückzuführen. Abgesehen von der 10. Panzerdivision, die wohl zu rund 85% ausgestattet ist, ist das Heer nach wie vor blank. Die 1. Panzerdivision, die bereits nächstes Jahr einsatzbereit sein soll, ist aktuell nur zu rund 20% ausgestattet. Der Ausrüstungsstand der Division Schnelle Kräfte ist nicht bekannt.

Besonders dramatisch sind die Lücken in den Bereichen Artillerie, Flugabwehr, Pionierfähigkeiten und Drohnen. Laut dem Inspekteur des Heeres, General Christian Freuding, hat die „Abstandsfähigkeit in allen Bereichen Priorität“. In den bisher erfolgten Beschaffungen spiegelt sich dies jedoch nicht wider. Seit 2022 wurden lediglich 69 NEMO, 22 weitere PzH 2000, 83 RCH 155 und fünf PULS bestellt. Genug, um veraltete Systeme zu ersetzen und Abgaben an die Ukraine zu kompensieren. Nach einer Priorisierung sieht dies jedoch nicht aus, insbesondere im Vergleich zu den Beschaffungen im Bereich der Gefechtsfahrzeuge: 123 Leopard 2 A8, 250 Puma und 150 Schakal, um nur einige der bestellten Systeme und Stückzahlen zu nennen.

Gegen kleine Drohnen, wie sie in der Ukraine zu Tausenden zum Einsatz kommen, ist das Heer aktuell quasi schutzlos. Insbesondere wenn es darum geht, Einheiten in der Bewegung vor Bedrohungen aus der Luft zu schützen, verfügt das Heer über keine mobilen Systeme zur Flug- und Drohnenabwehr. Der Skyranger 30, der diese kritische Fähigkeitslücke schließen soll, verzögert sich um rund 18 Monate und soll erst ab 2028 an die Truppe ausgeliefert werden – und dann nur in der homöopathischen Menge von 19 Systemen.

Die Pioniertruppe verfügt nicht nur über viel zu wenig Material, hinzu kommt auch noch, dass das vorhandene Material größtenteils bis 2030 ersetzt werden muss. Amphibie M3, Minenräumpanzer Keiler, Pionierpanzer Dachs und Bergepanzer 2 erreichen alle bis 2030 das Ende ihrer Nutzungsdauer. Abgesehen von 44 neuen Pionierpanzern und 66 neuen Schwimmbrückensystemen ist aber nichts bestellt. Auch die neue Kräftekategorie des Heeres, die mittleren Kräfte, warten bislang vergebens auf die dringend benötigten radbasierten Brücken- und Bergesysteme.

Zuletzt das Thema Drohnen: Genauso wie die Abwehr von Drohnen wurde auch die Beschaffung und der Einsatz von Drohnen in Deutschland komplett verschlafen. 600 Aufklärungsdrohnen sind angesichts dessen, dass allein die Ukraine pro Monat rund 10.000 Drohnen verbraucht, einfach nur unzureichend. Immerhin wurde dies mittlerweile erkannt und entsprechende Beschaffungsvorhaben eingeleitet. Im Gegensatz zu komplexen und teuren gepanzerten Fahrzeugen sind Drohnen vergleichsweise schnell und günstig herzustellen. Folglich dürfte sich der Ausrüstungsstand im Bereich Drohnen in den nächsten Jahren drastisch verbessern.

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