Bundeswehr stoppt Fregattenprojekt F126 – Marine soll stattdessen MEKO-A-200-Schiffe erhalten

Bundeswehr stoppt Fregattenprojekt F126 – Marine soll stattdessen MEKO-A-200-Schiffe erhalten
MEKO A-200 DEU | Foto: TKMS

Das Bundesverteidigungsministerium beendet das Beschaffungsvorhaben für sechs Fregatten des Typs F126. Als Ersatz sind acht kleinere MEKO-A-200-Fregatten vorgesehen, mit denen die Marine ihren Auftrag zur U-Boot-Jagd erfüllen soll.

Projekt nach Verzögerungen und Kostensteigerungen gestoppt

Die sechs ursprünglich geplanten Fregatten des Typs F126 werden nicht beschafft. Das Verteidigungsministerium begründet die Entscheidung mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen, stark gestiegenen Kosten und nicht kalkulierbaren Risiken. Das Vorhaben galt als größtes Schiffbauprojekt in der Geschichte der Bundeswehr; für die ersten vier Schiffe waren ursprünglich rund 5,27 Milliarden Euro veranschlagt.

Den Zuschlag hatte 2020 das niederländische Unternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS) als Generalunternehmer erhalten; der Auftrag wurde 2024 von vier auf sechs Schiffe erweitert. Die erste Fregatte war im Juni 2024 auf der Peene-Werft in Wolgast auf Kiel gelegt worden. Nach Angaben des Ministeriums konnte Damen die vereinbarten zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen jedoch nicht einhalten. Nach dem Planungsstand vom Mai 2025 hätte die erste Fregatte frühestens 2032 in See stechen können – ursprünglich war eine Auslieferung ab 2028 vorgesehen.

Das Ministerium prüfte daraufhin einen Wechsel des Generalunternehmers zur deutschen Werftengruppe Naval Vessels Lürssen (NVL), die inzwischen vom Rüstungskonzern Rheinmetall übernommen wurde. Diese Prüfung fiel negativ aus.

Jetzt Steady-Mitglied werden!

Kostenvergleich gab den Ausschlag

Nach Darstellung des Ministeriums hätte ein Festhalten am F126-Programm einen Gesamtfinanzbedarf von über 18 Milliarden Euro verursacht. Dem stellt das Ministerium den geplanten Kauf der MEKO-A-200-Schiffe gegenüber: Bereits rund zwei Milliarden Euro wurden in das F126-Projekt investiert, ohne dass ein einsatzfähiges Schiff in Aussicht stand. Ein zusätzlicher Grund war laut Medienberichten, dass der Bund bei einem Wechsel des Generalunternehmers auf mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber Damen hätte verzichten müssen. Dies sei mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Haushaltsmitteln nicht vereinbar.

Acht MEKO-A-200-Fregatten als Ersatz

Als Ersatz soll die Marine acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU erhalten. Hersteller ist der deutsche Marineschiffbauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Das Kürzel MEKO steht für „Mehrzweck-Kombination“; das modulare Konzept erlaubt es, Patrouillenschiffe, Korvetten, Fregatten und kleinere Zerstörer unterschiedlich zu konfigurieren. Schiffe dieser Baureihe sind bei mehreren Marinen weltweit im Einsatz.

Der Beschaffungspreis für die ersten vier Schiffe soll vorbehaltlich der Zustimmung des Haushaltsausschusses rund 6,3 Milliarden Euro betragen. Eine Option auf vier weitere Schiffe könnte bis Ende 2026 für etwa 5,3 Milliarden Euro ausgelöst werden. Nach Einschätzung des Inspekteurs der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, kann die Marine mit diesen Schiffen ihren Kernauftrag zur U-Boot-Jagd erfüllen und ihren NATO-Verpflichtungen nachkommen. Das Ministerium will dem Haushaltsausschuss des Bundestages die Entscheidungsgrundlage für den Kauf zeitnah vorlegen.

Hintergrund: Bedeutung der U-Boot-Jagd

Die Fähigkeit zur U-Boot-Jagd hat für die Landes- und Bündnisverteidigung hohe Relevanz. Deutschland hat der NATO zugesagt, ab 2028 Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd im Nordatlantik bereitzustellen – konkret im sogenannten GIUK-Seegebiet zwischen Großbritannien, Island und Grönland. Dieses Gebiet gilt als strategisch bedeutsam, da es einen zentralen Zugang für die russische Nordmeerflotte zum Atlantik sowie einen wichtigen Nachschubweg von Nordamerika nach Europa darstellt.

Technisch unterscheiden sich beide Schiffstypen deutlich. Die F126 war mit einer Länge von rund 166 Metern und einer Verdrängung von etwa 10.000 Tonnen als bislang größtes Kampfschiff der Deutschen Marine konzipiert und für die dreidimensionale Seekriegführung gegen Ziele unter Wasser, auf dem Wasser und in der Luft ausgelegt. Die MEKO-A-200-Schiffe sind mit rund 4.200 Tonnen Verdrängung und etwa 120 Metern Länge deutlich kleiner. Als Vorteil gilt die schnellere Verfügbarkeit der etablierten Bauweise.

Mit dem Stopp des Vorhabens reagieren auch die Finanzmärkte: Die TKMS-Aktie legte zeitweise um mehr als zehn Prozent zu, während die Rheinmetall-Aktie um über 15 Prozent nachgab. Das Parlament hatte sich auf einen möglichen Abbruch vorbereitet; bereits Anfang 2025 wurde ein Vorvertrag mit TKMS geschlossen, um Produktionskapazitäten zu sichern.

Mit WhatsApp immer bestens informiert!

Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share