Mit dem Army Armoured Combat System, kurz A2CS, erneuert das italienische Heer seine gepanzerte Fahrzeugflotte. Die Übergabe der ersten vier Schützenpanzer Lynx KF41 am 27. Januar 2026 markiert den Programmstart.
A2CS ist dabei kein einzelnes Fahrzeug, sondern ein Beschaffungsprogramm, das die italienische Armee grundlegend modernisieren soll. Es führt die gepanzerte Kettenflotte des Heeres – ausgenommen die Kampfpanzer – auf einer einzigen Plattform zusammen, dem Lynx KF41. Auf dieser Basis sollen rund 1.050 Fahrzeuge in 16 Varianten entstehen, von der Grundausführung als Schützenpanzer bis zu Spezialvarianten für Aufklärung, Flugabwehr oder Pioniereinsatz. Die Kampfpanzer laufen in einem eigenen Programm.
Hinter dem Programm steht ein konkreter Bedarf. Die mechanisierten Verbände des italienischen Heeres stützen sich bis heute auf Fahrzeuge, deren Entwicklung Jahrzehnte zurückreicht, namentlich den Schützenpanzer VCC-80 Dardo und Abwandlungen des legendären Transportpanzers M113. Beide sind an das heutige Gefechtsbild nur noch begrenzt angepasst. A2CS soll diese Lücke schließen und den Mechanisierungspfad des Heeres über die kommenden zehn Jahre tragen. Italien ist damit nicht allein, denn gegenwärtig zieht sich eine europaweite Modernisierungsoffensive durch die Landstreitkräfte von NATO- und EU-Staaten. Das zugrunde liegende Konzept folgt dem Gedanken einer durchgängig vernetzten Plattform, bei der Sensoren und Effektoren über die Grenzen des einzelnen Fahrzeugs hinweg zusammenwirken. Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine fließen in die Anforderungen ein und zeigen zugleich die Dringlichkeit, die Streitkräfte auf einen möglichen offenen Konflikt mit Russland vorzubereiten.
Der vorliegende Beitrag ordnet das A2CS-Programm ein. Der Aufbau folgt einer einfachen Linie. Zunächst geht es um die Systeme, die ersetzt werden, danach um die Historie des Programms, anschließend um den geplanten Umfang mit Stückzahlen, Kosten, Varianten und Zeitplan, und schließlich um die offenen Fragen zu Lieferung und Finanzierung. Die vier zum Programmstart übergebenen Fahrzeuge bilden davon nur den Anfang.
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Was wird ersetzt?
Zur Einordnung des Programms lohnt der Blick auf die aktuelle Flotte, die ersetzt werden soll.
Das Rückgrat der italienischen Panzertruppe bildet bislang der Hauptkampfpanzer C1 Ariete, hergestellt vom italienischen Konsortium CIO, einem Zusammenschluss von Iveco Defence Vehicles, heute IDV, und OTO Melara, heute Teil von Leonardo. Im Bestand befinden sich rund 125 Fahrzeuge. Der Ariete stammt aus den 1990er Jahren und wird in der modernisierten Ausführung C2 weitergeführt; der Verteidigungshaushalt 2025 weist dafür 100 Millionen Euro aus. Dieser Posten überbrückt die Zeit, bis ein eigenes Kampfpanzerprogramm den Ariete ablöst. Dieses Programm läuft parallel zu A2CS und wird an späterer Stelle kurz behandelt.
Damit zum eigentlichen Ersatzbedarf des A2CS-Programms. Abgelöst werden zwei Systeme mit Kettenfahrwerk. Der Schützenpanzer VCC-80 Dardo trägt die mechanisierte Infanterie und stammt aus den 1980er und 1990er Jahren. Hinzu kommen die zahlreichen Derivate des Transportpanzers M113, die in Italien seit Jahrzehnten in einer Vielzahl von Rollen im Einsatz sind. Beide erreichen nicht mehr das Schutz- und Vernetzungsniveau, das mechanisierte Operationen heute verlangen. Genau diese Kettenfahrzeuge soll der Lynx KF41 in seinen verschiedenen Varianten ersetzen.
