Der Münchner Hersteller Quantum Systems hat auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin die PULSE P19 vorgestellt. Das in Deutschland entwickelte Mehrzweckflugzeug lässt sich bemannt wie unbemannt betreiben und ist auf die Abwehr gegnerischer Drohnen ausgelegt.
Premiere in Anwesenheit des Bundeskanzlers
Quantum Systems stellte die PULSE P19 am 10. Juni 2026 auf der ILA Berlin erstmals öffentlich vor. Die Präsentation erfolgte nach Unternehmensangaben in Anwesenheit von Bundeskanzler Friedrich Merz. Mit dem System erweitert das Unternehmen sein Portfolio um eine mittelgroße Luftplattform und tritt nach eigener Darstellung erstmals in das Segment optional bemannter Luftfahrzeuge ein.
Die ILA läuft noch bis zum 14. Juni; das Fluggerät ist dort sowohl im Innenbereich als auch auf dem Freigelände zu sehen.

Antwort auf verwundbare Drohnen
Als Begründung für die Entwicklung verweist Quantum Systems auf Erfahrungen aus aktuellen Konflikten: Klassische LALE- und MALE-Drohnen (Low beziehungsweise Medium Altitude Long Endurance) hätten sich in der Ukraine und anderen Einsätzen zunehmend als verwundbar erwiesen. Die PULSE P19 sei gezielt für die Anforderungen moderner Streitkräfte konzipiert und verbinde hohe Einsatzausdauer mit höherer Geschwindigkeit, einem günstigeren Kostenprofil, integrierten Counter-UAS-Fähigkeiten und einer hohen Nutzlastkapazität.
Co-CEO und Mitgründer Florian Seibel führte aus, der Wandel moderner Kriegsführung habe die Grenzen herkömmlicher MALE-Drohnen offengelegt; Streitkräfte benötigten schnellere, kosteneffizientere und skalierbarere Fähigkeiten zur Erkennung, Verfolgung und Abwehr unbemannter Bedrohungen. Chefingenieur Lars Peter betonte, das Entwicklungsteam habe die Möglichkeiten dieser Flugzeugklasse neu gedacht und bemannte sowie unbemannte Einsatzkonzepte in einer Plattform zusammengeführt; auch das Cockpit sei mit moderner Führungssoftware und digitalen Schnittstellen neu ausgelegt worden.
Einsatzspektrum und Vernetzung
Die vollständig in Deutschland entwickelte und gefertigte PULSE P19 soll ein breites Aufgabenspektrum abdecken – von Aufklärung und Überwachung (ISR) über Ausbildungsmissionen bis zur Drohnenabwehr. Als Teil des Software-Ökosystems MOSAIC UXS ist die Plattform in einen vernetzten, softwaredefinierten Einsatzverbund eingebunden. Sie kann mit Luft- und Bodensystemen zusammenwirken und ermöglicht so Konzepte wie Manned-Unmanned Teaming, Recce-Strike-Missionen sowie die rasche Integration neuer Fähigkeiten.
Quantum Systems ordnet die Vorstellung in den Kontext wachsender Bedeutung souveräner luftgestützter Verteidigungsfähigkeiten für Deutschland, Europa und verbündete Staaten ein. Mit dem neuen System setzt das Unternehmen nach eigener Darstellung seinen Wandel vom Hersteller unbemannter Systeme zum Anbieter integrierter operativer Ökosysteme über die Domänen Luft, Boden und Software fort.
Technische Eckdaten
Leistungsdaten nennt die Pressemitteilung nicht; aus der Fachberichterstattung zur Messe ergeben sich erste Angaben. Demnach handelt es sich um ein einmotoriges Turboprop-Muster mit einer maximalen Startmasse von rund 4.200 Kilogramm in der militärischen Variante und einer nutzbaren Zuladung von bis zu etwa 2.500 Kilogramm. Für die Drohnenabwehr sind ein Radar für Luft-Luft- und Boden-Luft-Aufgaben, ein elektrooptisch-infrarotes Sensorsystem sowie eine Bestückung mit mehreren kostengünstigen Abfangmitteln vorgesehen – das Konzept zielt darauf, gegnerische Drohnen günstiger zu bekämpfen als mit hochpreisigen Lenkflugkörpern. Für die bemannte Version bot der Ausrüster Martin-Baker einen Schleudersitz an. Ein Erstflug ist nach Branchenangaben für den Sommer 2027 geplant.
Einordnung und Hintergrund
Quantum Systems mit Sitz in Gilching bei München ist bislang vor allem für taktische Aufklärungsdrohnen wie Vector, Twister und Reliant bekannt. Die Vector wird in der Ukraine eingesetzt, wo das Unternehmen einen Teil seiner Belegschaft beschäftigt; nach einer Series-C-Finanzierungsrunde zählt Quantum Systems zu den höher bewerteten europäischen Verteidigungs-Start-ups und zu den Lieferanten unbemannter Systeme für die Bundeswehr.
Während die Pressemitteilung die PULSE P19 als Drohnenabwehr-, Aufklärungs- und Ausbildungsplattform beschreibt, verwiesen am Messestand gezeigte Modelle und Teile der Fachberichterstattung auf darüber hinausgehende Waffenoptionen; eine Unternehmenssprecherin hatte zuvor gegenüber Fachmedien eine grundsätzliche Bewaffnungsfähigkeit bestätigt. Quantum Systems selbst stellt in der Außenkommunikation die Rolle in der Drohnenabwehr in den Vordergrund.
Am selben Messetag schlossen Airbus Helicopters und Quantum Systems eine Kooperationsvereinbarung. Beide Unternehmen wollen prüfen, wie sich Counter-UAS-Abfangmittel von Quantum Systems in Airbus-Militärhubschrauber integrieren lassen, zunächst in den Mehrzweckhubschrauber H145M.
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