Italienische Luftwaffe operiert im nahen Osten

Rom hat seit Ende März 2026 eine Luftverteidigungs-Task-Force in Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrain stationiert. Bekannt wurde der Einsatz erst Ende Juli, nachdem das Verteidigungsministerium eine knappe Beschreibung auf seiner Website veröffentlicht hatte.
Foto: WikiMedia KGG1951 – Own work CC BY-SA 3.0

Rom hat seit Ende März 2026 eine Luftverteidigungs-Task-Force in Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrain stationiert. Bekannt wurde der Einsatz erst Ende Juli, nachdem das Verteidigungsministerium eine knappe Beschreibung auf seiner Website veröffentlicht hatte.

Zusammensetzung des Kontingents

Nach Angaben des italienischen Verteidigungsministeriums operiert seit der zweiten Märzhälfte 2026 die „Task Force Air – Arabia“ in den drei Golfstaaten. Auslöser war die Krise in der Region und ein Unterstützungsersuchen der Partnerstaaten. Der Auftrag umfasst die Überwachung und Verteidigung des zugewiesenen Luftraums sowie den Schutz eigener Kräfte und nationaler Interessen. Das Kontingent umfasst rund 400 Angehörige der Luftwaffe und steht unter dem Kommando von Oberst Michele Schiavi.Zum Verband gehören die Task Group Argo mit einem Frühwarnflugzeug E-550A CAEW, die Task Group Typhoon mit vier Kampfflugzeugen Eurofighter F-2000A, die Task Group Medal mit einem Transportflugzeug C-130J beziehungsweise KC-130J sowie die Task Group Kuwait, die ein Luftverteidigungsradar AN/TPS-77 betreibt und zugleich technische Unterstützung für die kuwaitische Luftwaffe leistet.

Hinzu kommt eine Einheit zur Drohnenabwehr mit dem System ACUS-E. Die konkreten Einsatzflugplätze nennt das Ministerium nicht; das Fachportal The Aviationist vermutet auf Basis von Flugbewegungen die Luftwaffenbasis King Fahd bei Taif als Hauptstandort der Jets.

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Bodengestützte Komponente bislang nur teilweise bestätigt

Neben dem Luftwaffenverband existiert eine „Task Force Land – Arabia“ des Heeres. Deren Existenz bestätigt das Ministerium, ohne Angaben zur Zusammensetzung zu machen; nach Recherchen des Journalisten Fausto Biloslavo umfasst sie rund 300 Soldaten, davon etwa die Hälfte in Saudi-Arabien, und verfügt über eine SAMP/T-Batterie sowie je ein KRONOS-Radar in Saudi-Arabien und Bahrain. Italienische Medienberichte gehen von einer Gesamtstärke zwischen 660 und 700 Personen aus und verorten zusätzlich eine Skynex-Batterie in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Das Flugabwehrsystem SAMP/T verschießt senkrechtstartende Lenkflugkörper vom Typ Aster 30 und deckt Flugzeuge, Marschflugkörper und taktische ballistische Raketen im Rundumbereich ab. Welche Batterie- und Flugkörperversion verlegt wurde, ist nicht bekannt. Die weiterentwickelte Version Aster B1NT soll nach Herstellerangaben erst ab 2027 ausgeliefert werden.

Die Skynex-Komponente deckt die unterste Abfangebene ab. Italien erhielt seine erste Batterie am 18. Dezember 2025 im Flugabwehr-Artilleriekommando Sabaudia; Grundlage ist ein im Januar 2025 an Rheinmetall Italia vergebener Vertrag über 73 Millionen Euro. Optionen für drei weitere Systeme haben einen Wert von 204 Millionen Euro. Eine Batterie besteht aus einer Überwachungs- und Verfolgungseinheit, einer Feuerleitstelle und vier 35-mm-Geschützen des Typs Revolver Gun Mk3 mit einer Kadenz von bis zu 1.000 Schuss pro Minute und einer Reichweite von rund vier Kilometern. Das zugehörige Radar X-TAR3D erfasst nach Herstellerangaben bis zu 50 Kilometer. Die programmierbare AHEAD-Munition ermöglicht die Bekämpfung kleiner Drohnen ohne Einsatz von Lenkflugkörpern.

Anlass: Angriffe auf Ali Al Salem

Der Verlegung vorausgegangen waren mehrere Angriffe auf den kuwaitischen Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem, auf dem italienische Kräfte im Rahmen der Operation „Prima Parthica“ stationiert sind. Nach Darstellung von Analisi Difesa wurde die Basis erstmals in der Nacht zum 2. März getroffen, ein zweiter Angriff in der Nacht zum 6. März setzte Treibstofflager in Brand; am 15. März zerstörte eine Drohne eine der beiden dort stationierten Aufklärungsdrohnen MQ-9A der italienischen Luftwaffe. Zwei Eurofighter F-2000 wurden bei den vorangegangenen Angriffen durch Splitter beschädigt. Personal kam nicht zu Schaden.

Parlamentarische Kontroverse

Die späte Bekanntgabe hat in Rom eine Debatte über die Mandatsgrundlage ausgelöst. Oppositionsabgeordnete haben in Abgeordnetenkammer und Senat Anfragen eingereicht; sie verweisen darauf, dass der maßgebliche Verlängerungsbeschluss für die Auslandseinsätze 2026 den Einsatz italienischer Soldaten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Bahrain und Katar vorsieht, Saudi-Arabien darin aber nicht aufgeführt ist.

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