Neben den schweren und mechanisierten Kräften unterhält das italienische Heer radgestützte und mittlere Verbände. Dazu zählen der Radschützenpanzer VBM Freccia in der 8×8-Konfiguration sowie die Radkampffahrzeuge Centauro und Centauro II. Diese Systeme nutzen ein Radfahrwerk und decken den schnell verlegbaren Anteil der Flotte ab. Sie bleiben vorerst im Dienst und sind nicht unmittelbar von A2CS betroffen. Perspektivisch ist der Freccia jedoch über seinen geplanten Nachfolger, den VBM 30 NG, mit dem Programm verbunden.
Damit ergibt sich eine klare Aufteilung. A2CS baut grundlegend auf dem Lynx auf; dieser ersetzt den Dardo und die M113-Familie, also die gepanzerten Kettenfahrzeuge der mechanisierten Infanterie. Das parallele Kampfpanzerprogramm mit dem KF51 Panther, der an späterer Stelle behandelt wird, ersetzt den Ariete. Beide Vorhaben liegen in einer Hand, der gemeinsamen Gesellschaft von Leonardo und Rheinmetall, und erneuern zusammen die schwere und die mittlere Flotte des Heeres. Wie es zu dieser Konstellation kam, zeigt die Entstehungsgeschichte.
Projekthistorie
Damit rückt die Entstehung des Programms in den Blick, und diese beginnt nicht mit Rheinmetall. Ursprünglich plante das italienische Heer einen schrittweisen Weg, eine Modernisierung des Ariete und eine Nutzungsdauerverlängerung des Dardo. Ab Dezember 2023 verfolgte Italien jedoch eine größere Lösung und nahm Verhandlungen mit dem Rüstungskonzern KNDS auf.
Ziel dieser Gespräche war eine breit angelegte europäische Kooperation. Italien sollte den Kampfpanzer Leopard 2A8 in Lizenz im eigenen Land fertigen, zusammen mit rund 140 abgeleiteten Unterstützungsfahrzeugen und einem Investitionsrahmen von etwa 8,2 Milliarden Euro bis 2037. Zugleich war ein Einstieg in das europäische Kampfpanzerprojekt der Zukunft, das Main Ground Combat System oder kurz MGCS, vorgesehen.
An genau dieser Beteiligung scheiterten die Gespräche. Die italienische Seite forderte einen hohen Eigenanteil, darunter den Turm von OTO Melara, die Elektronik von Leonardo und möglicherweise die Wanne von Iveco; angestrebt war ein Arbeitsanteil von etwa 50 zu 50. KNDS wollte dagegen den einheitlichen Standard des Leopard 2A8 wahren, der bei zahlreichen europäischen Nutzern in Dienst steht, und Italien lediglich die Lieferung einzelner Komponenten zugestehen. Eine tiefe Integration italienischer Systeme hätte die Baugleichheit aufgehoben und den Zeitplan verlängert. Am 11. Juni 2024 brach Leonardo die Verhandlungen ab. Leonardo-CEO Cingolani begründete dies später damit, dass im damaligen Leopard kein Raum für einen substanziellen italienischen Beitrag bestanden habe.
Wenige Wochen später schwenkte Leonardo auf den KNDS-Konkurrenten Rheinmetall um. Statt des Leopard wählte Italien nun zwei Fahrzeuge aus dem Rheinmetall-Programm, den noch nicht eingeführten Kampfpanzer KF51 Panther und den Schützenpanzer Lynx KF41. Der Lynx wurde zur Plattform des A2CS-Programms.
Der weitere Weg verlief zügig. Auf das Memorandum of Understanding, kurz MoU, vom 3. Juli 2024 folgten der Vertrag am 15. Oktober 2024, die rechtliche Formierung des gemeinsamen Unternehmens im Dezember 2024 und der operative Betrieb ab Januar 2025. Träger des Programms ist die LRMV, ausgeschrieben Leonardo Rheinmetall Military Vehicles, ein 50/50-Joint-Venture mit Sitz in Rom und operativer Zentrale in La Spezia. Rund 60 Prozent der Aktivitäten, darunter Integration, Erprobung, Lieferung und Logistik, finden in Italien statt.
