NATO übt in Niedersachsen das Zusammenwirken von Militär und Zivilgesellschaft

Vom 14. bis 26. Juni 2026 trainieren Streitkräfte aus 28 Nationen in Niedersachsen die zivil-militärische Zusammenarbeit. Es ist die nach Angaben der Bundeswehr größte Übung dieser Art im NATO-Rahmen.
Foto: Bundeswehr I Susanne Hähnel

Vom 14. bis 26. Juni 2026 trainieren Streitkräfte aus 28 Nationen in Niedersachsen die zivil-militärische Zusammenarbeit. Es ist die nach Angaben der Bundeswehr größte Übung dieser Art im NATO-Rahmen.

Unter dem Namen CIMIC Quadriga 2026 findet vom 14. bis 26. Juni in Niedersachsen eine multinationale Militärübung statt, die das Zusammenwirken von Streitkräften und zivilen Akteuren in den Mittelpunkt stellt. Gastgeber ist das in Nienburg an der Weser stationierte Kommando Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr. Insgesamt entsenden 28 Nationen Soldatinnen und Soldaten, um gemeinsame Verfahren und Fähigkeiten für die Landes- und Bündnisverteidigung zu erproben.

Bei dem Format handelt es sich um eine sogenannte freilaufende Übung, bei der die Abläufe nicht streng vorgegeben sind, sondern auf Lageentwicklungen reagiert wird. Der Übungsraum erstreckt sich über mehrere Regionen Niedersachsens, neben Nienburg unter anderem auf die Räume Hannover, Verden, Walsrode und Eystrup.

Jetzt Steady-Mitglied werden!

Was geübt wird

Im Zentrum steht die Frage, wie militärische Stellen und zivile Partner in einem komplexen Krisenszenario zusammenarbeiten. Die Teilnehmenden untersuchen, wie sich eine solche Lage auf Bevölkerung, Verwaltung, Wirtschaft, Infrastruktur und Versorgung auswirkt, und erstellen daraus ein ziviles Lagebild. Dieses Lagebild soll militärische Entscheidungen auf einer belastbaren Grundlage absichern.

Das Szenario orientiert sich an den sicherheitspolitischen Herausforderungen an der NATO-Ostflanke. Geübt werden die Folgen hybrider Bedrohungen, Einschränkungen kritischer Infrastruktur sowie die Unterstützung von Truppenverlegungen alliierter Streitkräfte durch Europa. Über den gesamten Zeitraum verteilt finden mehrere Teilübungen statt, die intern als „Incidents“ bezeichnet werden.

Eingebunden sind nicht nur militärische Kräfte, sondern auch zivile Behörden und Hilfsorganisationen, darunter Polizei, Feuerwehr, das Technische Hilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz. Damit soll das praktische Zusammenspiel über Organisations- und teils auch Sprachgrenzen hinweg trainiert werden.

Deutschland als logistische Drehscheibe

Ein wesentlicher Teil der Übung bezieht sich auf die Rolle Deutschlands als Transit- und Unterstützungsland für verlegende NATO-Truppen. Aufgrund seiner geografischen Lage in der Mitte Europas führen viele Verlegerouten an die NATO-Ost- und Südostflanke über deutsches Gebiet. Diese Unterstützung – im Bündnis als Host Nation Support bezeichnet – zählt zu den Verpflichtungen Deutschlands innerhalb der NATO und umfasst etwa Transportbegleitung, Verpflegung, Kraftstoff und Rasträume.

Zur praktischen Erprobung kommt bei CIMIC Quadriga 2026 ein Convoy Support Center (CSC) zum Einsatz, das durchmarschierende alliierte Verbände unterstützen soll. Betrieben wird die Einrichtung im Auftrag der Bundeswehr durch die Rheinmetall Project Solutions GmbH. Damit wird zugleich die Zusammenarbeit zwischen Streitkräften und zivilem Betreiber im Bereich Host Nation Support abgebildet.

Einordnung und beteiligte Stellen

Generalleutnant Gerald Funke, Befehlshaber des Unterstützungskommandos der Bundeswehr, verwies auf die Funktion des Unterstützungsbereichs als Schnittstelle zwischen militärischen und zivilen Akteuren. Ohne umfassende zivile Unterstützung sei die Bundeswehr im Verteidigungsfall nicht durchhaltefähig. Der Unterstützungsbereich ist nach Angaben der Bundeswehr ihr zweitgrößter Organisationsbereich und umfasst rund 55.000 Beschäftigte.

Oberst i.G. Stefan Hofmaier, Kommandeur des Kommandos Zivil-Militärische Zusammenarbeit, ordnete die Übung als Beitrag zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe ein: Landes- und Bündnisverteidigung gelinge nur im engen Zusammenwirken von Streitkräften, Behörden, Unternehmen und weiteren zivilen Partnern.

CIMIC Quadriga ist Teil des seit 2023 jährlich durchgeführten Übungsclusters Quadriga, mit dem die Bundeswehr ihre Fähigkeiten zur Landes- und Bündnisverteidigung erprobt. Die Schwerpunktübungen dieses Clusters fanden bereits im Februar und März 2026 statt; der CIMIC-Anteil im Juni richtet den Fokus speziell auf die zivil-militärische Zusammenarbeit. Hintergrund der verstärkten Übungstätigkeit ist die veränderte Sicherheitslage in Europa infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Mit WhatsApp immer bestens informiert!

Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share