Norwegen beschafft beim finnischen Hersteller Patria 20 gepanzerte Radfahrzeuge des Typs Patria 6×6 in der Führungsvariante. Der Vertrag enthält Optionen über weitere 40 Fahrzeuge, die Auslieferung soll noch im laufenden Jahr beginnen.
Auftragsumfang
Patria hat am 24. August 2026 mitgeteilt, dass mit Norwegen eine Vereinbarung über den Kauf von 20 Fahrzeugen im Rahmen des multinationalen Programms Common Armoured Vehicle System (CAVS) geschlossen wurde. Bestellt wurde die Variante C2 (Command and Control), also Führungsfahrzeuge, die mit fernbedienbaren Waffenstationen vom Typ PROTECTOR RS4 des norwegischen Herstellers Kongsberg ausgerüstet werden. Zum Auftrag gehören zudem Unterstützungsleistungen, Ausbildung und Ersatzteile. Optional kann Norwegen 40 weitere C2-Fahrzeuge samt Waffenstationen abrufen. Angaben zum Auftragswert machte das Unternehmen nicht.
Jussi Järvinen, bei Patria verantwortlich für den Geschäftsbereich Protected Mobility, ordnet die Bestellung als Beitrag zur Stärkung gemeinsamer geschützter Mobilität in Nordeuropa ein. Gemeinsame Anforderungen, interoperable Systeme und einheitliches Gerät erleichterten nach seiner Darstellung die Zusammenarbeit im Einsatz, vereinfachten die Logistik und senkten den Aufwand über den Nutzungszeitraum hinweg.

Gro Jære, Direktorin der norwegischen Beschaffungsbehörde Forsvarsmateriell (NDMA), bezeichnet die Vereinbarung als Schritt über eine reine Materialbeschaffung hinaus. Sie verweist auf die Absicht, die operative Leistungsfähigkeit der norwegischen Streitkräfte zu erhöhen und die Interoperabilität mit Verbündeten zu verbessern.
Norwegens Weg in das Programm
Norwegen war dem CAVS-Programm am 9. September 2025 gemeinsam mit dem Vereinigten Königreich formal beigetreten und erhöhte die Zahl der Mitglieder damit auf sieben. Unterzeichner auf norwegischer Seite war der stellvertretende Direktor von Forsvarsmateriell, Generalmajor Øyvind Kvalvik. Die Unterzeichnung des Technical Arrangement bildete dabei die erste von vier Programmphasen. Am 26. Mai 2026 folgte die Unterzeichnung des Rahmenabkommens, das die Grundlage für Serienbestellungen schafft. Die jetzt gemeldete Bestellung ist der erste konkrete Beschaffungsschritt Norwegens.
Plattform und Waffenstation
Der Patria 6×6 basiert auf dem Radpanzer Patria AMV. Es handelt sich um ein dreiachsiges, schwimmfähiges Fahrzeug mit einem Leergewicht von 15,5 Tonnen und einem zulässigen Gesamtgewicht von 24 Tonnen. Der Grundschutz entspricht STANAG 4569 Stufe 2 und lässt sich bis Stufe 4 steigern. Die Standardausführung ist für eine Besatzung von zwei Soldaten ausgelegt und kann zehn weitere Soldaten mit persönlicher Ausrüstung aufnehmen. Der modulare Innenraum erlaubt die Aufnahme unterschiedlicher Rüstsätze.Die Waffenstation PROTECTOR RS4 verfügt über eine stabilisierte Tag- und Nachtsensorik mit Laserentfernungsmesser und kann Maschinengewehre der Kaliber 5,56 bis 12,7 Millimeter, 40-Millimeter-Granatwerfer sowie Panzerabwehrlenkflugkörper aufnehmen.
Für die CAVS-Fahrzeuge wird eine modernisierte Fassung der sogenannten nordischen Konfiguration geliefert, die sich um Fähigkeiten zur Drohnenabwehr erweitern lässt. Kongsberg hält seit 2016 einen Anteil von 49,9 Prozent an Patria.
Deutschland als größter Nutzer
Das CAVS-Programm wurde 2020 von Finnland und Lettland gestartet. Mitglieder sind heute Finnland, Lettland, Schweden, Dänemark, Norwegen, Deutschland und das Vereinigte Königreich. Fahrzeuge wurden bislang nach Finnland, Schweden, Lettland, Dänemark und Deutschland geliefert; darüber hinaus sind Patria 6×6 in der Ukraine im Einsatz. Insgesamt sind mehr als 2.200 Fahrzeuge bestellt und über 400 ausgeliefert.
Deutschland ist mit Abstand der größte Beteiligte. Der Haushaltsausschuss des Bundestages gab am 17. Dezember 2025 rund 959 Millionen Euro für die Bestellung von 296 Transportpanzern frei. Einen Tag später schlossen das BAAINBw und Patria zwei Rahmenverträge; gebilligt wurden zunächst die Varianten Pioniergruppe, Panzeraufklärungsgruppe, schwerer Mörser und Feuerleitfahrzeug. Die Rahmenverträge decken die Beschaffung von bis zu 876 Fahrzeugen mit einem Gesamtwert von über zwei Milliarden Euro ab. Im Juli 2025 hatte der Generalinspekteur einen Gesamtbedarf von 4.000 Transportpanzern neuer Generation bis nach 2035 gebilligt. Im Februar 2026 übergab Patria die ersten fünf Vorserienfahrzeuge an die Bundeswehr. Die Serienlieferungen sollen Anfang 2027 hochgefahren werden, parallel dazu wird die Endmontage über eine Rahmenvereinbarung mit KNDS Deutschland Maintenance in Deutschland aufgebaut.
