Verteidigungsminister Boris Pistorius hat entschieden, in Fürstenfeldbruck ein zweites Ausbildungsbataillon der Luftwaffe aufzustellen. Der Standort, dessen Aufgabe eigentlich beschlossen war, bleibt damit erhalten und soll zusätzliche Kapazitäten für den Neuen Wehrdienst schaffen.
Das Bundesministerium der Verteidigung hat die erste Stationierungsentscheidung im Zusammenhang mit der Ausbildung im Neuen Wehrdienst bekannt gegeben. In Fürstenfeldbruck westlich von München wird das Luftwaffenausbildungsbataillon 2 (LwAusbBtl 2) aufgestellt. Nach Darstellung des Ministeriums ist der Schritt Teil des personellen Aufwuchses der Streitkräfte: Mit steigenden Rekrutenzahlen und der schrittweisen Umsetzung des Neuen Wehrdienstes wachse der Bedarf an Ausbildungsplätzen deutlich, dieser solle kurzfristig und unter Rückgriff auf bereits vorhandene Liegenschaften gedeckt werden.
Abkehr von der geplanten Standortaufgabe
Fürstenfeldbruck war ursprünglich zur Aufgabe vorgesehen. Der Fliegerhorst sollte zum 31. Dezember 2030 geschlossen werden; der militärische Flugbetrieb war bereits 2006 eingestellt worden, die Aufgabe des Standortes wurde 2011 beschlossen. Zwischenzeitlich diente das Gelände als Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete. Der Platz geht auf Bauarbeiten ab 1934 und die Indienststellung 1937 zurück; nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte ihn das US-Militär, ab 1956 wurden dort die ersten deutschen Jetpiloten der neuen Luftwaffe ausgebildet. Mit der aktuellen Entscheidung wird der Standort nun reaktiviert.
Das Ministerium begründet die Wahl mit der Lage im Ballungsraum München: Angehende Wehrdienstleistende sollen einen möglichst wohnortnahen Einstellungsort erhalten, zugleich erhöhe die Bundeswehr ihre Präsenz in der Fläche. Vorhandene Infrastruktur sowie Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten könnten genutzt werden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder begrüßte die Entscheidung und sprach sich für einen weiteren Ausbau der Bundeswehr im Freistaat aus.
Zweiter Verband neben Germersheim
Bislang verfügt die Luftwaffe über ein einziges Ausbildungsbataillon. Der in Germersheim beheimatete Verband ist zentral für die Grundausbildung von Mannschaften und Offizieranwärtern zuständig und kombiniert diese mit der einsatzvorbereitenden Ausbildung für alle Luftwaffensoldaten. Die dreimonatige Grundausbildung findet an den Standorten Germersheim und Roth statt, wo jeweils zwei Kompanien mit einer Aufnahmekapazität von je 144 Rekrutinnen und Rekruten eingesetzt sind. Mit dem neuen Bataillon in Fürstenfeldbruck erhält die Luftwaffe erstmals seit Jahren wieder einen zweiten Ausbildungsverband.
Hintergrund: Neuer Wehrdienst
Auslöser des Kapazitätsbedarfs ist das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Die neuen Regelungen gelten seit dem 1. Januar 2026; eine Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht, wie sie bis 2011 galt, ist damit nicht verbunden – der Dienst beruht auf Freiwilligkeit. Alle 18-Jährigen erhalten seit Januar 2026 einen Fragebogen zu Eignung und Motivation, dessen Beantwortung für Männer verpflichtend und für Frauen freiwillig ist. Die verpflichtende Musterung der Männer des Jahrgangs 2008 soll ab dem 1. Juli 2027 beginnen. Dafür sind bundesweit 24 Musterungszentren vorgesehen.
Die Zielmarken sind gesetzlich hinterlegt: Bis 2035 sollen den Streitkräften mehr als 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservistinnen und Reservisten zur Verfügung stehen. Insgesamt strebt das Ministerium mit Blick auf Landes- und Bündnisverteidigung einen Personalumfang von rund 460.000 Soldatinnen und Soldaten einschließlich Reserve an. Der Ausbau der Ausbildungsorganisation gilt als Voraussetzung dafür, dass steigende Bewerber- und Rekrutenzahlen überhaupt aufgenommen werden können – Kasernen, Ausbilderpersonal und Übungsplätze sind der Engpass, nicht allein die Zahl der Freiwilligen.
Das Ministerium bezeichnet die Maßnahme als organisatorischen Schritt im Rahmen der flächendeckenden Einführung des Neuen Wehrdienstes und kündigte an, über weitere Anpassungen der Standortstruktur zu gegebener Zeit zu informieren. Konkrete Angaben zu Zeitplan, Umfang und Personalstärke des neuen Bataillons in Fürstenfeldbruck enthält die Mitteilung nicht.

Mit WhatsApp immer bestens informiert!
Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:
