NATO-Gipfel in Ankara: Mehr europäische Verantwortung und neue Ukraine-Zusagen

Beim Gipfeltreffen in Ankara haben die NATO-Staaten ihr Bekenntnis zur gemeinsamen Verteidigung bestätigt und höhere Investitionen angekündigt. Im Mittelpunkt standen eine stärkere Rolle der europäischen Verbündeten und weitere Milliardenhilfen für die Ukraine.
Foto: NATO

Beim Gipfeltreffen in Ankara haben die NATO-Staaten ihr Bekenntnis zur gemeinsamen Verteidigung bestätigt und höhere Investitionen angekündigt. Im Mittelpunkt standen eine stärkere Rolle der europäischen Verbündeten und weitere Milliardenhilfen für die Ukraine.

Bekenntnis zur kollektiven Verteidigung

Die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs der NATO bekräftigten in ihrer Abschlusserklärung das Prinzip der kollektiven Verteidigung nach Artikel 5 des Washingtoner Vertrags, wonach ein Angriff auf einen Bündnispartner als Angriff auf alle gilt. Grundlage der Abschreckung bleibe eine Kombination aus nuklearen, konventionellen und raketenabwehrfähigen Mitteln, ergänzt durch Fähigkeiten im Weltraum und im Cyberraum. Das Bündnis halte an seinem sogenannten 360-Grad-Ansatz fest, der Bedrohungen aus allen Richtungen berücksichtigt.

Höhere Investitionen und neue Rüstungsvorhaben

Zur Umsetzung der beim Gipfel von Den Haag 2025 gegebenen Zusagen verwiesen die Verbündeten darauf, dass die europäischen Staaten und Kanada ihre Kerninvestitionen im Verteidigungsbereich 2025 um mehr als 139 Milliarden US-Dollar erhöht hätten. In Ankara kündigten sie neue Beschaffungen im Umfang von mehr als 50 Milliarden US-Dollar (rund 43 Milliarden Euro) an. Zudem wollen die Mitgliedstaaten ihre gemeinsamen Fertigungskapazitäten ausweiten, enger mit der Rüstungsindustrie zusammenarbeiten und Handelshemmnisse im Verteidigungssektor abbauen.

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Hintergrund der Aufwuchsbemühungen ist ein Beschluss des Vorjahres: In Den Haag hatten sich die 32 Mitgliedstaaten darauf verständigt, ihre verteidigungsrelevanten Ausgaben bis 2035 auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen – davon 3,5 Prozent für klassische Militärausgaben und 1,5 Prozent für sicherheitsrelevante Infrastruktur. Bislang galt eine Zielmarke von zwei Prozent.

Stärkeres Europa in einer stärkeren NATO

Unter dem Leitgedanken „ein stärkeres Europa innerhalb einer stärkeren NATO“ bekräftigte das Bündnis, dass die europäischen Verbündeten und Kanada gemeinsam mit den USA mehr Verantwortung für die Verteidigung übernehmen. Diese Neuverteilung der Lasten – in der Debatte als Übergang vom „Burden Sharing“ zum „Burden Shifting“ bezeichnet – war ein bestimmendes Thema des Gipfels. Sie ist auch eine Reaktion auf die stärkere strategische Ausrichtung der USA auf den indopazifischen Raum.

Investieren wollen die Verbündeten unter anderem in weitreichende Präzisionsschläge, die integrierte Flug- und Raketenabwehr, unbemannte Systeme, nachrichtendienstliche Fähigkeiten sowie in eine interoperable transatlantische Cloud-Infrastruktur und den Einsatz von KI-Modellen für militärische Zwecke.

Weitere Milliardenhilfen für die Ukraine

Der Erklärung zufolge finanzieren die europäischen Verbündeten und Kanada inzwischen den größten Teil der Sicherheitsunterstützung für die Ukraine. Für 2026 sagten die Bündnispartner militärische Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung im Wert von 70 Milliarden Euro zu und bekräftigten die Absicht, dieses Niveau 2027 mindestens zu halten. Begrüßt wurde zudem ein mehrjähriges Unterstützungsdarlehen der Europäischen Union.

Von den 70 Milliarden Euro für das laufende Jahr stammen Berichten zufolge 30 Milliarden aus einem EU-Kredit; die übrigen 40 Milliarden müssen die Bündnisstaaten über ihre nationalen Haushalte aufbringen. Einen festen Verteilungsschlüssel gibt es nicht, die Beiträge erfolgen auf freiwilliger Basis.

Iran und regionale Sicherheit

Über die Ukraine hinaus benannte die Erklärung hybride Bedrohungen und strategischen Wettbewerb als anhaltende Herausforderungen. Die Verbündeten bekräftigten, dass Iran keine Kernwaffe besitzen dürfe, und forderten das Land auf, die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus zu respektieren.

Einordnung

Der Gipfel fand am 7. und 8. Juli 2026 in Ankara statt; neben den 32 Mitgliedstaaten nahmen Vertreter der EU sowie der Indo-Pazifik-Partner Australien, Japan, Südkorea und Neuseeland teil. Trotz öffentlich sichtbarer Spannungen – insbesondere zwischen US-Präsident Donald Trump und europäischen Partnern – trugen alle Mitgliedstaaten die gemeinsame Erklärung mit. Zum Abschluss dankten die Teilnehmer der Türkei als Gastgeber.

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