Die erste für die Bundeswehr gebaute F-35A Lightning II mit der Kennung 35+01 ist im US-Bundesstaat Texas erstmals geflogen. Das offizielle Rollout des Kampfflugzeugs steht unmittelbar bevor.
Erstflug in Fort Worth
Die Luftwaffe bestätigte den erfolgreichen Erprobungsflug am 8. September 2026 über ihren WhatsApp-Kanal. Das Flugzeug trägt neben der Bundeswehr-Kennung 35+01 die herstellerinterne Baunummer MG-01 und wurde im Lockheed-Martin-Werk in Fort Worth endmontiert. Der Hersteller stufte den Flug öffentlich als Meilenstein für das Programm und die künftigen Fähigkeiten der Luftwaffe ein. Die offizielle Rollout-Zeremonie ist nach Herstellerangaben für Mitte September vorgesehen.
Die Endmontage der Maschine hatte im Frühjahr 2026 begonnen. In dieser Fertigungsphase erhielt die Zelle unter anderem das Triebwerk vom Typ Pratt & Whitney F135, die beweglichen Steuerflächen, die Cockpithaube sowie die Avionik. Abgeschlossen wird der Prozess durch die Speziallackierung, die die Radarrückstrahlfläche verringern soll. Nach Angaben von Lockheed Martin befinden sich derzeit acht deutsche F-35A in unterschiedlichen Fertigungsstadien.
Ausbildungsbetrieb zunächst in den USA
Die zuerst übergebenen Maschinen sollen zunächst in den Vereinigten Staaten verbleiben. Die Luftwaffe plant früheren Angaben zufolge, acht der insgesamt 35 Flugzeuge dauerhaft für Ausbildungszwecke dort zu belassen. Als Ausbildungsstandort ist die Ebbing Air National Guard Base im arkansanischen Fort Smith vorgesehen, an der Besatzungen mehrerer F-35-Nutzerstaaten geschult werden.
In Deutschland wird die erste F-35A erst im kommenden Jahr erwartet. Empfängerverband ist das Taktische Luftwaffengeschwader 33 in Büchel in Rheinland-Pfalz. Die volle Einsatzbereitschaft (Full Operational Capability) soll nach Darstellung von Fachmedien in der zweiten Jahreshälfte 2029 erreicht werden. Ab 2030 soll die F-35A den Tornado als Trägersystem für US-Kernwaffen ablösen und die Rolle der nuklearen Teilhabe im NATO-Rahmen übernehmen. Nach Darstellung der Bundeswehr ist die Beschaffung vor allem mit der Sicherung dieser Fähigkeit begründet; als weitere Argumente nennt sie die Sensordatenfusion im Cockpit, den Datenlink zwischen den Flugzeugen sowie die verringerte Radarsignatur.
Beschaffung 2022, Baubeginn Ende 2025
Die Bundesregierung entschied sich 2022 im Rahmen eines Regierungsgeschäfts mit den USA für die Beschaffung von 35 Maschinen dieses Typs; finanziert wird sie aus dem Sondervermögen Bundeswehr. Der Bau der ersten deutschen Maschine begann jedoch erst Ende 2025, nachdem Lockheed Martin vom F-35 Joint Program Office den Produktionsauftrag für die Lose 18 und 19 erhalten hatte. Diese Lose umfassen 296 Flugzeuge, darunter die deutschen Exemplare.
Parallel läuft der Umbau des Fliegerhorsts Büchel, der bislang vollständig auf den Tornado-Betrieb ausgelegt ist. Zu den Maßnahmen zählen die Grundsanierung der Start- und Landebahn, der Bau eines sogenannten F-35-Campus, die Anpassung von Sheltertoren und Abgaskanälen, die Erweiterung des Wide Area Surveillance System sowie Änderungen an der Energieversorgung. Die Kostenschätzungen für die Kerninfrastruktur stiegen von ursprünglich rund 700 Millionen Euro über zeitweise bis zu 1,2 Milliarden Euro auf zuletzt kolportierte rund zwei Milliarden Euro.
Debatte über zusätzliche Maschinen
Medienberichten aus dem vergangenen Jahr zufolge besteh Bedarf für rund 15 weitere F-35A. Das Verteidigungsministerium wies diese Berichte seinerzeit zurück, allerdings ohne klare Festlegung. Die Berichte stammen aus der Zeit vor dem Abbruch des trilateralen Entwicklungsvorhabens Future Combat Air System (FCAS).
Deutschland und Frankreich hatten sich Anfang Juni 2026 darauf verständigt, die gemeinsame Entwicklung des bemannten Kampfflugzeugs Next Generation Fighter einzustellen. Als Grund wurden unüberbrückbare Differenzen zwischen den Hauptauftragnehmern Airbus Defence and Space und Dassault Aviation genannt; die Zusammenarbeit bei anderen FCAS-Bestandteilen wie der Combat Cloud soll fortgeführt werden. Beobachter halten es vor diesem Hintergrund für möglich, dass im kommenden Jahr eine ergänzende F-35-Beschaffung eingeleitet wird. Kapazitäten wären in Büchel nach Angaben aus gut informierten Kreisen vorhanden: Dort seien Stellplätze für etwa 50 Systeme vorgesehen.
