Das Münchner Defence-Tech-Unternehmen ARX Robotics hat auf der Rüstungsmesse MSPO in Kielce seine Expansion nach Polen angekündigt. Vorgesehen sind ein dauerhafter Standort, Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe und eine engere Anbindung an die polnischen Streitkräfte.
Erste Schritte: Gesellschaftsgründung und eigener Standort
ARX Robotics hat in einem ersten Schritt eine polnische Gesellschaft gegründet. Darauf aufbauend plant das Unternehmen einen dauerhaften Hauptsitz im Land sowie eigene Einrichtungen für Ausbildung, Instandhaltung und technische Unterstützung der Nutzer. Die Investitionen sollen im zweistelligen Millionenbereich liegen; hoch qualifizierte Arbeitsplätze sollen bis zum Ende des Jahrzehnts entstehen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete über den Schritt und wies darauf hin, dass ARX Robotics unter anderem vom NATO Innovation Fund finanziert wird.
Ziel ist nach Unternehmensangaben eine dauerhafte Verankerung im polnischen Verteidigungsökosystem. Dazu will ARX Robotics mit Streitkräften, Regierung und Industrie zusammenarbeiten und Optionen für Einsatz, Fertigung und langfristige Einsatzunterstützung autonomer Landsysteme prüfen. Firmenchef und Mitgründer Marc Wietfeld bezeichnete Polen als vierten Markt des Unternehmens und verwies auf den Anspruch, Teil der polnischen verteidigungsindustriellen Basis zu werden. Er begründete den Zeitpunkt mit der zunehmenden russischen Aggression entlang der NATO-Ostflanke und erklärte, die in der Ukraine gewonnenen Erkenntnisse zur Entwicklung moderner Kriegführung sollten an polnische und alliierte Truppen weitergegeben werden.
Ukraine als Referenzmarkt
Das Vorgehen orientiert sich am bisherigen Modell des Unternehmens in der Ukraine. Dort arbeitet ARX Robotics nach eigenen Angaben unmittelbar mit militärischen Anwendern zusammen und passt seine Systeme auf Grundlage operativer Rückmeldungen laufend an. Die unbemannten Bodenfahrzeuge der GEREON-Familie sind dort in größerer Stückzahl im Einsatz; das Unternehmen beschreibt seine Flotte als die größte vernetzte UGV-Flotte eines westlichen Herstellers in der Ukraine.
Neben den Fahrzeugen vertreibt ARX Robotics das KI-gestützte Betriebssystem Mithra OS, mit dem sich auch Bestandsplattformen digitalisieren lassen. Als Anwendungsfelder autonomer Systeme nennt das Unternehmen Aufklärung, Logistik und Verwundetentransport. Im Juni 2026 hatte ARX Robotics gemeinsam mit dem ukrainischen Hersteller Roboneers das Gemeinschaftsunternehmen ARX Industries angekündigt, das die Serienfertigung des UGV Rys Pro für die ukrainischen Streitkräfte übernehmen soll.
Wachstumskurs seit 2026
Anfang Juni 2026 kündigte das 2021 gegründete Unternehmen einen neuen Hauptsitz mit angeschlossener Fertigung in München an, mit dem die Produktionskapazität in Deutschland bis Jahresende verfünffacht werden soll. Hinzu kam eine Hauptstadtrepräsentanz in Berlin. Derzeit beschäftigt ARX Robotics nach eigenen Angaben rund 300 Mitarbeitende an den Standorten München, Berlin, London und Kyjiw. Mit Polen wäre das Unternehmen künftig in drei der fünf größten europäischen Verteidigungsmärkte vertreten.
Marktumfeld in Polen
Polen zählt zu den am schnellsten wachsenden Beschaffungsmärkten des Bündnisses. Nach NATO-Schätzungen gab das Land 2025 rund 4,48 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus und lag damit an der Spitze der Allianz, vor den Vereinigten Staaten mit 3,22 Prozent. Der Regierungsentwurf für den Haushalt 2026 sieht einen Anstieg auf 4,8 Prozent vor, was rund 200 Milliarden Zloty entspricht. Der Aufwuchs wird über den Etat des Verteidigungsministeriums sowie einen außerbudgetären Streitkräfte-Unterstützungsfonds finanziert.
