Frankreich erhält ersten NH90 für Spezialkräfte

Airbus Helicopters hat den ersten NH90 im „Standard 2" an die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA übergeben. Die Variante ist speziell auf Einsätze von Spezialkräften zugeschnitten; insgesamt sind 18 Maschinen bestellt.
Foto: Airbus

Airbus Helicopters hat den ersten NH90 im „Standard 2″ an die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA übergeben. Die Variante ist speziell auf Einsätze von Spezialkräften zugeschnitten; insgesamt sind 18 Maschinen bestellt.

Airbus Helicopters hat am 30. Juli 2026 am Standort Marignane den ersten NH90 in der Konfiguration „Standard 2″ an die Direction générale de l’armement (DGA) übergeben. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des taktischen Transporthubschraubers NH90 TTH, die auf die Anforderungen von Spezialkräften ausgelegt ist. Frankreich hat 18 Hubschrauber dieser Version bestellt; die Auslieferung soll bis Mitte 2029 abgeschlossen sein. Betrieben werden die Maschinen vom 4. Hubschrauberregiment der Spezialkräfte (4e RHFS) im südfranzösischen Pau.

Ersatz für Caracal und Cougar

Nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums ersetzt der Standard 2 dort die bislang genutzten Muster Caracal und Cougar. Das Einsatzspektrum des NH90 wird dabei um das Einschleusen und Herausführen von Kommandokräften sowie um Fähigkeiten zur Feuerunterstützung und zur taktischen Kommunikation erweitert. Gegenüber dem in den konventionellen Verbänden eingeführten Standard 1 erhält die Version eine Infrarotkamera mit Laserpointer und -zielbeleuchter, neue Bewaffnung sowie ein Funkausstattungspaket für Operationen im teilstreitkräfteübergreifenden und multinationalen Verbund.

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Die Prototypmaschine war erstmals im April 2025 auf der Spezialkräftemesse SOFINS öffentlich gezeigt worden. Damals gab die DGA an, die Endmontage habe in Marignane begonnen, die Auslieferungen sollten sich vom Sommer 2026 bis zum Frühjahr 2029 erstrecken.

Neue Sensorik und Sichtsysteme

Zur Ausstattung des Standard 2 gehören laut Airbus das elektrooptische System Euroflir 410 D von Safran, ein neuer digitaler Kartengenerator, Vorrüstungen für ein drittes Besatzungsmitglied sowie vergrößerte hintere Schiebefenster, in die Waffen zur Eigensicherung eingerüstet werden können. Vorgesehen ist zudem die spätere Integration eines Distributed Aperture System (DAS), das die Sicht bei Schnee, Staub oder Nebel bei Tag und Nacht verbessern soll. Ergänzend soll ein vollständig digitalisierter Helm vom Typ TopOwl (Thales) eingeführt werden, der Bilder beider Systeme gleichzeitig auf dem Visier darstellt.

Die Entwicklung dieser Komponenten läuft parallel: Safran erhielt im Dezember 2025 von der NATO Helicopter Management Agency (NAHEMA) einen Auftrag zur Entwicklung des DAS „Eurofl’Eye“ – eines Verbunds aus sechs Infrarotkameras –, Thales wurde im Januar 2026 mit der entsprechenden Erweiterung des TopOwl-Helms beauftragt. NAHEMA handelte dabei im Auftrag der französischen DGA und der spanischen Beschaffungsbehörde DGAM.

Spanien als zweiter Nutzer

Der Auftrag für den Standard 2 war 2020 von der NAHEMA an das Konsortium NHIndustries vergeben worden, an dem Airbus Helicopters mit 62,5 Prozent, Leonardo mit 32 Prozent und GKN Fokker mit 5,5 Prozent beteiligt sind.

Im Dezember 2025 schloss sich Spanien der Weiterentwicklung an. Die DGAM bestellte 31 zusätzliche NH90 in TTH-Konfiguration – als GSPA-Variante für Heer und Luftwaffe sowie als MSPT-Variante für die Marine. Da Spanien zuvor bereits 45 Maschinen kontrahiert hatte, wächst die Flotte damit auf 76 Hubschrauber. Der Auftrag ist Teil eines Pakets über insgesamt 100 Hubschrauber im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro; die NH90-Auslieferungen sollen 2031 beginnen.

Programm mit gemischter Bilanz

Der NH90 wurde in europäischer Kooperation zwischen Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien entwickelt. Weltweit sind nach Herstellerangaben mehr als 530 Maschinen im Einsatz, die zusammen annähernd 500.000 Flugstunden absolviert haben. Deutschland ist mit 131 bestellten Hubschraubern – 82 Transportversionen für das Heer sowie Sea Lion und Sea Tiger für die Marine einer der größten Nutzer; der erste Sea Tiger wurde im Dezember 2025 übergeben, die Auslieferung der insgesamt 31 Maschinen soll bis 2030 laufen.

Zugleich hat das Programm Rückschläge erlebt. Unter Verweis auf Lieferverzögerungen, technische Probleme, hohe Betriebskosten und geringe Verfügbarkeitsraten haben Australien und Norwegen ihre NH90-Flotten ausgemustert, Schweden hat einen entsprechenden Schritt angekündigt, Portugal stornierte eine Bestellung vor der ersten Lieferung, und Belgien bestätigte im Juli 2025 die Außerdienststellung seiner Flotte.

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