Die Europäische Kommission und das Betreiberkonsortium SpaceRISE haben die Umsetzungsvereinbarung für die EU-Satellitenkonstellation IRIS² unterzeichnet. Das Programm wächst um 66 Satelliten auf insgesamt 348 Einheiten, die ersten Starts sind weiterhin für 2029 vorgesehen.
Von der Planung in die Umsetzung
Kommission und SpaceRISE haben ihre Verhandlungen über Steuerung, technische Ausgestaltung und Finanzierung von IRIS² abgeschlossen und eine Umsetzungsvereinbarung unterzeichnet. Damit geht das Vorhaben nach Angaben der Kommission von der Planungs- in die vollständige Umsetzungsphase über. Die als „Rendezvous 1″ bezeichneten Gespräche hatten im Januar 2026 begonnen. Sie bestätigten die zentralen Programmparameter samt notwendiger Anpassungen – darunter das Systemdesign, die Systemkapazität, den Einsatzzeitplan, den Zielpreis sowie den Investitionsanteil der privaten Betreiber.
Als nächste Schritte nennen Kommission, Europäische Weltraumorganisation (ESA) und EU-Agentur für das Weltraumprogramm (EUSPA) die Fertigstellung des detaillierten Konstellationsentwurfs, die Vorbereitung des Satellitenbaus und der gesicherten Bodeninfrastruktur, die Beschaffung von Startdienstleistungen sowie die schrittweise Aufnahme operativer Konnektivitätsdienste ab 2029. Über das Verhandlungsergebnis und den Beginn der Umsetzungsphase hat die Kommission das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten schriftlich unterrichtet. Die ESA verantwortet die technische Umsetzung und überwacht Entwicklung, Qualifizierung und Validierung der Konstellation im Orbit.

Zusätzliche Schicht für Verteidigung und Sicherheitsbehörden
Die künftige Hauptkonstellation soll 348 Satelliten umfassen: 330 im niedrigen Erdorbit (LEO) und 18 im mittleren Erdorbit (MEO), ergänzt um optionale Elemente für spezifische Missionen. Der Zuwachs von 66 Satelliten entfällt auf eine eigene Schicht, die die Kommission als „High-Low Earth Orbit“ bezeichnet und die gezielt Fähigkeiten für Verteidigung, Sicherheit und Rettungsdienste stärken soll. Die zusätzlichen Satelliten sollen mit erhöhter Widerstandsfähigkeit ausgelegt werden.
Nach Darstellung der Kommission steigt die gesicherte staatliche Kapazität dadurch um 60 Prozent innerhalb der EU und um 54 Prozent weltweit. Nutzungsberechtigt sollen autorisierte staatliche Stellen der Mitgliedstaaten sowie der derzeit teilnehmenden Drittstaaten Norwegen und Island sein. Verteidigungs- und Raumfahrtkommissar Andrius Kubilius wertete die Vereinbarung als Schritt für die Sicherheit und die digitale Souveränität Europas; die verstärkte Konstellation solle früher als bislang geplant in Betrieb gehen und den Mitgliedstaaten, Rettungsdiensten und Bürgern eine widerstandsfähige, autonome Konnektivität bieten.
Industrie und Finanzierung
Umgesetzt wird IRIS² als öffentlich-private Partnerschaft. Das Konsortium SpaceRISE besteht aus den Satellitenbetreibern SES, Eutelsat und Hispasat. Zum Industrieteam zählen unter anderem Airbus Defence and Space, Thales Alenia Space, OHB und Aerospacelab sowie zahlreiche weitere Unternehmen der europäischen Lieferkette; nach Angaben der Kommission sollen auch Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen eingebunden werden. Hispasat teilte mit, Hauptauftragnehmer für das Bodensegment zu sein, dessen Volumen bei rund 1,6 Milliarden Euro liege und Antenneninfrastruktur, Kontrollsysteme sowie die Anbindung an terrestrische Netze umfasse.
Ein Gesamtvolumen nennt die Kommission in ihrer Mitteilung nicht. Sie verweist auf zusätzlichen Investitionsbedarf infolge der beschleunigten Umsetzung und der erweiterten Kapazität, der aus EU-Haushaltsmitteln für den Zeitraum 2028 bis 2034 sowie aus Beiträgen von Mitgliedstaaten und Drittstaaten gedeckt werden soll. Polen hat bereits 656 Millionen Euro zugesagt, Ungarn 500 Millionen Euro; Spanien kündigte Investitionen zwischen 1,6 und 2 Milliarden Euro an. Weitere nationale Beiträge werden derzeit geprüft. Aus den Angaben von Hispasat ergibt sich ein geplantes Gesamtinvestitionsvolumen von mehr als 15,6 Milliarden Euro – gegenüber rund 10,6 Milliarden Euro zum Zeitpunkt des Konzessionsvertrags.
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