Das Bundesministerium der Verteidigung hat das Verhandlungsverfahren für die Erweiterung seines Berliner Dienstsitzes abgeschlossen. Den Auftrag erhalten das Berliner Architekturbüro sauerbruch hutton und ST raum a Landschaftsarchitekten.
Zwei erste Preise, eine Überarbeitung
Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) haben am 4. August 2026 mitgeteilt, dass das Verhandlungsverfahren zur Weiterentwicklung des sogenannten Bendlerblocks entschieden ist. Auslober der Maßnahme ist das BMVg, vertreten durch das BBR, das auch für die Durchführung der Baumaßnahme verantwortlich zeichnet.
Vorausgegangen war ein Planungswettbewerb, dessen Preisgericht am 9. Dezember 2025 unter dem Vorsitz von Dörte Gatermann tagte. Es vergab einstimmig zwei gleichrangige erste Preise: an sauerbruch hutton mit ST raum a Landschaftsarchitekten sowie an das Münchner Büro Henn mit SINAI Landschaftsarchitekten. Der dritte Preis ging an Kleihues + Kleihues mit WES LandschaftsArchitektur, eine Anerkennung an ingenhoven associates mit Grieger Harzer Dvorak Landschaftsarchitekten. Ein zweiter Preis wurde nicht vergeben.
Beide erstplatzierten Teams wurden anschließend zur Überarbeitung ihrer Entwürfe aufgefordert. Maßgeblich dafür waren nach Angaben des Auslobers die hohen Sicherheitsanforderungen sowie die Einbindung in den denkmalgeschützten Bestand. Auf dieser Grundlage sollte im Verhandlungsverfahren einer der beiden Entwürfe zur Realisierung ausgewählt werden. Das BMVg bewertet das Ergebnis der Überarbeitung als Verbesserung bei Funktionalität, Sicherheit, energetischer Qualität und Gesamtgestaltung.

Entwurf ordnet den Paradeplatz neu
Der Wettbewerbsbereich umfasst die bundeseigene Liegenschaft Reichpietschufer 74/75 und Stauffenbergstraße 13/14 in Berlin-Tiergarten. Mit der Maßnahme soll der westliche Teil des Areals einschließlich des Paradeplatzes städtebaulich abgeschlossen werden; auch die Außenanlagen werden neu gestaltet.
Der Entwurf von sauerbruch hutton positioniert den Paradeplatz mittig zwischen Staatsgästetreppe und Ehrenmal der Bundeswehr. Zwei konkave Baukörper im Norden und Süden fassen diesen Raum und greifen dieselben architektonischen und konstruktiven Elemente auf. Prägend im Grundriss ist ein Kreiselement, das sich in drei Varianten von Innenhöfen abbildet. Zur Wettbewerbsaufgabe gehörten zudem ein Gestaltungsleitfaden für künftige Bauabschnitte sowie – als Ideenteil – ein Vorschlag für die Staatsgästetreppe. Die Fachplanungsleistungen werden in separaten Verfahren vergeben.
Sicherheitsauflagen prägten das Verfahren
Das Vorhaben war bereits in der Wettbewerbsphase als Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch (VS-NfD) eingestuft. Teilnehmende mussten sich vor Erhalt der Auslobungsunterlagen einer Sicherheitsüberprüfung nach § 9 Sicherheitsüberprüfungsgesetz unterziehen. Zugelassen waren ausschließlich Büros mit Sitz in Deutschland; auch die Bearbeitung darf nur in Deutschland erfolgen. Mitarbeitende mit einer Staatsangehörigkeit aus Staaten der einschlägigen Staatenliste des Bundesinnenministeriums dürfen nicht eingesetzt werden und keinen Einblick in die Unterlagen erhalten.
Durchgeführt wurde ein nichtoffener, interdisziplinärer, einphasiger und anonymer Planungswettbewerb nach RPW 2013 mit vorgeschaltetem Bewerberverfahren. Nach Angaben des BMVg waren sieben Bewerbergemeinschaften aus Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros zugelassen. Die Wettbewerbssumme lag bei 1,545 Millionen Euro netto, davon 1,23 Millionen Euro als Preisgelder.
Kostenrahmen und Vorgeschichte
Das in der Auslobung genannte Kostenziel für die Kostengruppen 300 bis 500 beträgt rund 416,2 Millionen Euro brutto. Medienberichte hatten zuvor einen Kostenrahmen von 412 Millionen Euro genannt. Vorgegeben sind ein Mindesterfüllungsgrad von 80 Prozent im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB-Gold) sowie der Effizienzgebäude-Bund-40-Standard. Zur Größenordnung kursieren unterschiedliche Angaben: Fachmedien berichteten von rund 78.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche beziehungsweise von etwa 30.000 Quadratmetern zusätzlicher Fläche für Büros, Kantine und Sportinfrastruktur.
Der Bendlerblock dient seit dem 2. September 1993 als zweiter Dienstsitz des Verteidigungsministeriums neben der Bonner Hardthöhe; dem Berliner Standort sind rund 1.600 Dienstposten zugeordnet. Die bislang letzte Ausbaustufe wurde im Januar 2017 übergeben: ein Neubau nach Entwurf des Büros Auer Weber mit rund 250 Büroarbeitsplätzen, dem zwischen 2010 und 2014 die Sanierung von Altbauteilen mit etwa 400 Arbeitsplätzen vorausgegangen war. Angaben zu Planungsbeginn, Baustart oder Fertigstellung enthalten die aktuellen Mitteilungen nicht.
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