Frankreich beschafft Panzerabwehrwaffe NLAW von Saab

Foto und Copyright: SAAB

Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat von der französischen Beschaffungsbehörde DGA einen Auftrag über die schultergestützte Panzerabwehrwaffe NLAW erhalten. Die Lieferungen sollen zwischen 2026 und 2030 erfolgen.

Vertrag mit der DGA

Saab und die französische Generaldirektion für Rüstung (Direction générale de l’Armement, DGA) haben einen Vertrag über die Lieferung der Next Generation Light Anti-tank Weapon (NLAW) unterzeichnet. Der Auftrag umfasst neben den Waffensystemen auch Ausbildungsgerät für den Einsatz in Gebäuden und im Freien. Zusätzlich enthält der Vertrag Optionen, über die Frankreich weitere NLAW-Systeme beziehen kann. Angaben zum finanziellen Volumen des Auftrags machte das Unternehmen nicht.

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Görgen Johansson, Leiter des Saab-Geschäftsbereichs Dynamics, verwies auf die bestehende Zusammenarbeit mit den französischen Streitkräften: Saab habe bereits die Systeme AT4 und Carl-Gustaf M4 an Frankreich geliefert. Die NLAW solle Infanteristen die Fähigkeit geben, gepanzerte Ziele aus kurzer Distanz auszuschalten.

Technische Merkmale

Die NLAW ist eine tragbare Einweg-Panzerabwehrwaffe für den Einsatz durch einzelne Soldaten. Sie wiegt rund 12,5 Kilogramm und erfasst Ziele in einem Bereich von etwa 20 bis 800 Metern. Statt eines aktiven Suchkopfs nutzt das System eine vorhergesagte Sichtlinie (Predicted Line of Sight, PLOS): Der Schütze verfolgt das Ziel einige Sekunden lang, woraufhin die Steuerung die Flugbahn berechnet. Anschließend arbeitet die Waffe nach dem Prinzip „fire and forget“.

Das System verfügt über zwei Wirkmodi. Im Overfly-Top-Attack-Modus überfliegt der Flugkörper das Ziel und löst den Gefechtskopf über der Oberseite eines Kampfpanzers aus, wo die Panzerung in der Regel schwächer ist. Im Direktangriffsmodus lässt sich die Waffe gegen leicht gepanzerte Fahrzeuge und Gebäude einsetzen. Durch ein sogenanntes Soft-Launch-Verfahren kann die NLAW auch aus geschlossenen Räumen oder hinter Deckung abgefeuert werden.

Entwicklung und Nutzerstaaten

Entwickelt wurde die Waffe von Saab Bofors Dynamics im Auftrag der schwedischen und britischen Verteidigungsbehörden, die das System gemeinsam beschafften. Die Entwicklung begann Ende der 1990er Jahre; die Serienproduktion läuft seit Ende der 2000er Jahre. Ein wesentlicher Teil der Fertigung ist in Großbritannien angesiedelt. Zu den Nutzerstaaten zählen unter anderem Schweden, Großbritannien und Finnland.

Hintergrund: Einsatz in der Ukraine

Größere internationale Aufmerksamkeit erhielt die NLAW durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Großbritannien lieferte bereits vor dem Beginn der russischen Großoffensive im Februar 2022 rund 2.000 Systeme an Kiew; im weiteren Kriegsverlauf folgten nach Angaben aus europäischen Verteidigungskreisen mehrere Tausend weitere Einheiten. Ukrainische Kräfte setzten die Waffe vor allem im Nahbereich und im urbanen Umfeld gegen russische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge ein. Berichten zufolge ließen sich Soldaten innerhalb kurzer Zeit an dem System ausbilden.

Der Auftrag aus Frankreich fügt sich in eine zuletzt vertiefte Zusammenarbeit zwischen Saab und der DGA ein. Bereits Ende 2025 erhielt das Unternehmen einen Auftrag über zwei Aufklärungsflugzeuge des Typs GlobalEye; im Frühjahr 2026 folgte gemeinsam mit Scania France ein Vertrag über 17 Radarsysteme des Typs Giraffe 1X auf taktischen Fahrzeugen.

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