Bundeswehr bleibt auf dem Balkan

Bundeswehr bleibt auf dem Balkan
Foto: PIZ Heer/Carl Schulze

Das Bundeskabinett hat am 22. April 2026 die Verlängerung gleich zweier Bundeswehr-Einsätze auf dem Westbalkan beschlossen: die Beteiligung an der NATO-Mission KFOR im Kosovo und an der EU-geführten Operation EUFOR Althea in Bosnien und Herzegowina. Beide Mandate müssen noch vom Deutschen Bundestag beraten und verabschiedet werden.


KFOR: Längster Auslandseinsatz der Bundeswehr geht weiter

Der KFOR-Einsatz (Kosovo Force) dauert seit 1999 und ist damit der am längsten laufende Auslandseinsatz der Bundeswehr. Das Bundeskabinett hat am 22. April 2026 beschlossen, die Beteiligung der Bundeswehr an der internationalen Sicherheitspräsenz im Kosovo um ein weiteres Jahr zu verlängern. Die Personalobergrenze von bis zu 400 deutschen Soldatinnen und Soldaten bleibt unverändert bestehen.

Aufklärung und Beratung stellen den Schwerpunkt der KFOR-Arbeit dar. Völkerrechtliche Grundlage ist die UN-Sicherheitsratsresolution vom 10. Juni 1999. Seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Jahr 2008 konzentriert sich die Mission darauf, den Aufbau professioneller, demokratischer und multiethnischer Strukturen zu begleiten.

Die Sicherheitslage bleibt fragil. So kam es 2023 zu gewaltsamen Zwischenfällen, bei denen KFOR-Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilistinnen und Zivilisten teilweise schwer verletzt wurden. Ende November 2024 wurde zudem ein Sprengstoffanschlag auf die zentrale Wasser- und Stromversorgung des Landes verübt. Besonders angespannt bleibt die Lage im mehrheitlich von ethnischen Serben bewohnten Norden des Kosovo. Der Beitrag der Bundeswehr zu KFOR ist deshalb seit April 2024 durch eine zusätzliche Einsatzkompanie verstärkt worden..

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EUFOR Althea: Stabilisierungsmission in Bosnien und Herzegowina

Parallel dazu hat das Kabinett die Verlängerung des deutschen Beitrags zur EU-Mission EUFOR Althea in Bosnien und Herzegowina bis zum 30. Juni 2027 beschlossen. Die Personalobergrenze von bis zu 50 Soldatinnen und Soldaten bleibt ebenfalls unverändert.

Die Bundeswehr war bereits von 2004 bis 2012 an der EU-Mission EUFOR Althea beteiligt. Nach dem Abzug unterstützte die Bundesregierung EUFOR weiterhin politisch, bis der Deutsche Bundestag am 8. Juli 2022 das Mandat zur erneuten Beteiligung beschloss. Zentrale Aufgabe ist die Unterstützung der Umsetzung des Dayton-Friedensabkommens, das den Bosnienkrieg 1995 beendete.

Das deutsche Einsatzkontingent betreibt zwei sogenannte Liaison and Observation Team-Häuser (LOT) in Vlasenica im Osten der Republika Srpska und Čapljina im Süden der Föderation Bosnien und Herzegowina. Insgesamt sind 2026 rund 1.500 Soldatinnen und Soldaten aus 25 Nationen für die EUFOR-Mission im Einsatz.

Die innenpolitische Lage im Land bleibt angespannt. Die Autonomiebestrebungen in der Entität Republika Srpska höhlen zusehends die funktionale Integrität des Gesamtstaates aus. Hinzu kommt ein wachsender russischer Einflussversuch in der Region. Dennoch machte Bosnien und Herzegowina Fortschritte auf dem Weg in die EU: Am 21. März 2024 beschloss der Europäische Rat die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen.

Nächste Schritte

In beiden Fällen gilt: Nach dem Kabinettsbeschluss muss der Deutsche Bundestag in erster und zweiter Lesung über die Mandatsverlängerungen beraten und abstimmen. Das KFOR-Mandat ist grundsätzlich unbefristet, wird jedoch der parlamentarischen Praxis folgend jährlich zur Abstimmung vorgelegt.

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