Die Universität der Bundeswehr München hat am 1. Oktober 2026 den Kleinsatelliten ATHENE-1 in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht. An Bord sind 22 Experimente zu Kommunikation, Navigation, Aufklärung und Datenverarbeitung im Orbit.
Der Start erfolgte um 20.32 Uhr MESZ von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien. ATHENE-1 flog an Bord einer Falcon 9 von SpaceX im Rahmen der Mitflugmission Transporter-18 und wurde planmäßig ausgesetzt. Die Mission beförderte insgesamt 130 Nutzlasten, Ziel war ein sonnensynchroner niedriger Erdorbit.
Entwickelt und gebaut wurde der knapp 300 Kilogramm schwere Satellit von der Universität der Bundeswehr München (UniBw M) gemeinsam mit der OHB-Tochter LuxSpace. Grundlage ist die modulare Kleinsatellitenplattform Triton-X Heavy von LuxSpace, kombiniert mit einer an der Universität entwickelten Experimentalnutzlast. Die Integration fand am OHB-Standort Oberpfaffenhofen statt, die Startkampagne verantwortete OHB Orbital Access. Ende August war der Satellit von Bremen aus auf den Weg nach Kalifornien gebracht worden.
Forschungsprogramm SeRANIS
ATHENE-1 ist das zentrale Element des Forschungsprogramms SeRANIS (Seamless Radio Access Networks for Internet of Space). Es läuft seit 2020 am Forschungszentrum SPACE der UniBw M und wird vom Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr (dtec.bw) gefördert. Beteiligt sind mehr als 70 Forschende, das Volumen liegt bei über 77 Millionen Euro. Das dtec.bw ist ein gemeinsames Zentrum der beiden Bundeswehr-Universitäten in München und Hamburg und wird über den Deutschen Aufbau- und Resilienzplan aus EU-Mitteln (NextGenerationEU) finanziert.
Ziel des Programms ist es, neue Technologien früh in flugfähige Hard- und Software zu überführen und im Orbit zu erproben, um sie schneller für Nutzer und Industrie verfügbar zu machen. Dazu gehört die Einbindung von Start-ups. Bereits 2022 hatte sich das Unternehmen Talos in einem Wettbewerb einen Mitflugplatz auf dem Satelliten gesichert. Damals war noch von 14 Experimenten die Rede, inzwischen sind es 22.
Schwerpunkte der Experimente
Im Mittelpunkt stehen satellitengestützte Kommunikation und Vernetzung, Aufklärung und Sensorik, Navigation sowie KI-gestützte Datenverarbeitung an Bord. Erprobt werden unter anderem Verfahren, mit denen sich Störungen von Navigations- und Kommunikationssignalen erkennen, lokalisieren und abwehren lassen.
Ein weiterer Schwerpunkt sind softwaredefinierte, rekonfigurierbare Satellitensysteme. Funktionen sollen sich auch nach dem Start an neue Standards, Einsatzszenarien oder Störungen anpassen lassen. Nach Angaben des Projekts gehört dazu ein 6G-Forschungsfeld: Auf dem Campus der Universität entsteht ein terrestrisches Mobilfunknetz, dessen Endgeräte über ATHENE-1 miteinander kommunizieren sollen. Der Satellit dient dabei wahlweise als Relais oder direkt als Basisstation. Die Forschungsbodenstation auf dem Campus wird dafür mit einem Laserkommunikationsterminal ausgestattet. Hinzu kommen Versuche zum satellitengestützten Internet der Dinge, bei denen der Satellit mit kleinen, batteriebetriebenen Geräten am Boden kommunizieren soll.
Programmleiter Prof. Andreas Knopp, Professor für Informationsverarbeitung an der UniBw M, beschreibt SeRANIS als eigenen Innovationspfad, der über eine einzelne Satellitenmission hinausgehe. Das flexible Missionsdesign habe es erlaubt, auf die veränderte sicherheitspolitische Lage zu reagieren und neue Fragestellungen aufzunehmen. OHB-Vorstandsvorsitzender Marco Fuchs verweist auf die gewachsene Bedeutung technologischer Souveränität und widerstandsfähiger Weltraumsysteme.
Betrieb durch das DLR
Die Bodeninfrastruktur stellt das Nationale Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Es übernimmt Telemetrie, Kommandierung, Überwachung und Steuerung des Satelliten. Nach Angaben von DLR-Bereichsvorständin Dr. Anke Pagels-Kerp nutzt das GSOC die Mission zugleich, um stärker automatisierte Steuerungsabläufe zu erproben, wie sie für große Konstellationen in niedrigen Umlaufbahnen benötigt werden.
In den kommenden Tagen folgen die frühe Betriebsphase (Launch and Early Orbit Phase) und die Inbetriebnahme im Orbit. Anschließend werden die Experimente schrittweise aktiviert. Die Mission ist auf mehrere Jahre angelegt.