Der erste Vertrag wurde im November 2025 geschlossen. Er umfasst 21 Fahrzeuge der Konfiguration A2CS Combat und enthält eine Option auf 30 weitere, womit sich der Umfang dieses Loses auf bis zu 51 erhöhen ließe. Fünf Fahrzeuge tragen den Lance-Turm von Rheinmetall mit einer 30-mm-Maschinenkanone, 16 den Hitfist 30 NG von Leonardo mit der Kaliberkombination 30×173 mm; die gesamte Tranche soll später einheitlich auf den Hitfist-Turm umgerüstet werden. Die Übergabe der ersten vier Fahrzeuge erfolgte am 27. Januar 2026 im Erprobungszentrum Ce.Poli.Spe. in Montelibretti, im Beisein von Verteidigungsminister Crosetto, Generalstabschef Portolano, Heeres-Stabschef Masiello, Leonardo-CEO Cingolani und Rheinmetall-Bereichsleiter Bernhard. Ein erstes Fahrzeug war bereits im Dezember 2024 zur Erprobung nach Italien gelangt.
Umfang des Vorhabens
Zunächst ein Blick auf das Schwesterprogramm, denn den Ariete ersetzt nicht A2CS, sondern ein eigenes Kampfpanzerprogramm. Es stützt sich auf den KF51 Panther von Rheinmetall, der 2022 auf der Eurosatory vorgestellt wurde. Hier ist eine Klarstellung angebracht, die oft für Verwirrung sorgt. Beide Fahrzeuge tragen Rheinmetalls Kürzel KF für Kettenfahrzeug, der Lynx als KF41 und der Panther als KF51. Eine gemeinsame Basis ergibt sich daraus jedoch nicht. Der Lynx ist eine eigenständige Schützenpanzer-Plattform, während der Panther in seiner Prototypform auf der Wanne des Leopard 2A4 aufbaut und von diesem auch Antriebsstrang, Getriebe und Laufwerk übernimmt. A2CS umfasst ausschließlich den Lynx; der Panther läuft im getrennten Kampfpanzerprogramm. Im generischen Konzept trägt der Panther eine 130-mm-Glattrohrkanone, ein automatisches Ladesystem und die Loitering-Munition Hero 120, wiegt rund 59 Tonnen und wird von drei Soldaten bedient. Für Italien gilt eine wesentliche Abweichung. Der Panther-IT erhält statt der 130 mm eine 120-mm-L55-Kanone von Leonardo, begründet mit der Munitionsinteroperabilität innerhalb der NATO. Den Umfang geben die Quellen mit 272 bis zu 380 Fahrzeugen an, der Investitionsplan liegt bei 8,2 Milliarden Euro für den Zeitraum 2025 bis 2038. Eine ausführliche Darstellung des Panther erfolgt an anderer Stelle; hier bleibt es beim Anriss.
Das eigentliche Thema bleibt die andere Hälfte des Vorhabens, der Lynx KF41 als Plattform des A2CS. Er stammt von Rheinmetall und wurde 2018 auf der Eurosatory vorgestellt. Es handelt sich um ein Kettenfahrzeug, angetrieben von einem Liebherr-Dieselmotor mit rund 1.140 PS und einem Renk-Getriebe; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei bis zu 70 km/h, die Reichweite bei rund 500 Kilometern. Die Besatzung besteht aus drei Soldaten, hinzu kommen bis zu acht Absitzer. Charakteristisch ist der modulare Aufbau. Ein gemeinsames Antriebsmodul wird mit einem austauschbaren Missionsmodul kombiniert, sodass sich die Rolle eines Fahrzeugs innerhalb weniger Stunden wechseln lässt. Beim Schutz setzt der Lynx auf ein modulares Konzept mit optionalem aktivem Schutzsystem vom Typ StrikeShield und dem Nebelmittelwurfsystem ROSY. Als Vergleichspunkt dient Ungarn als Erstnutzer des KF41 mit rund 209 Fahrzeugen, die im ungarischen Zalaegerszeg gefertigt werden.
Für die italienische A2CS-Ausführung ist die Bewaffnung gesondert zu betrachten. Während der generische Serienturm des Lynx, der Lance 2.0, eine 35-mm-Kanone trägt, setzt Italien durchgängig auf 30-mm-Türme, nämlich den Lance MK30-2 und den Hitfist 30 NG mit der Kaliberkombination 30×173 mm. Ergänzend sind Panzerabwehrlenkflugkörper, eine ferngesteuerte Waffenstation sowie eine Anbindung an Drohnen und Loitering-Munition vorgesehen. Die Fahrzeuge nutzen eine digitale Architektur nach dem NATO-Standard NGVA und sind durchgehend vernetzt.
