Boeing und Rheinmetall stellen die MQ-28 Ghost Bat als sofort verfügbare Plattform dar, mit der Deutschland kurzfristig Fähigkeiten im Bereich Collaborative Combat Aircraft (CCA) aufbauen könne. Die gemeinsame Mitteilung fällt in eine Phase, in der sich der Zeitplan des Bundeswehr-Vorhabens Jagdbomberdrohne offenbar nach hinten verschiebt.
Reifegrad als zentrales Argument
In einer gemeinsamen Mitteilung vom 10. August 2026 argumentieren der US-Luftfahrtkonzern Boeing und der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall, führende Luftstreitkräfte gingen derzeit von der Konzeptphase in die praktische Einführung von CCA über. Auch die Bundeswehr verfolge entsprechende Pläne. Mit der MQ-28 Ghost Bat stehe bereits heute eine ausgereifte Plattform bereit; die bisherigen Flugerprobungen zeigten nach Unternehmensangaben, dass das Muster sowohl die deutschen Anforderungen an Luft-Boden- als auch an Luft-Luft-Einsätze erfüllen könne. Boeing investiere weiter in die Weiterentwicklung, einschließlich der Luft-Boden-Fähigkeiten.
Glen Ferguson, Global Director des MQ-28-Programms bei Boeing Defence Australia, verweist darauf, dass viele CCA-Programme weltweit noch in der Konzept-, Definitions- oder frühen Testphase steckten, während die MQ-28A diese Entwicklungsschritte bereits durchlaufen habe. Werde eine Fähigkeit bis 2029 angestrebt, müsse nach seiner Darstellung jetzt mit dem Aufbau der entsprechenden Streitkräftestruktur und der Integration souveräner Technologien begonnen werden. Zugleich biete die Plattform der Luftwaffe eine realitätsnahe Umgebung, um Verfahren und Taktiken für das Zusammenwirken bemannter und unbemannter Luftfahrzeuge zu entwickeln.

Rheinmetall soll Systemintegration in Deutschland aufbauen
Rheinmetall bringt sich den Angaben zufolge als Systemintegrator ein und baut eine eigenständige Systemintegration für die MQ-28 in Deutschland auf. Mike Schmidt, den die Mitteilung als CEO der Business Unit Air, Uncrewed and Space ausweist, argumentiert, Deutschland müsse sich nicht zwischen Geschwindigkeit und Eigenständigkeit entscheiden; die MQ-28 erlaube es, die Entwicklungsphase eines neuen Luftfahrzeugs zu überspringen. Softwareentwicklung, Missionsintegration und geistiges Eigentum sollen innerhalb des deutschen industriellen Ökosystems verbleiben, sodass nationale Sensoren, Waffen und Missionssoftware unmittelbar auf der Plattform entwickelt und erprobt werden könnten. Die Weiterentwicklung stützt sich nach Darstellung der Unternehmen auf einen digitalen Zwilling sowie auf Daten aus dem Testprogramm mit der Royal Australian Air Force (RAAF).
Neben Rheinmetall gehören Rohde & Schwarz, Diehl Defence und HENSOLDT dem deutschen Industrieteam an. HENSOLDT kam zuletzt hinzu: Auf der Farnborough International Airshow im Juli 2026 unterzeichnete das Unternehmen eine Absichtserklärung mit Boeing.
Erprobungsstand: Valiant Shield und AMRAAM-Schuss
Die MQ-28 wurde von Boeing Defence Australia für die RAAF entwickelt; der Erstflug erfolgte im Februar 2021. Bis zum Frühjahr 2026 absolvierte das Muster nach Herstellerangaben mehr als 150 Flüge, Australien bestellte 18 Luftfahrzeuge. Rheinmetall verwies im März 2026 auf eine Demonstration, bei der eine MQ-28 ein Luftziel autonom bekämpfte; dabei kam ein Flugkörper vom Typ AIM-120 AMRAAM zum Einsatz.
Im Juni 2026 nahm ein produktionsnahes Erprobungsmuster an der multinationalen Übung Valiant Shield im westpazifischen Marianen-Raum teil. Nach Angaben der Pacific Air Forces war es das erste Mal, dass ein CCA in eine derartige Großübung eingebunden wurde; die MQ-28 flog dort unter anderem gemeinsam mit F-35- und F-15EX-Kampfflugzeugen sowie Führungs- und Aufklärungsflugzeugen.
Vier Kandidaten – Zeitlinie 2029 unter Druck
Die Bundeswehr will mit einer Jagdbomberdrohne riskante Luft-Boden-Missionen tief im gegnerischen Hinterland übernehmen und eine Deep-Precision-Strike-Fähigkeit aufbauen. Als Kandidaten gelten neben der MQ-28A die XQ-58A Valkyrie von Kratos, die Airbus Defence and Space mit eigener Missionssoftware anbietet, die CA-1 von Helsing sowie die Gambit 6 von General Atomics Aeronautical Systems.
Die bislang angestrebte Erstbefähigung im Jahr 2029 dürfte allerdings nicht zu halten sein. Wie hartpunkt unter Berufung auf einen Bericht der Zeitung „Welt“ und interne Unterlagen des BMVg berichtete, wird eher mit einer Verschiebung um mehrere Jahre gerechnet; der Auswahlwettbewerb könne voraussichtlich erst 2027 beginnen. Eine ursprünglich diskutierte Direktbeschaffung der MQ-28 gilt demnach als unwahrscheinlich. Das Verteidigungsministerium äußerte sich auf Nachfrage weder zu Zeitlinien noch zu Rüstungsvorhaben, solange diese dem Parlament nicht zugeleitet sind. Langfristig will die Bundeswehr der NATO bis spätestens 2035 unbemannte Kampfflugzeuge für verschiedene Aufgaben bereitstellen.
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