Das Beschaffungsamt der Bundeswehr hat die Entwicklung eines Hochenergie-Laserwaffensystems für die Deutsche Marine in Auftrag gegeben. Einsatzbereit soll das System 2029 sein.
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat am 9. Juli 2026 einen Vertrag über die Entwicklung eines Hochenergie-Laserwaffensystems für die Deutsche Marine unterzeichnet. Auftragnehmer ist die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) HEL aus MBDA Deutschland GmbH und Rheinmetall Waffe Munition GmbH. Beide Unternehmen gründen für das Vorhaben derzeit ein Gemeinschaftsunternehmen.
Auftragsumfang und Zeitplan
Der Auftragswert liegt nach Unternehmensangaben im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Gegenstand ist die Realisierung eines Gesamtsystems für den maritimen Einsatz, das die vollständige Wirkkette von der Aufklärung über die Zielverfolgung bis zur Bekämpfung abbilden soll. Das einsatzfähige System ist für 2029 vorgesehen.

Die Serienfertigung soll den Angaben zufolge zu großen Teilen in Deutschland erfolgen. Nach Darstellung der beteiligten Unternehmen legt das geplante Joint Venture besonderen Wert auf deutsche Lieferketten und heimisches System-Know-how, um die nationale Souveränität bei dieser Technologie zu sichern.
Roman Koehne, Leiter der Rheinmetall-Division Weapon and Ammunition, verweist auf den erwarteten Nutzen bei der Drohnenabwehr und stellt zusätzliche Ausbildungs- und Arbeitsplätze durch die Fertigung in Deutschland in Aussicht. Thomas Gottschild, Geschäftsführer von MBDA Deutschland, hebt hervor, dass der containerisierte Lasereffektor über den Schiffseinsatz hinaus auch für den Hafenschutz und weitere Anwendungen genutzt werden könne.
Erprobung auf der Fregatte „Sachsen“
Grundlage des Auftrags ist ein Demonstrator, den die beiden Unternehmen seit 2019 gemeinsam entwickeln. Er wurde im Juni 2022 auf der Fregatte „Sachsen“ (Klasse F124) integriert; die erste Seeerprobungsphase schloss die ARGE im September 2023 ab. Nach Angaben aus der aktuellen Mitteilung hat der Demonstrator inzwischen rund 28.000 nautische Meilen an Bord der „Sachsen“ durch Nordsee, Ostsee und Mittelmeer zurückgelegt und dabei über 1.000 Schüsse gegen Luft-, See- und Landziele abgegeben – auch unter ungünstigen Umweltbedingungen.
Im März 2026 wurde die Leistungsfähigkeit des Systems bei der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) in Meppen vor Delegationen aus Behörden und Streitkräften vorgeführt. Dorthin war der Demonstrator nach Abschluss der Seeerprobung überführt worden, um unter anderem die landgestützte Drohnenabwehr zu testen.
Bei der Entwicklung sind die Arbeitsanteile weitgehend paritätisch verteilt: MBDA verantwortet die Zielerfassung und -verfolgung, den Bedienplatz sowie die Anbindung an das Führungssystem. Rheinmetall steuert das Richtsystem, die Strahlführung, den Container samt Integration an Bord sowie die Hochenergie-Laserquelle bei. Nach Unternehmensangaben lässt sich der Laserstrahl auf wenige Zentimeter fokussieren, was auch die Bekämpfung beweglicher Ziele mit vergleichsweise geringer Laserleistung ermöglichen soll.
Einordnung
Laserwaffen gelten als Ergänzung zu Rohrwaffen und Lenkflugkörpern, insbesondere zur Abwehr von Drohnen und anderen kleinen, schnellen Zielen im Nah- und Nächstbereich. Als potenzieller Vorteil gegenüber konventioneller Munition werden die geringen Kosten pro Schuss angeführt. Deutschland zählte industriell früh zu den aktiven Entwicklern solcher Systeme; bis zum jetzigen Vertrag war jedoch kein Marine-Lasersystem in die Beschaffung überführt worden.
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