Der Kölner Motorenhersteller DEUTZ erwirbt den Rüstungszulieferer FFG vollständig und baut damit sein Verteidigungsgeschäft aus. Die bisherigen Eigentümerfamilien werden im Gegenzug zu Großaktionären des Konzerns.
Die DEUTZ AG hat am 9. Juli 2026 eine Vereinbarung über den Erwerb sämtlicher Anteile an der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH geschlossen. Der Kaufpreis liegt bei rund 1,6 Milliarden Euro. Er setzt sich aus einem überwiegend fremdfinanzierten Baranteil von etwa einer Milliarde Euro und einer Komponente von rund 0,6 Milliarden Euro zusammen, die über neu ausgegebene DEUTZ-Aktien beglichen werden soll. Die bisherigen Eigentümerfamilien der FFG werden dadurch zu langfristig orientierten Ankeraktionären von DEUTZ mit einem Anteil von bis zu 29,9 Prozent am erhöhten Grundkapital. Laut Pressemitteilung strebt der Gesellschafterkreis zudem zwei Sitze im Aufsichtsrat an.
Während beide Unternehmen von einem „strategischen Zusammenschluss“ sprechen, handelt es sich rechtlich um eine vollständige Übernahme, bei der FFG in den DEUTZ-Konzern eingegliedert wird. Der Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Hauptversammlung sowie der Freigabe durch die zuständigen Kartell- und Aufsichtsbehörden. Abgeschlossen werden soll die Transaktion Ende 2026 oder Anfang 2027.

Was FFG einbringt
FFG mit Sitz in Flensburg zählt zu den führenden europäischen Anbietern militärischer Land- und Spezialfahrzeuge. Das Unternehmen entwickelt, produziert, wartet und modernisiert Rad- und Kettenfahrzeuge, darunter Berge- und Schützenpanzer, Mannschaftstransporter und Spezialfahrzeuge, und ist Fertigungspartner in multinationalen Rüstungsprogrammen der NATO. Zu den Kunden gehören die Bundeswehr sowie Streitkräfte in mehr als 15 Staaten und die Ukraine.
Mit mehr als 1.100 Beschäftigten erzielte FFG im Geschäftsjahr 2025 nach HGB einen Umsatz von rund 760 Millionen Euro. Der Auftragsbestand liegt nach Unternehmensangaben bei einem Vielfachen des aktuellen Jahresumsatzes. Die operative Führung soll unverändert bei den Geschäftsführern Max Heimann und Jörg Kamper bleiben; FFG bildet künftig als eigenständig geführte Business Unit den Kern der Defense-Aktivitäten des Konzerns.
Strategischer Hintergrund bei DEUTZ
Für DEUTZ ist der Zukauf der bislang größte Schritt im Umbau vom klassischen Motorenhersteller zum breiter aufgestellten Industriekonzern. Das 1864 gegründete Kölner Unternehmen beschäftigt weltweit rund 6.000 Mitarbeiter und erzielte 2025 einen Umsatz von gut zwei Milliarden Euro. Das Verteidigungsgeschäft, das DEUTZ bislang vor allem über Antriebe für Militärfahrzeuge und Generatoren betrieb, wurde 2025 zu einer eigenständigen Sparte gebündelt. Mit der Übernahme wird Defense neben den Bereichen Energy, Engines und NewTech zu einer weiteren tragenden Säule.
Nach Konzernangaben soll die Transaktion die für 2030 gesetzten Ziele – ein Umsatz von vier Milliarden Euro bei einer EBIT-Marge von zehn Prozent – früher als bislang geplant erreichbar machen. An der Börse reagierten Anleger positiv: Die DEUTZ-Aktie legte am Tag der Bekanntgabe im frühen Handel um rund sechs Prozent zu.
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