Frankreichs neue Raketenartillerie könnte vor Truppeneinführung in der Ukraine getestet werden

Berichten zufolge könnte das französische Raketenartilleriesystem THUNDART noch vor seiner offiziellen Einführung bei der französischen Armee unter realen Gefechtsbedingungen erprobt werden. Bestätigt ist die Information bislang nicht.
Foto: MBDA

Berichten zufolge könnte das französische Raketenartilleriesystem THUNDART noch vor seiner offiziellen Einführung bei der französischen Armee unter realen Gefechtsbedingungen erprobt werden. Bestätigt ist die Information bislang nicht.

Unbestätigter Bericht über Erprobung in der Ukraine

Am 23. Juli 2026 tauchte in sozialen Medien die Meldung auf, Prototypen des künftigen Systems THUNDART sollten in der Ukraine getestet werden. Grundlage ist ein Beitrag des X-Kontos „French Aid to Europe“, der sich auf eine anonyme Quelle beruft. Weder das französische Verteidigungsministerium noch die Beschaffungsbehörde DGA, die Hersteller MBDA und Safran oder ukrainische Stellen haben die Angaben bestätigt. Der Bericht ist daher als unbestätigt einzustufen.

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Sollte sich die Meldung bewahrheiten, erhielte die französische Industrie die Gelegenheit, das System vor der endgültigen militärischen Abnahme unter Einsatzbedingungen zu validieren. Ein solcher Fronteinsatz würde zugleich den in der Rüstungsbranche geschätzten Status „combat proven“ verschaffen – ein Faktor, der bei künftigen Exportentscheidungen zunehmend Gewicht hat.

Ersatz für eine überalterte Fähigkeit

Die Wahl von THUNDART fiel Mitte Juni 2026 auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris. Verteidigungsministerin Catherine Vautrin gab dort bekannt, dass Frankreich in exklusive Verhandlungen mit dem Konsortium aus MBDA und Safran Electronics & Defense eintritt. Das System setzte sich im Wettbewerb um das Programm FLP-T (Frappe Longue Portée Terrestre) gegen einen Vorschlag von ArianeGroup und Thales sowie gegen ausländische Angebote durch, darunter das US-amerikanische HIMARS von Lockheed Martin und die indische Pinaka.

Das 2023 von der DGA gestartete FLP-T-Programm hat ein Volumen von rund 600 Millionen Euro. Es soll die alternde Lance-Roquettes Unitaire (LRU) ablösen, eine vom US-System M270 abgeleitete Plattform. Frankreich verfügt derzeit noch über neun LRU-Werfer, die 227-mm-Raketen des Typs M31 mit GPS-Lenkung auf Reichweiten von über 70 Kilometern verschießen. Zwei weitere Systeme wurden an die Ukraine abgegeben. Begründet wird die Neubeschaffung mit der kleinen Flottengröße, dem Alter der Plattformen und der Abhängigkeit von ausländischer Munition und Zulieferung. Der Rückzug der LRU soll bereits ab Ende 2027 beginnen; die erste Einsatzfähigkeit von THUNDART wird für etwa 2030 erwartet.

Technische Auslegung

THUNDART soll Ziele auf bis zu 150 Kilometer bekämpfen und damit die bisherige Reichweite der französischen Raketenartillerie mehr als verdoppeln. Die 227-mm-Lenkrakete trägt einen Gefechtskopf von rund 100 Kilogramm. Zur Navigation kombiniert sie ein Trägheitsnavigationssystem (INS) mit satellitengestützter Führung (GNSS) und ist gegen Störung (Jamming) und Täuschung (Spoofing) gehärtet – Eigenschaften, die in elektronisch umkämpften Umgebungen an Bedeutung gewinnen.

Die industriellen Rollen sind auf mehrere französische Unternehmen verteilt: MBDA verantwortet Rakete, Gefechtskopf und Integration, Roxel liefert den Feststoffmotor, Safran steuert die Lenktechnik bei, die aus dem präzisionsgelenkten Waffensystem AASM Hammer abgeleitet ist. Nach Angaben von Safran flossen Erfahrungen aus dem Einsatz des AASM in der Ukraine, insbesondere zur Navigation in GPS-gestörten Umgebungen, in die Entwicklung ein.

Anders als die kettengetriebene M270-Plattform wird der Werfer auf einem Scania-8×8-Lkw montiert. Er trägt einen Zwei-Achs-Drehturm mit zwei Startbehältern zu je vier Raketen, also acht schussbereite Munitionen. Hinzu kommen eine gepanzerte Kabine von Essonne Sécurité und ein Ladekran von Palfinger für autonomes Nachladen. Das Fahrzeug erreicht rund 90 km/h und eine Reichweite von etwa 600 Kilometern. Das System ist für die Anbindung an die bestehende Führungs- und Feuerleitarchitektur der französischen Armee, einschließlich des Artilleriesystems ATLAS, ausgelegt.

Souveränität und Exportmarkt

Mit der Entscheidung für die MBDA-Safran-Lösung verfolgt Frankreich das Ziel, Entwicklung, Produktion und langfristige Unterstützung national zu kontrollieren. Beide Unternehmen wollen ein paritätisches Gemeinschaftsunternehmen gründen; in einer zweiten Phase bis 2035 ist eine Reichweitensteigerung auf bis zu 500 Kilometer vorgesehen. Das System ist zudem ITAR-frei ausgelegt, um Exporte ohne US-Auflagen zu ermöglichen. Ein Einsatz in der Ukraine könnte – so er denn stattfindet – die Marktposition zusätzlich stärken, da Systeme wie HIMARS, die Haubitze CAESAR oder der AASM Hammer nach ihrer Verwendung im Krieg spürbares Interesse potenzieller Käufer geweckt haben.

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