Die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH übernimmt im Auftrag des Beschaffungsamts BAAINBw die Gesamtverantwortung für das Forschungsvorhaben InterRoC VII. Ziel ist es, hochautomatisierte Militärkonvois aus unterschiedlichen Fahrzeugtypen unter Einsatzbedingungen zu erproben.
Auftrag folgt auf Erprobung in der Schweiz
Wie das Unternehmen am 13. Juli 2026 mitteilte, hat die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (RMMV) die Projektleitung für InterRoC VII (Interoperable Robotic Convoy VII) übernommen. Auftraggeber ist das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw).

Die Beauftragung erfolgte nach Unternehmensangaben kurz vor der European Land Robot Trial (ELROB) 2026, bei der Rheinmetall im Bereich der Konvoi-Szenarien den ersten Platz belegte. Die Veranstaltung fand vom 15. bis 19. Juni 2026 auf dem Waffenplatz Thun statt und wurde von armasuisse Wissenschaft und Technologie in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut FKIE und der RUAG AG ausgerichtet. Rund 20 internationale Teams erprobten dort ihre robotischen Systeme in realitätsnahen Szenarien. Die Veranstalter betonen, dass es sich bei ELROB formal nicht um einen Wettbewerb, sondern um eine Eignungsprüfung handelt; die Leistungen der Teams werden von einer Jury bewertet. Neben Konvoi-Szenarien umfasste die Erprobung die Disziplinen Aufklärung, Materialtransport („Mule“) sowie Search & Rescue.
Interoperable Fahrzeugverbände im Fokus
InterRoC VII ist die jüngste Stufe einer laufenden Forschungsreihe. In früheren Projektphasen erprobte Rheinmetall im Auftrag des BAAINBw zwei mit Autonomie-Kits ausgerüstete HX2-Lastwagen nach dem Leader-Follower-Prinzip: Das Führungsfahrzeug wird manuell gesteuert, die nachfolgenden Fahrzeuge folgen dessen Spur autonom und sind lediglich mit einem Sicherheitsfahrer besetzt. Bei der ELROB 2022 erreichte das Unternehmen in der Kategorie Convoying den zweiten Platz hinter der Universität der Bundeswehr München.
Die neue Projektphase geht darüber hinaus. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Fahrzeugverbände herstellerübergreifend zusammenstellen lassen – also Verbände, in denen unterschiedliche Plattformen gemeinsam autonom operieren. Dazu sollen Automatisierungs-, Wahrnehmungs- und Entscheidungsfunktionen sowie eine belastbare Pfadplanung für heterogene Konvois weiterentwickelt werden.
HX-Familie als Trägerplattform
Technische Basis sind Logistikfahrzeuge der HX-Familie von RMMV. Diese werden mit dem modularen PATH-Sensorik-Kit des Unternehmens sowie einem Drive-by-Wire-Kit ausgerüstet, das in die Fahrzeugarchitektur integriert wird. Die offene Systemarchitektur soll es erlauben, weitere Sensoren, KI-gestützte Softwarefunktionen und einsatzspezifische Algorithmen nachträglich einzubinden.
Ein technischer Schwerpunkt liegt auf dem Betrieb in sogenannten GNSS-denied-Umgebungen. Fallen satellitengestützte Navigationssignale aus oder werden sie gestört, sollen die Fahrzeuge ihre Position weiterhin bestimmen und Konvoifahrten selbstständig durchführen können. Diese Fähigkeit gilt in elektronisch umkämpften Räumen als operativ relevant. Auch die ELROB-Szenarien sehen entsprechende Bedingungen vor: Die Teams müssen dort unter anderem mit zeitweise gestörtem GPS-Empfang, unerwarteten Hindernissen und kurzfristigen Streckenänderungen zurechtkommen.
Softwarepartner aus München
Für Objektklassifizierung und Umfeldwahrnehmung arbeitet Rheinmetall mit der Driveblocks GmbH zusammen. Das Münchner Softwareunternehmen fusioniert Kamera- und LiDAR-Daten zu einem Echtzeit-3D-Modell komplexer Offroad-Umgebungen, auf dessen Grundlage Fahrzeuge Fahrentscheidungen treffen; die Technologie kann eigenständig oder als redundante Ergänzung zu GNSS-basierten Systemen eingesetzt werden. Kennzeichnend ist ein kartenloser Ansatz, der den Einsatz in unstrukturiertem Gelände und bei schlechten Sichtverhältnissen ermöglichen soll. Das 2021 gegründete Unternehmen schloss im Februar 2026 eine Pre-Series-A-Finanzierung über 3,5 Millionen Euro ab und adressiert die Bereiche Landmaschinen, Baumaschinen und Militärfahrzeuge.
Einordnung
Mit InterRoC VII setzt die Bundeswehr ihre Forschung zur Automatisierung logistischer Transportaufgaben fort. Der erwartete Nutzen liegt nach Darstellung Rheinmetalls in effizienteren Versorgungsketten und einer geringeren Gefährdung des eingesetzten Personals, da weniger Soldatinnen und Soldaten Transportfahrten in gefährdeten Räumen begleiten müssten. Angaben zum finanziellen Volumen oder zur Laufzeit der Projektphase wurden weder vom BAAINBw noch vom Unternehmen veröffentlicht.
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