Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat ein europaweites Vergabeverfahren für 500 Fusionsbrillen und 150 smarte Batteriepacks für die Spezialkräfte der Bundeswehr eröffnet.
Gegenstand und Verfahren
Unter dem Vorhabentitel „Q/U2CD/VA064/35590 – Fusionsbrille SpezKr Bw“ beschafft das BAAINBw eine binokulare Nachtsichtlösung mit zwei Restlichtverstärkerkanälen, die stereoskopisches Sehen im Nah- und Mittelbereich ermöglicht. Als Einsatzszenario nennt die Bekanntmachung unter anderem den Fallschirmsprung. Neben den 500 Sätzen umfasst der Auftrag 150 smarte Batteriepacks sowie die zugehörige Dokumentation.
Das Verfahren läuft als Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb auf Grundlage der Richtlinie 2009/81/EG und der Vergabeverordnung Verteidigung und Sicherheit. Es ist nicht in Lose unterteilt, eine Rahmenvereinbarung ist nicht vorgesehen, Neben- und Mehrfachangebote sind ausgeschlossen. Verfahrenssprache ist Deutsch, Erfüllungsort ist Zeithain im Landkreis Meißen. Ein geschätzter Auftragswert wird nicht ausgewiesen. Das BAAINBw stuft die Beschaffung ausdrücklich als nicht für kleine und mittlere Unternehmen geeignet ein. Die Aufforderung zur Angebotsabgabe soll voraussichtlich am 16. November 2026 versandt werden; ein Teil der Vergabeunterlagen ist zugangsbeschränkt und nur über die Plattform e-Vergabe abrufbar.
Eignungskriterien grenzen das Bieterfeld ein
Bewerber müssen zwei Referenzprojekte aus den vergangenen fünf Jahren nachweisen, in denen sie Fusionsbrillen an öffentliche Auftraggeber aus dem Verteidigungsbereich geliefert haben. Hinzu kommen eine Bankerklärung, Eigenerklärungen zum Nichtvorliegen von Ausschlussgründen nach den Paragrafen 123 und 124 GWB, eine Erklärung zu Artikel 5k der EU-Sanktionsverordnung 833/2014 in der Fassung der Verordnung 2022/576, Nichtansässigkeitserklärungen für Haupt- und Unterauftragnehmer sowie Angaben zum Nettoumsatz der vergangenen drei Geschäftsjahre. Nachprüfungsinstanz ist das Bundeskartellamt.
Erprobung bei WTD 91 und KSK
Vor der Zuschlagsentscheidung sieht das Amt eine Voruntersuchung der angebotenen Systeme bei der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) in Meppen und beim Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw vor. Der Zeitraum ist auf Ende Januar bis April 2027 terminiert, je Standort sind vier Tage angesetzt. Bieter müssen jeweils vier Systeme sowie bis zu fünf technische Mitarbeiter zur Einweisung bereitstellen, sich Besuchskontrollverfahren unterziehen und die entstehenden Kosten einschließlich möglicher Ausfälle der Erprobungsmuster selbst tragen. Nach Informationen des Branchendienstes Defence Network aus Industriekreisen soll die Beschaffung nicht allein für das KSK, sondern auch für das Kommando Spezialkräfte Marine erfolgen; die Bekanntmachung selbst führt dazu nichts aus.
Hintergrund
Fusionsbrillen kombinieren Restlichtverstärkung mit Wärmebildtechnik. Das Bild des Restlichtverstärkers wird dabei mit einem Wärmebild überlagert, sodass die Informationen beider Technologien gleichzeitig für Detektion und Identifikation zur Verfügung stehen. Gegenüber reinen Bildverstärkerbrillen verbessert das die Erkennbarkeit von Personen und Fahrzeugen, etwa bei Rauch, Staub oder Tarnung.
In der Bundeswehr sind binokulare Fusionsgeräte bislang im Wesentlichen den Spezialkräften vorbehalten, während die Truppe überwiegend mit Bildverstärkerbrillen ausgestattet ist. Bereits 2019 erhielt die IEA Mil-Optics GmbH einen Auftrag über binokulare Fusion-Nachtsichtbrillen mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen Euro. Dasselbe Unternehmen lieferte 2024 Fusions-Nachtsichtbrillen an die Bundespolizei, wo eine mittlere zweistellige Stückzahl mit Aufwuchsoption vorgesehen war. International gilt die von der US Army eingeführte ENVG-B als Referenzsystem dieser Gerätekategorie. Sie ist eine Weiterentwicklung der zuvor für die deutschen Spezialkräfte beschafften Fusion-Goggle-Enhanced und verbindet binokulare Nachtsicht mit einem integrierten Wärmebildgerät.
