Ukraine bestätigt Kampfeinsätze ihres schwedischen AWACS

Das ukrainische Verteidigungsministerium hat erstmals bestätigt, dass das von Schweden gelieferte Aufklärungs- und Führungsflugzeug ASC 890 seit März 2026 Kampfeinsätze fliegt. Damit verfügt die ukrainische Luftwaffe erstmals über eine eigene luftgestützte Frühwarnkomponente.
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Das ukrainische Verteidigungsministerium hat erstmals bestätigt, dass das von Schweden gelieferte Aufklärungs- und Führungsflugzeug ASC 890 seit März 2026 Kampfeinsätze fliegt. Damit verfügt die ukrainische Luftwaffe erstmals über eine eigene luftgestützte Frühwarnkomponente.

Bestätigung nach knapp zwei Jahren

Die Angaben stammen aus einer Übersicht des Ministeriums zum Bestand westlicher Kampfflugzeuge. Demnach ist die Maschine seit rund einem halben Jahr im operativen Einsatz. Angaben zur Zahl der geflogenen Einsätze, zum Stationierungsort oder zum Einsatzprofil machte das Ministerium nicht.

Schweden hatte die Abgabe des Flugzeugs am 29. Mai 2024 im Rahmen seines 16. Unterstützungspakets angekündigt, das mit 13,3 Milliarden schwedischen Kronen (rund 1,16 Milliarden Euro) das bis dahin größte war. Neben dem Radarflugzeug umfasste es Luft-Luft-Flugkörper des Typs RB 99 (AMRAAM), den gesamten schwedischen Bestand an Schützenpanzern Pbv 302 sowie 155-Millimeter-Artilleriemunition. Die schwedische Regierung verwies damals darauf, dass die Abgabe die eigene Fähigkeitslage vorübergehend schwäche, und kündigte an, dies durch die Beschaffung zusätzlicher GlobalEye-Maschinen (S 106) und das Vorziehen bereits bestellter Flugzeuge auszugleichen.

Der Vollzug der Übergabe wurde im August 2025 bestätigt. Die Verzögerung geht nach Darstellung schwedischer Stellen unter anderem auf Anpassungen der Datenübertragungssysteme zurück, die für das Zusammenwirken mit den ukrainischen F-16 notwendig waren. Bereits vor der offiziellen Bestätigung hatte am 20. März 2026 ein Video in einem russischen Telegram-Kanal kursiert, das die Maschine im Flug zeigen soll; Ort und Zeitpunkt der Aufnahme waren zunächst nicht unabhängig überprüfbar.

Technische Auslegung

Die ASC 890 basiert auf dem Regionalverkehrsflugzeug Saab 340 und trägt das Erieye-Radar von Saab in einer rechteckigen Verkleidung oberhalb des Rumpfes. Das System arbeitet mit aktiver elektronischer Strahlschwenkung und kann Luft- und Seeziele auf Entfernungen von bis zu etwa 450 Kilometern erfassen und verfolgen. Die typische Einsatzhöhe liegt bei rund 6.000 Metern. An Bord arbeitet eine Besatzung von sechs Personen, darunter ein Einsatzleitoffizier sowie Bediener für Überwachung und Jagdleitung. In schwedischer Nomenklatur wird das Muster als S 100D Argus geführt, ein Umbau der 1997 eingeführten S 100B Argus mit NATO-kompatibler Führungsausstattung und zusätzlichen Arbeitsplätzen.

Funktional dient das Flugzeug als fliegender Radar- und Gefechtsstand. Es erfasst Flugzeuge, Marschflugkörper und Drohnen weit außerhalb der Reichweite bodengebundener Sensoren und übermittelt die Zieldaten an eigene Jagdflugzeuge. Diese können Abfangeinsätze fliegen, ohne ihr eigenes Bordradar zu aktivieren und damit ihre Position preiszugeben. Die schwedische Luftwaffe betrieb vor der Abgabe zwei Maschinen dieses Typs; beide sollen in die Ukraine gegangen sein.

Einordnung in den Aufbau der ukrainischen Luftwaffe

Das Verteidigungsministerium in Kiew stellt die ASC 890 als Bestandteil eines Verbundes westlicher Kampfflugzeuge dar. Dessen Kern bilden die F-16, deren erste Exemplare 2024 aus Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und Belgien eintrafen und deren Piloten teilweise in Rumänien ausgebildet werden. Seit 2025 erhält die Ukraine zudem Mirage 2000 aus Frankreich.

Hinzu kommt die schwedische Gripen-Linie. Schweden hat im Mai 2026 die Abgabe von bis zu 16 gebrauchten Gripen C/D zugesagt, deren Übergabe für Anfang 2027 vorgesehen ist. Am 30. Juni 2026 unterzeichneten beide Seiten darüber hinaus einen Kaufvertrag über 16 neu gebaute Gripen E im Wert von 24,6 Milliarden schwedischen Kronen, finanziert über eine EU-Kreditfazilität mit britischer Beteiligung. Die Auslieferung dieser Maschinen ist für 2029 und 2030 geplant. Langfristig hat Kiew Interesse an einer deutlich größeren Stückzahl angemeldet.

Nach Darstellung ukrainischer Stellen soll die Verbindung von großflächiger Radarabdeckung und modernen Kampfflugzeugen die Luftverteidigung an das NATO-übliche Verfahren vernetzter Einsatzführung heranführen, statt einzelne Flugzeuge mit begrenztem Lagebild operieren zu lassen.

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