Das Österreichische Bundesheer hat am 25. August 2026 in Großmittel die ersten kampfwertgesteigerten Kampfpanzer Leopard 2A4 und Schützenpanzer Ulan an die Truppe übergeben. Die Modernisierung ist Teil des Aufbauplans ÖBH 2032+ und umfasst insgesamt 170 Kettenfahrzeuge.
Übergabe in der Jansa-Kaserne
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner nahm gemeinsam mit Rüstungschef Generalleutnant Harald Vodosek an der Übergabezeremonie in der Jansa-Kaserne in Großmittel teil, dem Standort des Panzergrenadierbataillons 35. Tanner ordnete den Termin als sichtbaren Umsetzungsschritt des Aufbauplans ein und verwies darauf, dass die grundsätzliche Entscheidung zur Stärkung der mechanisierten Kräfte bereits 2021 und damit vor dem russischen Angriff auf die Ukraine getroffen worden sei.
Die vertragliche Grundlage bilden zwei im Dezember 2022 abgeschlossene Verträge, das sogenannte Mech-Paket. Auftragnehmer für die Modernisierung der 58 Leopard 2A4 ist KNDS Deutschland, für die 112 Ulan die Wiener General Dynamics European Land Systems-Steyr (GDELS-Steyr). Ursprünglich war das Paket mit rund 560 Millionen Euro beziffert worden. Tanner und Vodosek nannten bei der Übergabe ein Gesamtvolumen von mehr als 750 Millionen Euro.

Umfang der Maßnahmen
Beim Leopard 2A4 wurde das Innenleben des Turms weitgehend auf den Stand der Version A7 gebracht. Kommandant, Richtschütze und Kraftfahrer erhielten neue Sichtsysteme mit digitalen Bedien- und Anzeigeelementen, zudem wurden Feuerleitung und Nachtsichtfähigkeit erneuert. Die bisher hydraulischen Richtantriebe wurden auf Elektromotoren umgestellt. Das Bundesministerium für Landesverteidigung führt die Wiederherstellung der Nachtkampffähigkeit ausdrücklich als Ziel der Maßnahme an.
Beim Ulan betreffen die Arbeiten Optiken und elektronische Komponenten, die elektrische Anlage sowie Teile des Laufwerks. Hinzu kommen ein Tausch des Heizgeräts, eine leistungsfähigere Hauptzieleinrichtung im Turm, ein umgebauter Heckstaukasten für zusätzliche Ausrüstung und Aufnahmepunkte für Verwundetentragen. Beide Programme laufen unter der Bezeichnung NV für Nutzungsdauerverlängerung, angestrebt wird beim Leopard eine Einsatzfähigkeit für mindestens weitere 20 Jahre.
Die Fahrzeuge werden schrittweise nach Wien beziehungsweise München verbracht und nach der Instandsetzung zurückgegeben, wobei ein Teil der Flotte durchgehend bei den Verbänden verbleibt. Nach Unternehmensangaben befinden sich derzeit 20 Ulan bei GDELS-Steyr. Die ersten modernisierten Ulan gehen direkt an die Truppe, die Leopard zunächst an das Heereslogistikzentrum zur letzten Adaption.
Einordnung
Leopard 2A4 und Ulan bilden gemeinsam den Kern der 4. Panzergrenadierbrigade. Der Ulan, eine Variante des ASCOD, ist seit 2001 beziehungsweise 2002 in Nutzung und kann dem Kampfpanzer auch in schwierigem Gelände folgen. Österreich hat sich aus Budgetgründen gegen die Beschaffung neuer Gefechtsfahrzeuge und für eine Modernisierung des Bestands entschieden. Fachlich umstritten bleibt, dass das Schutzniveau des Ulan konstruktionsbedingt kaum verbessert werden kann und ein aktives Schutzsystem nicht vorgesehen ist.
Der Aufbauplan ÖBH 2032+ ist über das Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz budgetär abgesichert. Für 2027 sieht der Budgetentwurf Auszahlungen von 5,15 Milliarden Euro vor, ein Plus von 8,1 Prozent gegenüber 2026. Die Bundesregierung hält am Ziel fest, die Landesverteidigungsausgaben bis 2032 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben. Tanner bezeichnete den Aufbauplan zuletzt als laufend anzupassendes Dokument.
Der gemeinsam mit KNDS entwickelte Modernisierungsansatz hat sich nach Unternehmensangaben zu einem Standardprogramm für den Leopard 2A4 entwickelt. Bis zu 300 weitere Fahrzeuge anderer Nutzerstaaten könnten in den kommenden Jahren nach diesem Muster umgerüstet werden. Österreich ist Mitglied des Leopard User Club mit 22 Nationen.
