Raytheon soll die jährliche Fertigung von Tomahawk Marschflugkörpern auf mehr als 1.000 Stück pro Jahr steigern. Der über sieben Jahre laufende Auftrag ist Teil des Programms „Arsenal of Freedom“ des US-Verteidigungsministeriums.
Die U.S. Navy hat dem RTX-Geschäftsbereich Raytheon einen Vertrag über 22,9 Milliarden US-Dollar zur Produktion von Tomahawk-Marschflugkörpern erteilt. Das Unternehmen gab die Vergabe am 17. August 2026 am Standort Tucson im US-Bundesstaat Arizona bekannt. Die Laufzeit beträgt sieben Jahre. Ziel ist es, die jährliche Ausbringung auf mehr als 1.000 Flugkörper zu erhöhen und damit eine planbare Versorgung der US-Marine sowie verbündeter Streitkräfte sicherzustellen.
Nach Angaben von US-Marinevertretern gegenüber dem Fachdienst Janes umfasst der Vertrag über die gesamte Laufzeit mehr als 7.000 Flugkörper. Darin enthalten sind sowohl Neufertigungen als auch rezertifizierte und modernisierte Bestandswaffen. Die Finanzierung setzt sich demnach aus rund 257 Millionen US-Dollar aus dem laufenden Haushalt für das Fiskaljahr 2026, etwa drei Milliarden US-Dollar aus dem Haushaltsentwurf für 2027 sowie erwarteten Mitteln für die Jahre 2028 bis 2032 zusammen.

Deutliche Steigerung gegenüber der bisherigen Fertigungsrate
Die angestrebte Rate liegt weit über dem bisherigen Niveau. Nach Unternehmensangaben, die unter anderem von Reuters und Breaking Defense zitiert wurden, lag die Tomahawk-Produktion vor den Rahmenvereinbarungen vom Februar 2026 bei etwa 60 Flugkörpern pro Jahr. Raytheon erklärte zudem, im ersten Halbjahr 2026 dreimal so viele Tomahawk ausgeliefert zu haben wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Raytheon-Präsident Phil Jasper bezeichnete den Tomahawk als zentrale Angriffswaffe der US-Marine, die Ziele über große Entfernungen bekämpfen könne, ohne Besatzungen unmittelbar zu exponieren. Er verwies auf Investitionen in Personal, Technologie, Lieferkette und Fertigungsanlagen. Das Unternehmen kündigte an, mit mehreren hundert kleinen und mittleren Zulieferern in den USA zusammenzuarbeiten, um die Ausbringung zu erhöhen. RTX hatte seine Investitionen in Anlagen und Werke für 2026 zuvor von 2,6 auf 3,1 Milliarden US-Dollar angehoben.
Einordnung in die Beschaffungsreform des Kriegsministeriums
Der Auftrag wurde im Rahmen der Initiative „Arsenal of Freedom“ vergeben, mit der das US-Kriegsministerium (Department of War) unter Minister Pete Hegseth die Rüstungsindustrie auf eine höhere Fertigungskadenz umstellen will. Grundlage ist die sogenannte Acquisition Transformation Strategy, die längerfristige Abnahmezusagen vorsieht, um Investitionen der Industrie in Kapazitäten abzusichern. Koordiniert wird das Vorgehen über einen Munitions Acceleration Council unter Leitung des Under Secretary of War for Acquisition and Sustainment, Michael Duffey.
Der Tomahawk-Vertrag konkretisiert eine von fünf Rahmenvereinbarungen, die Raytheon am 4. Februar 2026 mit dem Ministerium geschlossen hatte. Diese betrafen neben dem Tomahawk auch AMRAAM sowie die Flugkörperfamilien SM-3 Block IB, SM-3 Block IIA und SM-6. Vergleichbare Verträge erhielt Lockheed Martin, darunter im Juli 2026 eine mehrjährige Vereinbarung über PAC-3-MSE-Lenkflugkörper mit einem Gesamtwert von 58,62 Milliarden US-Dollar sowie zuvor ein Vertrag über THAAD-Abfangflugkörper.
Hintergrund der Ausweitung ist der hohe Munitionsverbrauch der zurückliegenden Kampfeinsätze. Nach Schätzungen der Washington Post und des Center for Strategic and International Studies wurden während des Iran-Konflikts 2026 bis zur Waffenruhe Anfang April über 1.000 Tomahawk eingesetzt.
Waffensystem und Exportkunden
Der BGM-109 Tomahawk ist ein im Unterschallbereich fliegender Marschflugkörper, der von Überwasserschiffen und U-Booten gestartet wird. Die genauen Leistungsdaten sind eingestuft. Öffentlich zugängliche Angaben nennen für die Block-IV-Variante eine Reichweite von rund 1.600 Kilometern und einen konventionellen Gefechtskopf von etwa 450 Kilogramm; die aktuelle Version Block V soll darüber hinausgehen. Der Vertrag deckt nach Berichten sowohl die Landzielvariante als auch die Seezielversion Maritime Strike Tomahawk ab.
Neben den USA nutzt die britische Marine das System. Australien bestellte 2023 insgesamt 220 Flugkörper, die Niederlande genehmigten 2025 eine Beschaffung von bis zu 175 Stück, Japan beschafft 400 Flugkörper und führte Ende Juli 2026 einen ersten scharfen Testschuss vom Zerstörer JS Chokai durch. Deutschland verständigte sich im Juli 2026 mit den USA auf die Lieferung von Tomahawk sowie Typhon-Startgeräten; Stückzahlen und Preis unterliegen der Geheimhaltung.
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