Damit zur Stückzahl. Der Zielumfang liegt bei rund 1.050 Fahrzeugen, die auf 16 Varianten beziehungsweise Rollen verteilt werden. Zu den bekannten Rollen gehören der Schützenpanzer als Grundvariante, Mörserträger in den Kalibern 81 mm und 120 mm, letzterer auf Basis des Systems Patria Nemo, eine Sanitäts- beziehungsweise CASEVAC-Variante, eine Aufklärungsvariante mit dem Turm Hitfact Mk2 in 120 mm, ein Munitionsträger, eine Flugabwehrvariante, ein Gefechtsstandfahrzeug und eine Panzerabwehrvariante. Diese Breite ergibt sich unmittelbar aus dem modularen Aufbau. Eine gemeinsame Basis trägt unterschiedliche Missionsmodule, was den Aufwand für Ausbildung, Ersatzteilhaltung und Logistik gegenüber mehreren getrennten Fahrzeugfamilien verringern soll. Wie sich die rund 1.050 Fahrzeuge auf diese Varianten verteilen, ist öffentlich nicht aufgeschlüsselt; belastbare Stückzahlen je Rolle liegen daher nicht vor. Im Rahmen des Erstvertrags liegt der Schwerpunkt zunächst auf der Schützenpanzer-Konfiguration, kenntlich an der Turmaufteilung von fünf Lance- und 16 Hitfist-Fahrzeugen.
Der Zeitplan ist gestaffelt und in Phasen gegliedert. Am Anfang steht ein Sofortbedarf, der die ersten Fahrzeuge und einen Übergangsbestand abdeckt. Darauf folgt eine Entwicklungsphase, in der Prototypen aller 16 Varianten entstehen, ergänzt um einen Labordemonstrator und sechs Verifikations-Prototypen. Erst danach beginnt die Serienproduktion. Das Erstlos von 21 Fahrzeugen dient der Erprobung. Ein vollständiger Prototyp mit dem italienischen Vector-V8-Triebwerk soll bis 2028 vorliegen, an italienische Anforderungen angepasste Lieferungen ab 2029 beginnen und die Serienproduktion ab 2030 anlaufen. Die Auslieferungen sind über den Zeitraum 2026 bis 2035 angesetzt.
Bei den Kosten ist eine genaue Abgrenzung erforderlich, da je nach Bezugsrahmen unterschiedliche Zahlen kursieren. Für A2CS allein weist die neue Planung zusätzliche Mittel von 1,9 Milliarden Euro aus dem Verteidigungsbeschaffungsprogramm aus; der Haushaltsposten 2025 für den Lynx liegt bei 130 Millionen Euro. Das parallele Kampfpanzerprogramm schlägt mit 8,2 Milliarden Euro für den Zeitraum 2025 bis 2038 zu Buche. Für beide Programme zusammen über 15 Jahre gehen die Angaben weit auseinander. Die Ankündigung des Joint Ventures vom Oktober 2024 nannte 16,4 Milliarden US-Dollar. Das Fachmagazin EDR spricht von einem Deckel über 18 Milliarden Euro. Wikipedia führt rund 23 Milliarden Euro an, und mit sämtlichen Optionen reichen Schätzungen aus Medien und Analysehäusern bis 30 bis 34 Milliarden Euro. Die Stückkosten eines Lynx sind nicht offiziell beziffert; Analysten schätzen sie auf rund 9 bis 11 Millionen US-Dollar je Fahrzeug. Die große Bandbreite erklärt sich vor allem aus dem Bezugsrahmen, denn niedrige Werte beziehen sich auf den ursprünglich angekündigten Vertragskern, höhere schließen Optionen, beide Programme und einen längeren Zeitraum ein.
Über die laufende Beschaffung hinaus ist das Programm auf Weiterentwicklung angelegt. Ein Prototyp einer unbemannten Turmversion ist für 2027 vorgesehen. Der Hitfist-Turm soll zudem über A2CS hinaus zum Einsatz kommen und den Freccia-Nachfolger VBM 30 NG bewaffnen. Damit ist das Vorhaben nicht auf den Lynx beschränkt, sondern wirkt in benachbarte Beschaffungslinien des Heeres hinein.
