Der erste umfassend überholte Kampfpanzer des schwedischen Heeres ist in Skövde eingetroffen. Bis 2031 sollen sämtliche 110 Fahrzeuge des Typs Stridsvagn 122 in Deutschland modernisiert werden.
Die schwedische Beschaffungsbehörde Försvarets materielverk (FMV) hat den ersten modifizierten Stridsvagn 123A in Empfang genommen. Das Fahrzeug wurde nach Angaben der Behörde im Werk des deutsch-französischen Rüstungsunternehmens KNDS in München renoviert und umgerüstet und anschließend nach Skövde überführt. Niclas Lindberg, Leiter der Kampfpanzersektion bei FMV, verweist darauf, dass nun die Verifikation des Systems, fortlaufende Lieferungen, die Ausbildung von Personal der Streitkräfte sowie der weitere Aufbau der übrigen Systembestandteile anstehen.
Umfangreichste Modifikation seit den 1990er Jahren
FMV bezeichnet das Vorhaben als die weitreichendste Änderung am Stridsvagn 122 seit dessen Einführung in den schwedischen Streitkräften Ende der 1990er Jahre. Der Panzer entspricht einer an schwedische Anforderungen angepassten Version des Leopard 2A5 und entstand seinerzeit in Zusammenarbeit von Krauss-Maffei Wegmann und Hägglunds.
Zum Umfang der Modernisierung gehören laut FMV ein verbesserter Schutz, neue Sensorik, ein überarbeitetes Waffensystem sowie digitale Teilsysteme, die die Interoperabilität mit anderen NATO-Streitkräften erhöhen sollen. Nach Darstellung von Defence Industry Europe werden nahezu sämtliche elektronischen Komponenten ersetzt und an den Stand des Leopard 2A8 angeglichen; dazu zählen ein neues Feuerleitsystem, neue Richtschützen- und Kommandantenoptiken sowie ein Nachtsichtgerät für den Fahrer. Beide Varianten der Baureihe erhalten die 120-mm-Kanone Rheinmetall Rh-120 L55A1 mit Munitionsprogrammierung. Hinzu kommen ein überarbeitetes Laufwerk mit neuen Ketten sowie eine Hilfsantriebseinheit. Die Interoperabilitätsanforderungen ergeben sich aus dem NATO-Beitritt Schwedens im März 2024.
Zwei Verträge, 154 Fahrzeuge
Das Programm läuft unter der Bezeichnung REMO (Renovation Modernization) und stützt sich auf zwei Vertragsabschlüsse mit KNDS Deutschland. Der erste aus dem Herbst 2023 umfasste die Modernisierung von 44 Fahrzeugen, der zweite von Ende 2024 ergänzte 66 weitere Umrüstungen sowie 44 Neufahrzeuge auf Basis des Leopard 2A8. Für das erste Los wurde ein Auftragswert von rund 301 Millionen Euro genannt. Die Neubauten erhalten die Bezeichnung Stridsvagn 123B; mit ihnen werden unter anderem zehn Fahrzeuge ersetzt, die Schweden an die Ukraine abgegeben hatte.Insgesamt soll das schwedische Heer bis 2031 über 154 Kampfpanzer der Baureihe Stridsvagn 123 in den Varianten A und B verfügen.
Die formale Übergabe des ersten modernisierten Fahrzeugs an FMV fand bereits am 22. Juni 2026 im Münchner Werk von KNDS Deutschland statt, das den Typ als Leopard 2 SWE führt.
Erst Ausbildung, dann Systemübergabe
Das nun eingetroffene Fahrzeug wird zunächst nicht in der Truppe eingesetzt, sondern dient der Ausbildung von Instruktoren und Prüftechnikern. Die Instruktoren sollen in einem zweiten Schritt die Besatzungen der Streitkräfte schulen.
FMV weist darauf hin, dass das Vorhaben über die Fahrzeuge selbst hinausgeht. Zum System Stridsvagn 123 zählen unter anderem Munition, Simulatoren, Ausbildung, administrative Unterstützungssysteme, technische Dokumentation, Infrastruktur, Instandhaltung und Ersatzteile. Für die Ausbildung ist ein separater Vertrag über hochauflösende Simulatoren geschlossen worden. Die Übergabe des Gesamtsystems von FMV an die schwedischen Streitkräfte ist für das laufende Jahr vorgesehen.
