Erstmals haben Eurofighter Typhoon der Royal Air Force an einer französischen Nuklearübung teilgenommen. Bei der Übung „Rummy“ am 20. und 21. Oktober 2026 begleiteten sie französische Rafale über dem Mittelmeer bei einem simulierten nuklearen Angriffsauftrag.
Simulierter Einsatz über dem Mittelmeer
Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums (Ministry of Defence, MoD) starteten die französischen Rafale vom Luftwaffenstützpunkt Saint-Dizier im Nordosten Frankreichs. Sie flogen einen simulierten nuklearen Angriffsauftrag, die Typhoon der Royal Air Force (RAF) übernahmen den Begleitschutz. Nuklearwaffen waren nicht beteiligt. Ziel der Übung war laut MoD, das Zusammenwirken der Streitkräfte beider Länder zu verbessern, damit sie im Fall einer ernsthaften Bedrohung schnell gemeinsam handeln können.
Saint-Dizier ist der zentrale Standort der luftgestützten französischen Nuklearkomponente. Die Rafale B der Forces aériennes stratégiques (FAS) sind eines von zwei ständig einsatzbereiten Trägersystemen, mit denen Frankreich auf Anordnung des Staatspräsidenten einen Nuklearschlag ausführen kann. Für das Training nuklearer Luftangriffe führen die FAS regelmäßig die Übungsserie „Poker“ durch, die in der Regel viermal jährlich und meist nachts stattfindet. Ob „Rummy“ in diese Serie eingebunden war, geht aus der britischen Mitteilung nicht hervor.
Aussagen der Verteidigungsminister
Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting sieht in der Übung den Beginn eines neuen Abschnitts in den nuklearen Verteidigungsbeziehungen beider Länder. Als die nuklearen Mächte Europas trügen Großbritannien und Frankreich eine gemeinsame Verantwortung für die Sicherheit im euro-atlantischen Raum. Die Übung zeige die Belastbarkeit der Partnerschaft und die Glaubwürdigkeit beider Abschreckungspotenziale.
Die französische Ministerin für die Streitkräfte und Veteranen, Catherine Vautrin, betont, dass unabhängige Nuklearstreitkräfte eine Abstimmung untereinander nicht ausschließen. Durch Koordinierung könnten beide Länder einen größeren Beitrag zur Sicherheit des Bündnisses leisten. Das MoD stellt klar, dass beide Staaten ihre souveränen Nuklearstreitkräfte und die nationale Entscheidungsgewalt behalten.
Grundlage: Die Northwood-Erklärung
Die Übung ist Teil des Kooperationsprogramms, das beide Länder in der Northwood-Erklärung vereinbart haben. Premierminister Keir Starmer und Präsident Emmanuel Macron unterzeichneten sie im Juli 2025. Darin halten beide Seiten fest, dass ihre nuklearen Abschreckungspotenziale unabhängig bleiben, aber koordiniert werden können. Eine Nuclear Steering Group unter gemeinsamer Leitung des Élysée-Palasts und des britischen Premierministeramts soll die Zusammenarbeit in Politik, Fähigkeiten und Einsatzfragen steuern. Zuvor beruhte die bilaterale nukleare Zusammenarbeit vor allem auf der Chequers-Erklärung von 1995. Ergänzt wird die Partnerschaft durch den erneuerten Lancaster-House-Vertrag, der unter anderem eine gemeinsame Einsatztruppe und die Entwicklung neuer Waffensysteme umfasst.
Die beiden Länder unterscheiden sich in ihrer Einbindung in die NATO. Frankreich ist das einzige NATO-Mitglied, das nicht an der Nuklearen Planungsgruppe des Bündnisses teilnimmt; die Koordinierung mit Großbritannien soll die nukleare Planung der NATO ergänzen.
Britische Investitionen in die nukleare Abschreckung
Großbritannien will nach Angaben des MoD in den kommenden vier Jahren 63 Milliarden Pfund in seine nukleare Abschreckung investieren. Das Geld fließt unter anderem in die U-Boote der Dreadnought-Klasse, in Jagd-U-Boote des Programms SSN-AUKUS und in einen neuen nuklearen Gefechtskopf. Zudem beschafft die RAF 12 Kampfflugzeuge vom Typ F-35A und beteiligt sich an der nuklearen Mission der NATO. Die Maschinen sollen gemeinsam mit den britischen F-35B auf der RAF Marham stationiert werden. Anders als die F-35B kann die F-35A die US-Freifallbombe B61-12 tragen; an der Dual-Capable-Aircraft-Mission der NATO beteiligen sich bislang die Luftstreitkräfte Belgiens, Deutschlands, Italiens und der Niederlande.
Ausweitung der Zusammenarbeit in Europa
Frankreich öffnet seine nuklearen Übungen auch für andere Partner. Im Juli 2026 setzten Deutschland und Frankreich ihre im März vereinbarte Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung erstmals praktisch um: Zwei nuklearfähige Rafale und zwei Eurofighter der Bundeswehr übten die Luftbetankung durch ein französisches Tankflugzeug. Der deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat beschloss anschließend auf dem Fliegerhorst Nörvenich die erstmalige Beteiligung Deutschlands an einer französischen Nuklearübung.
