Rheinmetall Canada hat mit einem Spatenstich den Ausbau seines Standorts in Saint-Jean-sur-Richelieu begonnen. Die zusätzlichen Flächen sollen Fertigung, Integration und Instandhaltung unbemannter Bodensysteme in Kanada ausweiten.
Die kanadische Tochter des Düsseldorfer Rüstungskonzerns hat am 16. September 2026 den Ausbau ihres Werks in der Region Montérégie in der Provinz Québec offiziell gestartet. Anlass ist zugleich das 40-jährige Bestehen des Unternehmens in Kanada. Insgesamt wächst der Standort um 7.060 Quadratmeter: Auf die Produktion entfallen 4.830 Quadratmeter, auf zusätzliche Lagerflächen 2.230 Quadratmeter. Die Erweiterung soll die industrielle Basis für die Herstellung, Systemintegration und Wartung autonomer unbemannter Bodensysteme (Unmanned Ground Systems, UGS) verbessern.
PATH und Mission Master im Mittelpunkt
Kern des Vorhabens sind die Autonomietechnologie PATH sowie die Fahrzeugfamilie Mission Master. Beide wurden nach Unternehmensangaben in Kanada entwickelt, wobei Rückmeldungen transatlantischer Partner eingeflossen sind. Mit dem Ausbau sollen diese Systeme vor Ort in größeren Stückzahlen gefertigt und langfristig betreut werden können. Rheinmetall begründet den Schritt mit einer steigenden Nachfrage nach Lösungen für autonome Landsysteme. Bereits 2025 richtete der Konzern drei Kompetenzzentren für diesen Bereich ein.
Die Mission-Master-Familie umfasst mehrere Plattformen. Neben Aufklärung und Überwachung können die Fahrzeuge unter anderem für Feuerunterstützung, Verwundetentransport, ABC-Detektion und als Kommunikationsrelais ausgerüstet werden. Die geländegängige Variante XT wiegt rund 2,2 Tonnen, kann eine Nutzlast von 1.000 Kilogramm aufnehmen und kommt mit ihrem Dieselmotor ohne Nachtanken rund 750 Kilometer weit. Auf der Messe CANSEC im Mai 2026 in Ottawa stellte Rheinmetall erstmals in Kanada das Modell SP2 mit Schwimmfähigkeit vor, ergänzt durch eine arktisfähige Ausführung des XT2.
Einbindung in die kanadische Industrie
Pietro Mazzei, Präsident und CEO von Rheinmetall Canada, bezeichnet die Erweiterung als Investition in das kanadische Verteidigungsumfeld und in die Partner des Unternehmens im ganzen Land. Kanada verfüge damit über eigene, produktionsreife Fähigkeiten im Bereich autonomer Systeme.
Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben mit Partnern aus Industrie und Forschung zusammen, darunter Zeal Motor, die Université de Sherbrooke, Quaze Technologies und das Centre d’Innovation du Haut-Richelieu. Die Lieferkette in Kanada umfasst knapp 1.000 kleine und mittlere Unternehmen, mehr als 600 davon in Québec. Seit 2024 hat Rheinmetall Canada über 150 Millionen kanadische Dollar in Technologie und Kompetenzaufbau investiert. In vier Jahrzehnten hat das Unternehmen mehr als 20 Programme für die kanadischen Streitkräfte umgesetzt und dabei nach eigener Darstellung einen wirtschaftlichen Nutzen von über 1,5 Milliarden kanadischen Dollar erzielt.
Kanadas Verteidigunsindustriestrategie
Im Februar 2026 legte die Regierung erstmals eine eigene Verteidigungsindustriestrategie vor, die die heimische Produktion ausweiten und die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten verringern soll. Nach dem Grundsatz „Build, Partner, Buy“ will Ottawa Ausrüstung vorrangig im eigenen Land herstellen und bei Kooperationen oder Käufen im Ausland Rückflüsse in die heimische Industrie sicherstellen. Ziel ist unter anderem, den Anteil kanadischer Unternehmen an Verteidigungsaufträgen auf 70 Prozent zu erhöhen.
Die Strategie benennt zehn sogenannte souveräne Fähigkeiten, darunter digitale Systeme, Sensorik sowie unbemannte und autonome Systeme. Für den Aufbau stellte der Haushalt 2025 zunächst 6,6 Milliarden kanadische Dollar über fünf Jahre bereit. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums erwirtschaftet die kanadische Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie jährlich mehr als 14 Milliarden Dollar Umsatz und beschäftigt rund 81.200 Menschen.
