Das Münchner Verteidigungstechnologieunternehmen Helsing hat eine Series-E-Finanzierungsrunde über 1,8 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Es ist die größte Kapitalrunde eines deutschen Start-ups; die Unternehmensbewertung liegt nun bei 18 Milliarden US-Dollar.
Größte Finanzierungsrunde eines deutschen Start-ups
Helsing gab die Runde am Montag, dem 13. Juli 2026, in München bekannt. Nach Unternehmensangaben beteiligen sich sowohl bestehende als auch neue Geldgeber, darunter die Dragoneer Investment Group, Lightspeed Venture Partners, Disruptive, Iconiq, der Wachstumsbereich von Goldman Sachs Alternatives, JPMorganChase, der kanadische Pensionsfonds CPP Investments, General Catalyst, Plural und Stepstone. Zu den bereits zuvor beteiligten Investoren zählen Prima Materia, Accel und Greenoaks.

Das Unternehmen teilte mit, die Nachfrage der Investoren habe das verfügbare Volumen deutlich überschritten. Im Mai hatten „Financial Times“ und Handelsblatt zunächst über eine geplante Runde von rund 1,2 Milliarden US-Dollar berichtet; das tatsächliche Volumen fiel damit höher aus als erwartet. Die Bewertung steigt um etwa sechs Milliarden auf 18 Milliarden US-Dollar – ein Plus von rund 50 Prozent. Damit ist Helsing das am höchsten bewertete Verteidigungs-Start-up Europas und zugleich wieder das wertvollste deutsche Start-up, ein Titel, den zuvor kurzzeitig die Robotikfirma Neura Robotics gehalten hatte.
Eigentümerstruktur und Gremien unverändert
Nach Angaben von Helsing bleibt das Unternehmen mehrheitlich in europäischem Besitz. Auch die Zusammensetzung des Verwaltungsrats ändert sich nicht: Den Co-Vorsitz führen weiterhin Daniel Ek und Tom Enders, weitere Mitglieder sind Jeannette zu Fürstenberg und Denis Mercier sowie die Gründer des Unternehmens. Das frische Kapital soll vor allem in die Entwicklung neuer KI-Plattformen fließen und deren Integration in die Streitkräfte einer wachsenden Zahl von Partnerländern beschleunigen.
Einordnung: rasanter Bewertungsanstieg seit 2021
Helsing wurde 2021 gegründet und ist seither in kurzen Abständen durch mehrere Finanzierungsrunden gewachsen. Auf die Series A im November 2021 (102,5 Millionen Euro) folgte im September 2023 eine Series B über 209 Millionen Euro, im Juli 2024 eine Series C über 450 Millionen Euro und im Juni 2025 eine Series D über 600 Millionen Euro unter Führung von Prima Materia, der Investmentgesellschaft des Spotify-Gründers Daniel Ek. Nach der Series D wurde das Unternehmen mit rund 12 Milliarden Euro bewertet – gut das Doppelte der knapp fünf Milliarden Euro aus dem Jahr zuvor.
Inhaltlich hat sich das Geschäftsmodell in dieser Zeit verschoben. Helsing startete als Softwarehaus, das mit KI Lagebilder aus Gefechtsdaten erzeugt, und baut inzwischen auch eigene Drohnen und Luftfahrzeuge. Der technologische Schwerpunkt liegt weiterhin auf der KI-Software, die unbemannte Systeme steuert. Das Unternehmen liefert unter anderem Einwegdrohnen an die ukrainischen Streitkräfte, produziert seit dem vergangenen Jahr Unterwasser-Aufklärungsdrohnen und entwickelt mit Hilfe des 2025 übernommenen bayerischen Flugzeugbauers Grob Aircraft einen unbemannten Kampfjet. Zum Produktportfolio zählen laut Unternehmenswebsite unter anderem das Fluggerät CA-1 Europa, die Kampfdrohne HX-2, das Unterwassersystem SG-1 mit der Software Lura sowie die Luftkampf-KI Centaur.
Kapital fließt weiter in „Neo Primes“
Erst rund zwei Wochen zuvor hatte mit Quantum Systems ein weiteres bayerisches Unternehmen eine Finanzierungsrunde über eine Milliarde US-Dollar abgeschlossen. An der Börse ist der Rüstungsboom hingegen abgeflaut: Die Rheinmetall-Aktie hat sich seit Januar etwa halbiert, liegt allerdings weiterhin deutlich über dem Niveau von vor fünf Jahren. Der deutsch-französische Panzer- und Geschützhersteller KNDS verschob zuletzt seinen geplanten Börsengang.
Zuletzt hatte Helsing mehrere Kooperationen angekündigt, darunter im Juni 2026 ein Weltraum-Joint-Venture mit OHB und eine Partnerschaft mit dem französischen Rüstungshersteller EURENCO zum Aufbau einer europäischen Fähigkeit für Angriffsdrohnen.
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