Fazit
Abschließend sind die offenen Fragen zu betrachten. Zwei davon bestimmen, wie verlässlich sich der Zeitplan halten lässt, nämlich die Liefertreue des Herstellers und die Finanzierung.
Ein A2CS-spezifischer Verzug lässt sich heute nicht feststellen, weil das Programm gerade erst angelaufen ist. Berechtigt bleiben die Zweifel an der Liefertreue trotzdem, denn A2CS wird von Rheinmetall gebaut, und Rheinmetall arbeitet Ende März 2026 einen Auftragsbestand von 73 Milliarden Euro ab. Der Auftragseingang übersteigt den Umsatz um mehr als das Doppelte; vereinfacht kommen neue Aufträge schneller herein, als die Fertigung die alten abarbeiten kann. Wie sich das auswirkt, zeigt die Bundeswehr, wo der Konzern bei mehreren Programmen in Verzug ist. Am deutlichsten beim Flugabwehrsystem Skyranger 30, wo der Rückstand laut dem Magazin Stern mindestens 16 Monate beträgt, während Rheinmetall selbst von fünf Monaten spricht; im Raum steht eine Vertragsstrafe von bis zu 25 Millionen Euro. Auch bei Caracal, Puma und Kodiak sind Verzögerungen dokumentiert. Das Problem endet jedoch nicht an der deutschen Grenze. Auch international verschieben sich Lieferungen, und der Aktienkurs lag 2025 trotz voller Auftragsbücher rund 19 Prozent im Minus, weil Investoren zweifeln, ob die Fertigung mit den Zusagen Schritt hält. Für ein Programm, dessen Auslieferungen bis 2035 reichen, ist die Frage nach der Pünktlichkeit des Herstellers damit berechtigt, auch wenn A2CS bislang im Plan liegt.
Die zweite offene Frage ist die Finanzierung. Der ordentliche Verteidigungshaushalt lag 2025 bei rund 31,3 Milliarden Euro, ein Plus von 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man umkategorisierte Posten hinzu, etwa Pensionen und Anteile der Carabinieri, ergeben sich 45,3 Milliarden Euro, womit Italien das Zwei-Prozent-Ziel der NATO erreicht. Für das EU-Finanzierungsinstrument SAFE, ausgeschrieben Security Action for Europe, sind 14,9 Milliarden Euro reserviert. Nach dem Stand von Mai und Juni 2026 plant Italien jedoch, nur rund 4 bis 5 Milliarden Euro abzurufen, beschränkt auf bereits vertraglich gebundene Projekte. Die nationale Ausnahmeklausel, im Original National Escape Clause oder kurz NEC, wurde abgesagt, nachdem das Defizit bei 3,1 Prozent lag. Die endgültige Entscheidung über den SAFE-Abruf liegt beim Finanzministerium. Am 11. Juni 2026 kündigte Ministerpräsidentin Meloni für dieses Jahr Verteidigungsausgaben in Höhe von 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an, im Vorfeld des NATO-Gipfels in Ankara.
Hinzu kommt die Frage des Personals. Über alle Teilstreitkräfte hinweg verfügt Italien derzeit über rund 170.000 aktive Soldatinnen und Soldaten, auf die Teilstreitkraft Heer entfallen davon etwa 95.000. Laut Medienberichten, darunter La Repubblica, La Stampa und ANSA, liegt ein von Verteidigungsminister Crosetto in Auftrag gegebener Plan vor, dieses Berufsheer um bis zu 40.000 auf rund 135.000 Soldaten bis 2033 aufzustocken, gestaffelt über die Jahre 2030 bis 2033, ergänzt um eine freiwillige Reserve von bis zu 10.000 Personen. Es handelt sich also um einen geplanten Aufwuchs, nicht um eine Verkleinerung. Der Plan ist nicht final und offiziell nicht kommentiert.
A2CS bildet den Startpunkt eines mehrjährigen Mechanisierungspfads. Die vier am 27. Januar 2026 übergebenen Fahrzeuge sind ein erster, kleiner Schritt eines auf rund 1.050 Fahrzeuge angelegten Programms. Ob das Vorhaben gelingt, entscheidet sich am Stückzahlzulauf, an der Reife der 16 Varianten bis 2029 und an einer gesicherten Finanzierung.
