Rheinmetall modernisiert Fregatte „Bayern“ in Wilhelmshaven

Rheinmetall modernisiert Fregatte „Bayern“ in Wilhelmshaven
F123 | Foto: Rheinmetall AG

Die Jadewerft soll die Fregatte „Bayern“ bis 2029 umfassend modernisieren; der Auftragswert liegt im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Das Vorhaben soll die Einsatzfähigkeit des Schiffes bis mindestens 2035 sicherstellen.

Auftrag zum Ende des zweiten Quartals

Rheinmetall hat nach eigenen Angaben zum Ende des zweiten Quartals 2026 den Auftrag zur Modernisierung der Fregatte „Bayern“ erhalten und die Vergabe am 30. Juli öffentlich gemacht. Der Auftragswert liegt laut Unternehmen im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Ziel ist es, die Einsatzfähigkeit der 1996 in Dienst gestellten Einheit der Deutschen Marine bis mindestens 2035 sicherzustellen und ihr Fähigkeitsprofil an aktuelle Anforderungen anzupassen.

Die Arbeiten sollen bis 2029 auf der Neuen Jadewerft in Wilhelmshaven stattfinden, die seit Anfang März 2026 zum Rheinmetall-Konzern gehört. Vorgesehen sind insbesondere die Erneuerung des Führungs- und Waffeneinsatzsystems (FüWES), die Modernisierung der Radar-Sensorik sowie die Überholung schiffstechnischer Anlagen und der Antriebs- und Vortriebsanlagen. Zudem sollen wesentliche Systeme zur U-Boot-Abwehr nachgerüstet werden. Derzeit liegt das Schiff zum Ausbau wesentlicher Großkomponenten an der Pier der Werft; anschließend soll es ins Dock verholt werden.

Jetzt Steady-Mitglied werden!

Teil des Vorhabens SdEV

Der Auftrag ist Teil des Programms „Sicherstellen der Einsatzverfügbarkeit“ (SdEV). Grundlage ist eine ministerielle Entscheidung aus dem Jahr 2020, die Nutzungsdauer der vier Fregatten der Klasse 123 bis mindestens 2035 zu verlängern und die dafür erforderlichen Maßnahmen in einem Gesamtpaket zusammenzufassen. Das BAAINBw beauftragte im Juli 2021 den schwedischen Konzern Saab als Hauptauftragnehmer. Der Vertrag umfasste zunächst das FüWES 9LV, die Radare Sea Giraffe 4A und Sea Giraffe 1X, die Feuerleitanlage Ceros 200 sowie weitere Systeme einschließlich IFF-Fähigkeit; Saab bezifferte den Wert damals auf rund 464 Millionen Euro. Für die Schiffbauarbeiten band das Unternehmen die Werft Abeking & Rasmussen ein. Weitere Pakete folgten, darunter 2024 die Auslösung von Optionen für die Kommunikationsausstattung.

Das Vorhaben ist mehrfach in Verzug geraten. Die „Schleswig-Holstein“ liegt seit 2023 in Emden; der Abschluss ihrer Umrüstung wird inzwischen für 2029 erwartet, die Arbeiten an der „Brandenburg“ waren zwischenzeitlich gestoppt. Die „Bayern“ ist als drittes Schiff in das Vorhaben eingesteuert worden. Über eine weitere Nutzungsdauerverlängerung über 2035 hinaus ist nach Auskunft des BAAINBw noch nicht entschieden.

U-Jagd-Fähigkeit als Engstelle

Die zwischen 1994 und 1996 in Dienst gestellten Einheiten der Brandenburg-Klasse sind vorrangig für die U-Boot-Jagd konzipiert. Ihre Bedeutung ist gewachsen, seit das Verteidigungsministerium Ende Juni 2026 das Nachfolgeprogramm F126 beendet hat: Die sechs Schiffe werden nicht gebaut, stattdessen sollen bis zu acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU – künftig Klasse 128 – beschafft werden. Für die ersten vier Einheiten nennt das Ministerium einen Beschaffungspreis von rund 6,3 Milliarden Euro, vorbehaltlich der Billigung durch den Haushaltsausschuss.

Bis zum Zulauf dieser Schiffe müssen die modernisierten F123 die U-Jagd-Fähigkeit der Deutschen Marine tragen. Der Verteidigungsausschuss hatte sich dazu im Juni 2026 mit einer Vertragsänderung im Umfang von 25 Millionen Euro befasst, mit der Leistungen zur Wiederherstellung dieser Fähigkeit beauftragt werden sollten. Nach hartpunkt-Informationen wird dabei eine hohe Systemgleichheit mit der künftigen F128 angestrebt; der finale Design-Freeze für die Modernisierung wurde erst Ende 2025 erreicht.

Servicegeschäft der Division Naval Systems

Rheinmetall ordnet den Auftrag dem Servicegeschäft zu, das der Konzern als strategisches Geschäftsfeld der Division Naval Systems beschreibt. Instandhaltung, Modernisierung und Lebenszyklusbetreuung seien wesentlicher Bestandteil des Leistungsportfolios. Tim Wagner, CEO der Division, betont, das Unternehmen konzentriere sich auf eine termingerechte Ablieferung; die Neue Jadewerft verfüge über langjährige Erfahrung in der Instandsetzung und Modernisierung von Marineschiffen, insbesondere von Fregatten, sowie über Erfahrung bei der Integration komplexer maritimer Systeme.

Rheinmetall hatte die Übernahme von Naval Vessels Lürssen (NVL) zum 1. März 2026 abgeschlossen und den Überwasserschiffbau in der neuen Division Naval Systems gebündelt. Zu ihr gehören vier Werften in Norddeutschland: Blohm+Voss und die Norderwerft in Hamburg, die Peene-Werft in Wolgast und die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven.

Mit WhatsApp immer bestens informiert!

Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share