Zwölf europäische NATO-Mitglieder wollen in den kommenden zehn Jahren gemeinsam 50,66 Milliarden US-Dollar in sogenannte Deep-Precision-Strike-Fähigkeiten investieren. Die Initiative wurde beim NATO-Gipfel im türkischen Ankara vorgestellt und soll die Abschreckung des Bündnisses stärken.
Gemeinsame Erklärung von zwölf Staaten
In einer gemeinsamen Erklärung haben die Staats- und Regierungschefs von Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Rumänien, Spanien, Schweden, der Türkei und dem Vereinigten Königreich am 8. Juli 2026 die „Deep Precision Strike Capability Investment Initiative“ angekündigt. Ziel ist der beschleunigte Aufbau weitreichender Präzisionsschlagfähigkeiten, die nach Darstellung der Beteiligten fester Bestandteil der NATO-Verteidigungsplanung sind.

Die unterzeichnenden Regierungen begründen den Schritt mit der Notwendigkeit, die Abschreckung und Verteidigung des Bündnisses zu stärken und dabei einen größeren europäischen Beitrag innerhalb der NATO zu leisten. Ausdrücklich verweisen sie auf jüngste Anpassungen der US-Streitkräftepräsenz als einen der Auslöser. Die Investitionen sollen unter anderem über multinationale Beschaffungsprojekte erfolgen.
Reichweiten von 300 bis über 2.000 Kilometer
Die Initiative wird vom Vereinigten Königreich angeführt; Premierminister Keir Starmer brachte am Rande des Gipfels rund ein Dutzend europäische Partner zusammen. Die Investition in weitreichende Präzisionswaffen soll Systeme hervorbringen, die Ziele in mindestens 300 Kilometern und in einzelnen Fällen über 2.000 Kilometern Entfernung präzise treffen können. Zunächst liegt der Schwerpunkt auf bodengestützten Systemen, später sollen auch luft- und seegestützte Fähigkeiten hinzukommen.
Neben der reinen Beschaffung sehen die Partner den Austausch von Fachwissen, gemeinsame technologische Entwicklung und eine engere industrielle Zusammenarbeit vor. Nach britischer Darstellung soll das Thema Deep Precision Strike im kommenden Jahr ins Zentrum der NATO-Verteidigungsagenda rücken.
Britische Einzelprogramme als Grundlage
Das Vereinigte Königreich hat über seinen Defence Investment Plan bereits 3 Milliarden Pfund bis 2030 für eigene Fähigkeiten in diesem Bereich zugesagt. Dazu zählen ein Programm mit Deutschland im Rahmen des Trinity-House-Abkommens zur Entwicklung von Tarnkappen- und Hyperschallwaffen mit einer Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern sowie das trilaterale Projekt Stratus mit Frankreich und Italien. Stratus soll einen Nachfolger für den Marschflugkörper Storm Shadow entwickeln; London investiert dafür 1,4 Milliarden Pfund über vier Jahre. Zusätzlich beteiligt sich das Land am Precision-Strike-Missile-Programm mit den USA und Australien.
Multinationale NATO-Projekte
Parallel zur politischen Erklärung machte das Bündnis auch auf Projektebene Fortschritte. Beim NATO Summit Defence Industry Forum in Ankara starteten am 7. Juli 2026 sechs Staaten – Dänemark, Frankreich, Italien, Norwegen, die Türkei und das Vereinigte Königreich – ein „High Visibility Project“ zur gemeinsamen Entwicklung bodengestützter Präzisionsschlagfähigkeiten. Solche Kooperationen sollen Entwicklungskosten teilen und die Beschaffung beschleunigen.
Hintergrund: US-Truppenabbau und Ukraine-Erfahrungen
Das Pentagon kündigte im Mai 2026 den Abzug von rund 5.000 Soldaten aus Deutschland an; seit Oktober 2025 sind Pläne für den Abzug von mindestens 9.000, möglicherweise bis zu 13.000 Soldaten bekannt geworden. Washington begründet dies mit einer Verlagerung von Ressourcen in den pazifischen Raum.
Als Referenz für den Nutzen weitreichender Waffen verweisen die Beteiligten auf den Krieg in der Ukraine. Ukrainische Angriffe auf Logistikzentren und militärische Infrastruktur hätten Russlands Fähigkeit beeinträchtigt, Offensiven aufrechtzuerhalten.
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