TKMS und Navantia rücken bei U-Boot-Kooperation näher zusammen

Der deutsche Marineschiffbauer TKMS und die spanische Staatswerft Navantia haben eine zweite Absichtserklärung unterzeichnet und wollen ihre zu Jahresbeginn gestartete Partnerschaft im U-Boot-Segment vertiefen. Bis Ende 2026 soll ein verbindlicher Kooperationsrahmen für ausgewählte Projekte stehen.
U212CD | Foto: TKMS

Der deutsche Marineschiffbauer TKMS und die spanische Staatswerft Navantia haben eine zweite Absichtserklärung unterzeichnet und wollen ihre zu Jahresbeginn gestartete Partnerschaft im U-Boot-Segment vertiefen. Bis Ende 2026 soll ein verbindlicher Kooperationsrahmen für ausgewählte Projekte stehen.

Zweites Memorandum baut auf Frühjahrsvereinbarung auf

Wie beide Unternehmen am 24. Juli in Madrid und Kiel mitteilten, folgt das neue Memorandum of Understanding (MoU) auf eine erste Absichtserklärung von Mitte April 2026. Ziel ist ein gemeinsamer Rahmen für die Produktion und Vermarktung ausgewählter U-Boot-Projekte. Nach Angaben der Partner haben die Gespräche der vergangenen drei Monate zu einer Verständigung auf klar abgegrenzte Bereiche geführt, in denen sich die Kompetenzen beider Häuser ergänzen sollen. Der angestrebte Kooperationsrahmen soll bis zum Jahresende stehen – vorbehaltlich der erforderlichen regulatorischen Freigaben.

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Durch die Bündelung ihrer Kapazitäten wollen TKMS und Navantia die am Markt verfügbaren Fertigungskapazitäten erweitern, Lieferzeiten verkürzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Geschäft stärken. Die Zusammenarbeit soll dabei im Einklang mit Wettbewerbs- und Exportkontrollrecht erfolgen und jeweils an konkrete Kundenanforderungen angepasst werden.

Keine Fusion – bestehende Programme bleiben unabhängig

Beide Seiten betonen, dass die Vereinbarung ausschließlich auf künftige Vorhaben ausgerichtet ist. Eine Fusion oder der wechselseitige Erwerb von Anteilen oder Vermögenswerten sei nicht vorgesehen; laufende Verträge, Programme und Projekte blieben unberührt und rechtlich eigenständig. TKMS-Chef Oliver Burkhard verweist darauf, dass die Kooperation die technologische Führungsrolle, Designhoheit und Qualitätsstandards des Unternehmens wahren solle. COO Andreas Görgen hebt hervor, dass beide Partner weiterhin unabhängig agieren und ihren bestehenden Programmen verpflichtet bleiben. Auf spanischer Seite ordnen der Vorstandsvorsitzende Ricardo Domínguez und COO Gonzalo Mateo-Guerrero die Vereinbarung als Beitrag zu einer belastbaren europäischen Verteidigungsindustrie ein, bei dem beide Unternehmen ihre jeweiligen Technologien behielten.

Bereits die erste Absichtserklärung im April hatte die mögliche Fertigung von TKMS-Konstruktionen – insbesondere U-Booten – in den spanischen Werften von Navantia in den Blick genommen. Hintergrund sind die durch die geopolitische Lage gestiegene Nachfrage nach Marineprodukten und zugleich begrenzte Werftkapazitäten in Europa.

Auslastung, Exportmärkte und das kanadische Großprojekt

Beide Konzerne sind derzeit gut ausgelastet. TKMS fertigt U-Boote der Klasse 212CD für Deutschland und Norwegen; die Werften sind mit diesem Programm bis in die 2040er-Jahre ausgebucht. Navantia arbeitet parallel an vier U-Booten der spanischen S-80-Klasse. Vor diesem Hintergrund zielt die Allianz nicht auf laufende, sondern auf künftige Aufträge – vor allem im Export.

Als strategischer Bezugspunkt gilt das kanadische Beschaffungsprogramm (Canadian Patrol Submarine Project), für das Kanada TKMS als bevorzugten Anbieter ausgewählt hat. Es umfasst bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD; Analysten beziffern das reine Bauvolumen auf rund 20 Milliarden Euro, über den gesamten Lebenszyklus inklusive Instandhaltung sind Schätzungen zufolge bis zu 60 Milliarden Euro möglich. Ein Zuschlag dieser Größenordnung würde den Kapazitätsdruck weiter erhöhen und die Zusammenarbeit mit Navantia zusätzlich aufwerten.

Die Kooperation fügt sich zudem in den Kurs von TKMS seit der Abspaltung von thyssenkrupp und dem Börsengang im Oktober 2025 ein, mit dem sich der Konzern stärker international ausrichtet. TKMS beschäftigt nach eigenen Angaben rund 9.700 Menschen an drei Werften in Kiel, Wismar und im brasilianischen Itajaí. Navantia befindet sich vollständig im Besitz der staatlichen Holding SEPI und zählt in Spanien knapp 6.000 Beschäftigte.

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