Vertreter der drei Partnerstaaten und der beteiligten Industrie haben sich Ende Juli in Kiel erstmals zu einem gemeinsamen Planungsevent für das U-Boot-Programm 212CD getroffen. Das viertägige Treffen markiert nach Angaben von TKMS den operativen Beginn der multinationalen Zusammenarbeit.
Auftakt drei Wochen nach der kanadischen Entscheidung
Wie der Kieler Marineschiffbauer TKMS am 10. August mitteilte, kamen in Kiel Delegationen aus Deutschland, Norwegen und Kanada sowie Vertreter von TKMS, KONGSBERG und des norwegischen Beratungsunternehmens Multiconsult zusammen. Die Veranstaltung markiere den operativen Start der multilateralen Zusammenarbeit der Partner – nur drei Wochen nach der Auswahl von TKMS als Preferred Supplier im Canadian Patrol Submarine Project (CPSP).
Vorausgegangen war die kanadische Beschaffungsentscheidung: Premierminister Mark Carney hatte am 6. Juli auf der Canadian Forces Base Halifax bekannt gegeben, dass TKMS als bevorzugter Anbieter ausgewählt wurde und in Verhandlungen eintritt. Im Rahmen des CPSP sollen bis zu zwölf U-Boote auf Basis des Typs 212CD an die Royal Canadian Navy geliefert werden und die derzeitige Victoria-Klasse ersetzen. Im Wettbewerb unterlag der südkoreanische Anbieter Hanwha Ocean.

Arbeitsstrukturen und Vertragsverhandlungen im Fokus
Im Mittelpunkt der viertägigen Veranstaltung standen den Angaben zufolge die gemeinsame Planung der nächsten Programmphasen, der Aufbau trilateraler Arbeitsstrukturen sowie die Vorbereitung kommender Vertragsverhandlungen. Darüber hinaus seien Grundlagen für die Zusammenarbeit zwischen den Marinen, den Beschaffungsorganisationen und der Industrie gelegt worden.
TKMS-Vertriebsvorstand Thomas Keupp bezeichnete die Auswahl als Meilenstein und verwies darauf, dass mit dem Planungsevent die Grundlage für die Partnerschaft der drei Staaten gelegt werde; das Programm werde die maritime Zusammenarbeit innerhalb der NATO stärken. In den kommenden Wochen sollen laut Unternehmen Verhandlungen zur Formalisierung der Vereinbarungen geführt werden.
Aus einem bilateralen wird ein trinationales Programm
Das 212CD-Programm ist bislang eine deutsch-norwegische Kooperation. Die Beschaffungsverträge wurden im Juli 2021 unterzeichnet und umfassten zunächst sechs baugleiche Boote – vier für Norwegen und zwei für Deutschland – bei einem Volumen von rund 5,5 Milliarden Euro. Im Dezember 2024 erweiterte das BAAINBw den Vertrag nach Billigung durch den Haushaltsausschuss um vier Boote auf sechs deutsche Einheiten. Norwegen zog Anfang 2026 nach und erhöhte die eigene Bestellung ebenfalls von vier auf sechs Boote; damit erreichte das Programm zwölf U-Boote.Mit den zwölf für Kanada vorgesehenen Booten könnte die Flotte auf bis zu 24 baugleiche Einheiten in drei NATO-Staaten anwachsen.
Gebaut werden sollen die kanadischen Boote nach bisherigem Stand in Kiel und Wismar, wo bis zu 1.500 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen könnten. Als Programmziele nennt TKMS eine höhere Interoperabilität der Seestreitkräfte, Synergien über den gesamten Lebenszyklus der Boote sowie einen Beitrag zur maritimen Sicherheit im Nordatlantik und in der Arktis.
Zeitplan und offene Punkte
Für die deutsch-norwegischen Boote gilt weiterhin der bestehende Zeitplan: Das erste U-Boot soll 2029 an Norwegen übergeben werden, die Deutsche Marine erhält ihr erstes Boot voraussichtlich 2032. Die Serienfertigung in Kiel läuft seit September 2023. Parallel entsteht in Bergen eine gemeinsame deutsch-norwegische Instandsetzungswerft.
Für den kanadischen Anteil bestehen noch Unschärfen. TKMS nennt eine Ablieferung des ersten Bootes bis 2033, während der kanadische Zeitplan den Abschluss der Vertragsverhandlungen bis Ende 2027 und die Auslieferung der ersten vier Einheiten bis 2034 vorsieht. Eine belastbare Grundlage entsteht erst mit dem Vertragsschluss – ein Preferred-Supplier-Status ist noch kein unterzeichneter Vertrag.
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