General Dynamics Land Systems-UK und ARX Robotics erproben, wie der britische Spähpanzer Ajax unbemannte Bodenfahrzeuge führen kann. Den Anfang macht die Integration des UGV HECTOR.
General Dynamics Land Systems-UK (GDLS-UK) und das Münchner Unternehmen ARX Robotics haben am 16. September 2026 eine Zusammenarbeit im Bereich des bemannt-unbemannten Zusammenwirkens für Landstreitkräfte bekanntgegeben. Ziel ist es, künftige Einsatzkonzepte der British Army zu unterstützen, in denen bemannte Plattformen und autonome Systeme gemeinsam eingesetzt werden.
HECTOR als erster ,,Wingman“
Im ersten Schritt soll das mittelgroße unbemannte Bodenfahrzeug HECTOR von ARX Robotics mit dem Aufklärungsfahrzeug Ajax verbunden werden. Bei HECTOR handelt es sich um ein radgestütztes UGV, das auf der Software Mithra OS des Unternehmens basiert und optional auch bemannt gefahren werden kann. Die Partner wollen untersuchen, wie solche Systeme als Begleitfahrzeuge die Reichweite bemannter Gefechtsfahrzeuge vergrößern, das Lagebild verbessern und Soldaten aus besonders gefährdeten Bereichen heraushalten können.
Technische Grundlage ist die Generic Vehicle Architecture (GVA). Dabei handelt es sich um einen gemeinsamen digitalen Schnittstellenstandard der britischen Armee, über den unterschiedliche Fahrzeuge und Systeme Daten und Befehle austauschen können, ohne dass für jede Kombination eine eigene Verkabelung nötig ist. Über diese Anbindung sollen Ajax-Besatzungen unbemannte Systeme für Aufklärung, Überwachung, Schutz und Kampf beauftragen, überwachen und einsetzen können. Nach Angaben von GDLS-UK bringt Ajax die dafür nötigen Sensor-, Datenverarbeitungs- und Führungsfähigkeiten mit.
Die Zusammenarbeit befindet sich in einem frühen Stadium; Zeitplan, Stückzahlen und Finanzierung wurden nicht genannt.
Industrielle Komponente
Neben der technischen Erprobung prüfen beide Unternehmen eine industrielle Kooperation in Großbritannien. Dazu gehören Endmontage und Integration, Fertigungstechnik, CNC-Bearbeitung, der Aufbau britischer Lieferketten, Personalentwicklung und Instandhaltung. Genutzt werden sollen vor allem die Standorte und Fachkräfte von GDLS-UK in Südwales. Dort werden in Merthyr Tydfil die sechs Ajax-Varianten gebaut; das Programm stützt nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums eine Lieferkette von mehr als 230 Unternehmen und über 4.100 Arbeitsplätze.
David Roberts, CEO von ARX Robotics UK, verweist darauf, dass bestehende Plattformen und neue autonome Systeme nicht in Konkurrenz zueinander stehen müssten, sondern vernetzt eingesetzt werden sollten. Zudem brauche Großbritannien eigene Fertigungskapazitäten, wenn autonome Systeme in größerem Umfang eingeführt werden sollen. Scott Milne, Vice President und General Manager von GDLS-UK, stellt die offene digitale Architektur von Ajax in den Vordergrund, die eine schnelle Integration neuer Plattformen, Sensoren und Anwendungen ermögliche.
Hintergrund: Das 20-40-40-Konzept
Beide Unternehmen beziehen sich ausdrücklich auf die 20-40-40-Vision der britischen Landstreitkräfte. Die Strategic Defence Review vom Juni 2025 beschreibt eine Aufteilung in 20 Prozent bemannte Plattformen, 40 Prozent wiederverwendbare Systeme wie Drohnen und 40 Prozent Verbrauchsgüter wie Munition und Einwegdrohnen. Generalstabschef General Sir Roly Walker erklärte, bemannte Plattformen sollten künftig nicht mehr ohne unbemannte Bodenfahrzeuge in den Einsatz gehen. Das Konzept ist stark von den Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine geprägt.
Hinterrund: Das Ajax-Programm
Ajax ersetzt die veralteten Kettenaufklärungsfahrzeuge der British Army; das Programm umfasst 589 Fahrzeuge in sechs Varianten und einen Auftragswert von 5,5 Milliarden Pfund. Die Einführung verlief schwierig. Nachdem rund 30 Soldaten während der Übung TITAN STORM Symptome gemeldet hatten, wurde der Ausbildungs- und Übungsbetrieb mit Ajax am 26. November 2025 ausgesetzt. Die Untersuchung der Armee kam später zu dem Ergebnis, dass Lärm- und Vibrationswerte unter den gesetzlichen Grenzwerten lagen und die Beschwerden wahrscheinlich auf mehrere Faktoren zurückgingen, darunter technische Mängel wie falsche Kettenspannung sowie Ausbildungsunterschiede, Kälte und Luftqualität im Fahrzeug. Verteidigungsstaatsminister Luke Pollard ließ die Abnahme von Fahrzeugen bei General Dynamics daraufhin wieder anlaufen; die Rückkehr in den Übungsbetrieb soll schrittweise erfolgen.
Über ARX Robotics
ARX Robotics wurde 2021 gegründet und entwickelt unbemannte Bodenfahrzeuge der GEREON-RCS-Reihe sowie das KI-gestützte Betriebssystem Mithra OS zur Digitalisierung bestehender Plattformen. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen rund 300 Mitarbeitende in München, Berlin, London und Kyjiw und betreibt in der Ukraine die größte vernetzte UGV-Flotte eines westlichen Herstellers.
