RENK erweitert Rahmenvertrag mit Rheinmetall für Lynx-Antriebe

Der Augsburger Antriebshersteller RENK liefert Rheinmetall weitere Getriebe und Seitenvorgelege für den Schützenpanzer KF41 Lynx. Das Volumen der Vertragserweiterung liegt inklusive Optionen bei über 270 Millionen Euro.
Lynx KF41 / Foto: Rheinmetall AG

Der Augsburger Antriebshersteller RENK liefert Rheinmetall weitere Getriebe und Seitenvorgelege für den Schützenpanzer KF41 Lynx. Das Volumen der Vertragserweiterung liegt inklusive Optionen bei über 270 Millionen Euro.

Die RENK Group AG hat ihren bestehenden Rahmenvertrag mit Rheinmetall zur Lieferung von Antriebslösungen für das Kettenfahrzeug KF41 Lynx ausgeweitet. Das Unternehmen teilte dies am 9. Juli 2026 in Augsburg mit. Die Vereinbarung umfasst hydrodynamische Schalt-, Wende- und Lenkgetriebe des Typs HSWL 256C sowie Seitenvorgelege; das Gesamtvolumen beträgt inklusive Optionen mehr als 270 Millionen Euro.

Antriebstechnik aus Augsburg

RENK liefert mit dem Getriebe und den Seitenvorgelegen zentrale Komponenten des Lynx-Antriebsstrangs, die die Motorleistung auf die Ketten übertragen. Das HSWL 256C ist für mittelschwere Kettenfahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu 50 Tonnen und Motorleistungen bis 850 Kilowatt ausgelegt. Jeweils sechs Vorwärts- und Rückwärtsgänge sollen identische Beweglichkeit und Höchstgeschwindigkeit in beide Fahrtrichtungen ermöglichen. Der KF41 wiegt in der Standardkonfiguration rund 44 Tonnen und bietet Platz für eine dreiköpfige Besatzung sowie bis zu acht abgesessene Infanteristen.

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Michael Masur, CEO der Sparte Vehicle Mobility Solutions bei RENK, bezeichnete die Erweiterung als Fortsetzung der bisherigen Zusammenarbeit mit Rheinmetall und verwies darauf, dass RENK die Kernkomponenten des Antriebssystems beisteuere. Die Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeit sei für das Unternehmen zugleich Anspruch und Verantwortung, so Masur sinngemäß. Nach Angaben von RENK schafft der frühzeitige Ausbau eigener Produktionskapazitäten die Voraussetzung dafür, steigende Bedarfe langfristig bedienen zu können.

Wachsende Nutzerbasis in Europa

Hintergrund der Vertragserweiterung ist die zunehmende Verbreitung des Lynx in europäischen Streitkräften. Ungarn hatte die Beschaffung im August 2020 vereinbart und dafür mehr als zwei Milliarden Euro für 218 Fahrzeuge in sieben Varianten im Rahmen des Modernisierungsprogramms Zrínyi bereitgestellt. Ein Teil der Fahrzeuge wird in Ungarn selbst gefertigt.

Deutlich größer fällt der jüngste Auftrag aus Rumänien aus. Die Generaldirektion für Rüstung des rumänischen Verteidigungsministeriums schloss am 29. Mai 2026 eine Rahmenvereinbarung mit der mehrheitlich zu Rheinmetall gehörenden Rheinmetall Automecanica SRL über 298 Schützenpanzer und weitere Lynx-Varianten im Wert von 3,337 Milliarden Euro netto. Rheinmetall beziffert das gesamte rumänische Auftragspaket – einschließlich Flugabwehrsystemen, Munition und vier Marineschiffen – auf 5,7 Milliarden Euro; die Auslieferungen sollen 2028 beginnen und bis 2030 abgeschlossen sein. Die Fertigung ist am Standort Mediaș vorgesehen, womit Rumänien nach Deutschland und Ungarn zum dritten Produktionszentrum für den Lynx wird.

Finanziert wird die rumänische Beschaffung überwiegend über das EU-Kreditinstrument SAFE (Security Action for Europe), das Mitgliedstaaten zinsgünstige Darlehen bereitstellt und dabei einen Mindestanteil von 65 Prozent des Produktwerts aus EU- oder Partnerstaaten vorschreibt. Über Ungarn und Rumänien hinaus erhielt die Ukraine erste Lynx-Fahrzeuge, Italien erprobt die Plattform seit 2025.

Lieferketten als Engpassfaktor

Für Zulieferer wie RENK wirkt sich jeder zusätzliche Lynx-Nutzer unmittelbar auf das Auftragsvolumen aus, da die Antriebskomponenten fest in die Fahrzeugarchitektur integriert sind. Zugleich gelten Komponentenengpässe als kritischer Faktor der europäischen Rüstungsproduktion: Fehlende Getriebe, Elektronik oder Munitionskomponenten können ganze Fertigungslinien verzögern, unabhängig von der verfügbaren Finanzierung.

Die RENK Group AG mit Sitz in Augsburg stellt Getriebe, Antriebsstränge, Power-Packs, Hybridantriebe, Federungssysteme, Gleitlager, Kupplungen und Prüfanlagen für militärische und zivile Märkte her. Das Unternehmen ist seit dem 7. Februar 2024 an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert und seit dem 24. März 2025 im MDAX gelistet; im Geschäftsjahr 2025 lag der Umsatz bei rund 1,4 Milliarden Euro.

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