Raytheon erhält Milliarden-Vertrag zur Lieferung von Patriot-Abfangraketen an die Ukraine

Raytheon erhält Milliarden-Vertrag zur Lieferung von Patriot-Abfangraketen an die Ukraine
PAC-2 GEM-T | Foto: RTX

Der Rüstungskonzern RTX hat einen Vertrag über 3,7 Milliarden US-Dollar zur Lieferung von Patriot-Lenkflugkörpern an die Ukraine erhalten. Die Produktion soll teilweise in Deutschland erfolgen.

Vertragsabschluss und Hintergrund

Der US-amerikanische Rüstungskonzern RTX hat am 14. April 2026 über seine Tochtergesellschaft Raytheon einen Direktvertrag im Wert von 3,7 Milliarden US-Dollar zur Lieferung von Patriot GEM-T-Abfangraketen an die Ukraine abgeschlossen. Es handelt sich dabei um einen sogenannten „Direct Commercial Sale“, also einen direkten kommerziellen Verkauf ohne den üblichen Umweg über die US-Regierung. Ziel des Vertrags ist es, die durch den anhaltenden Krieg stark beanspruchten Bestände der ukrainischen Luftverteidigung wieder aufzufüllen.

Produktion in Deutschland

Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des Vertrags soll eine neue Fertigungsstätte im bayerischen Schrobenhausen spielen. Das Werk wird von COMLOG betrieben, einem gemeinsamen Unternehmen von Raytheon und dem deutschen Rüstungskonzern MBDA Deutschland. COMLOG hatte bereits im Dezember 2022 erste GEM-T-Raketen an die Deutsche Luftwaffe ausgeliefert und baut seitdem seine europäischen Produktionskapazitäten schrittweise aus. Raytheon verfolgt das Ziel, die weltweite Patriot-Produktion bis Ende der 2020er-Jahre zu verdoppeln.

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Technische Eigenschaften des GEM-T

Der Patriot Advanced Capability-2 (PAC-2) Guidance Enhanced Missile-Tactical – kurz GEM-T – ist für die Abwehr verschiedenster Luftbedrohungen ausgelegt, darunter Marschflugkörper, feindliche Drohnen, Flugzeuge und taktische ballistische Raketen. Der Flugkörper ist das Kernelement des Patriot-Systems, das aktuell in 19 Ländern als Grundlage der nationalen Luftverteidigung eingesetzt wird. Raytheon-Präsident Phil Jasper betonte, das Unternehmen investiere erheblich in die Steigerung der GEM-T-Produktion, um der weltweit wachsenden Nachfrage gerecht zu werden.

Strategische Bedeutung für die Ukraine

Der Vertrag fällt in eine Phase, in der die ukrainische Raketenabwehr unter erheblichem Druck steht. In der Nacht des 23. März 2026 schlugen laut Berichten etwa 40 Raketen sowie rund 500 Drohnen in der westukrainischen Stadt Lwiw ein. Zuvor hatte eine Analyse der Financial Times darauf hingewiesen, dass russische Streitkräfte ihre Raketen softwaretechnisch so modifiziert haben sollen, dass die Abfangquote der Patriot-Systeme deutlich gesunken sei. Die Ukraine hat nach Medienberichten offiziell um 25 zusätzliche Patriot-Batterien vor dem Winter 2026 ersucht.

Lieferkette und europäische Partnerschaft

Raytheon und MBDA stärken mit dem Schrobenhausener Werk gezielt die Resilienz der europäischen Lieferkette für den GEM-T-Flugkörper. Der europäische Wertschöpfungsanteil am GEM-T – unter Beteiligung von MBDA und weiteren Zulieferern – wird auf rund 35 bis 40 Prozent geschätzt. Die NATO-Beschaffungsagentur NSPA hatte COMLOG bereits Anfang 2024 mit einem weiteren Auftrag für Patriot-Raketen betraut.

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