Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 18. September im texanischen Fort Worth den ersten F-35A-Kampfjet für die Luftwaffe entgegengenommen. Die Maschine bleibt zunächst für die Pilotenausbildung in den USA, die volle Einsatzbereitschaft ist für 2029 geplant.
Der US-Hersteller Lockheed Martin hat am 18. September 2026 den ersten von 35 bestellten Kampfjets des Typs F-35A offiziell an die Bundeswehr übergeben. Die Zeremonie fand im Werk des Konzerns in Fort Worth (Texas) statt, wo Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) das Flugzeug in Empfang nahm. Die Maschine trägt die taktische Kennung 35+01, rund 200 Gäste aus Politik, Streitkräften und Industrie nahmen teil. Pistorius bezeichnete die Übergabe als Ausdruck der deutsch-amerikanischen Partnerschaft und als Beginn eines neuen Abschnitts für die Luftwaffe.
Sicherheitspolitischer Rahmen
Pistorius ordnete die Beschaffung in die veränderte Sicherheitslage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ein. Die Entwicklung in der Ukraine sei entscheidend für die Sicherheit Europas und die internationale Stabilität. Zugleich verwies er auf das russische Nukleararsenal und den wachsenden globalen Einfluss Moskaus. Deutschland habe darauf unter anderem mit höheren Verteidigungsausgaben, dem Neuen Wehrdienst, der Modernisierung der Streitkräfte und der Stationierung der Panzerbrigade 45 in Litauen reagiert.
Die Entscheidung für die F-35A fiel 2022 als Nachfolge für den Tornado. Nach Angaben der Bundeswehr war dabei die nukleare Teilhabe innerhalb der NATO ausschlaggebend: Künftig sollen deutsche F-35 – wie bisher der Tornado – mit US-Atomwaffen beladen werden können. Zudem habe die Beschaffung technisch, zeitlich und finanziell die geringsten Risiken geborgen.
Fähigkeiten und Einsatzkonzept
Das Ministerium hebt vor allem die Sensor- und Vernetzungsfähigkeiten des Flugzeugs hervor. Die F-35A kann große Datenmengen in Echtzeit erfassen und zu einem Lagebild für sogenannte Multi-Domain Operations zusammenführen, also für Einsätze über mehrere militärische Dimensionen hinweg. Vorgesehen ist außerdem das Zusammenwirken mit unbemannten Luftfahrzeugen (Manned-Unmanned Teaming). Durch seine Form, innenliegende Waffenschächte und eine spezielle Oberfläche ist das Flugzeug für gegnerische Sensoren schwer zu erfassen. Zudem kann es Ziele in mehreren hundert Kilometern Entfernung bekämpfen. Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, erwartet nach eigenen Worten grundlegende Veränderungen bei Ausbildung, Führung und Einsatz der Teilstreitkraft.
Zeitplan und Stationierung in Büchel
Zwischen Auftrag und Übernahme des ersten Flugzeugs lagen nach Ministeriumsangaben vier Jahre. Die ersten Maschinen verbleiben zunächst in den USA, wo deutsche Pilotinnen und Piloten ausgebildet werden. Laut ESUT erfolgt die Auslieferung in vier Losen: Acht Flugzeuge sind für Ende 2026/Anfang 2027 vorgesehen, das letzte Los mit sieben Maschinen für Ende 2029/Anfang 2030. Die volle Einsatzbereitschaft soll nach Angaben des Ministeriums 2029 erreicht werden.
Heimatbasis der Flotte wird der Fliegerhorst Büchel in der Eifel. Dort wird die Infrastruktur unter anderem für Wartung und Instandsetzung umgebaut, an hohe Sicherheitsanforderungen angepasst und digitalisiert. Um die üblicherweise mehrjährigen Verfahren zu verkürzen, wurden Planung und Bau parallel vorangetrieben. Nach Angaben des Ministers sollen die Anlagen 2027 für den Flugbetrieb bereitstehen, investiert wurden dafür rund zwei Milliarden Euro.
Industrielle Beteiligung und NATO-Verbund
Neben Lockheed Martin ist auch die deutsche Industrie eingebunden: Rheinmetall fertigt Rumpfmittelteile der F-35A. Das Unternehmen hat dazu in Weeze (Nordrhein-Westfalen) ein Werk errichtet, in dem die Produktion im Juli 2025 angelaufen ist. Dort sollen mindestens 400 Rumpfmittelteile für die Bundeswehr und verbündete Staaten entstehen. Pistorius sieht darin einen Gewinn an Know-how und Wertschöpfung für Deutschland sowie eine Einbindung in die internationale Lieferkette des Programms.
Mit der Einführung reiht sich Deutschland nach Ministeriumsangaben in einen Kreis von 19 weiteren Nutzerstaaten ein. Gemeinsame Standards, Technik und Verfahren sollen die Zusammenarbeit bei Ausbildung, Übungen und Einsätzen erleichtern. Die Bundeswehr verweist zudem auf Kooperationsmöglichkeiten etwa bei der Ersatzteilbevorratung.
