Das US-Verteidigungsministerium hat einen Mehrjahresvertrag über bis zu 58,62 Milliarden Dollar für die Produktion von PAC-3-MSE-Abfangflugkörpern erweitert. Der Auftrag soll die Fertigungskapazität bis Ende 2030 verdreifachen.
Vertragsvolumen und Struktur
Lockheed Martin hat nach eigenen Angaben am 29. Juli 2026 eine Vertragsänderung des US-Verteidigungsministeriums über bis zu 53,86 Milliarden US-Dollar erhalten. Es handelt sich um eine siebenjährige „undefinitized contract action“ (UCA) – ein Vertragsinstrument, das den Produktionsbeginn ermöglicht, bevor alle Konditionen und Preise abschließend verhandelt sind. Zusammen mit einer bereits im April vergebenen UCA über 4,7 Milliarden Dollar für das erste Vertragsjahr steigt das Gesamtvolumen des Mehrjahresvertrags auf 58,62 Milliarden Dollar.

Der Auftrag ist Teil der „Acquisition Transformation Strategy“ des Ministeriums, das unter der zweiten Trump-Administration in „Department of War“ umbenannt wurde. Es ist nach Unternehmensangaben der zweite große Mehrjahresvertrag unter diesem Beschaffungsmodell, nachdem im Juni 2026 ein Vertrag über 35 Milliarden Dollar für THAAD-Abfangflugkörper vergeben worden war.
Kapazitätsausbau und Beschäftigung
Nach Darstellung des Unternehmens soll die Fertigungskapazität für PAC-3 MSE bis Ende 2030 verdreifacht werden. Am Standort Camden im US-Bundesstaat Arkansas, wo die Endmontage der Flugkörper erfolgt, soll die Beschäftigtenzahl um rund 50 Prozent von 1.200 auf etwa 1.850 steigen. Lockheed Martin investiert nach eigenen Angaben acht bis neun Milliarden Dollar bis 2030 in die Modernisierung von mehr als 20 US-Standorten.
Grundlage ist eine Rahmenvereinbarung vom Januar 2026. Diese sieht vor, die Jahresproduktion über sieben Jahre von rund 600 auf 2.000 Flugkörper zu erhöhen. 2025 lieferte der Konzern 620 PAC-3 MSE aus – gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch Zulieferer bauen aus: L3Harris Technologies vereinbarte kürzlich, die Produktion von Antriebskomponenten – darunter der Zweipuls-Feststoffmotor und die Lagerregelungstriebwerke – nahezu zu verdreifachen.
Hintergrund: Technik und Nachfrage
Der PAC-3 MSE ist ein sogenannter Hit-to-Kill-Flugkörper, der Ziele durch direkten Aufprall zerstört, statt durch eine Splittersprengladung. Die MSE-Variante verfügt über einen Zweipuls-Raketenmotor, der Reichweite und erreichbare Höhe gegenüber älteren Versionen vergrößert.
17 Nationen einschließlich der USA nutzen den Flugkörper oder haben ihn ausgewählt, darunter Deutschland, Japan, die Niederlande, Polen, Rumänien, Schweden, Südkorea, Taiwan sowie mehrere Golfstaaten. Die Nachfrage ist im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, der Luftverteidigungseinsätze im Nahen Osten und des US-Programms „Golden Dome“ deutlich gestiegen.
Der Engpass bleibt bestehen: Eine Jahresproduktion von 2.000 Stück entspricht rund 167 Flugkörpern pro Monat und damit einer Menge, die sich US-Streitkräfte, die Ukraine sowie europäische und asiatische Nutzer teilen müssten. Lockheed Martin stellte deshalb im Juli 2026 auf der Farnborough International Airshow den PAC-3 ACE vor – einen kostengünstigeren Ergänzungsflugkörper, der weniger als die Hälfte des MSE-Stückpreises kosten soll. Die US Army veranschlagte diesen im Haushaltsentwurf für 2027 mit rund 5,3 Millionen Dollar pro Flugkörper.
Bezug zu Deutschland
Auch die Bundeswehr zählt zu den Abnehmern. Deutschland hat bei der US-Regierung die Beschaffung von bis zu 600 PAC-3 MSE im Wert von rund fünf Milliarden Dollar angefragt; die Defense Security Cooperation Agency genehmigte den Vorgang im August 2024. Im Dezember 2024 billigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die ersten beiden Tranchen mit insgesamt 248 Flugkörpern, wovon 128 Flugkörper und 16 Startgeräte als Ersatz für an die Ukraine abgegebenes Material beschafft werden. Zusätzlich genehmigte der Ausschuss im Dezember 2025 knapp 600 Millionen Euro für Umrüstsätze auf das Startgerät M903, das für den Verschuss von PAC-3-Flugkörpern erforderlich ist; die Lieferung ist schwerpunktmäßig für 2028/2029 vorgesehen.
Aussagen der Beteiligten
Michael P. Duffey, Unterstaatssekretär für Beschaffung und Instandhaltung, hebt hervor, dass langfristige Nachfragesignale der Industrie den Aufbau widerstandsfähiger Lieferketten und die Skalierung der Produktion ermöglichten. Lockheed-Martin-Chef Jim Taiclet spricht von einem außergewöhnlichen Zeitpunkt und verweist auf Investitionen, Personalaufbau und Anlagenmodernisierung des Konzerns.
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