Warschau führt nach Angaben des stellvertretenden Verteidigungsministers Paweł Zalewski Gespräche über den Kauf von Airbus A400M Atlas. Ein polnischer Analyst nennt unter Berufung auf ungenannte Quellen eine Größenordnung von acht bis 15 Maschinen, finanziert über das EU-Instrument SAFE.
Verhandlungen in zwei Richtungen
Zalewski bestätigte im August gegenüber dem Sender Polskie Radio 24, dass Polen über die Beschaffung von A400M verhandelt. Die Gespräche liefen in zwei Richtungen und umfassten sowohl die reine Transportvariante als auch eine Auslegung zur Luftbetankung. Zalewski bezeichnete die Maschinen als zentral für die Einsatzfähigkeit der polnischen Luftwaffe. Als Finanzierungsweg nannte er das EU-Programm SAFE, wobei Warschau auch nicht abgerufene Mittel anderer Mitgliedstaaten in Anspruch nehmen wolle. Nach Darstellung von Polskie Radio hat Airbus Polen ein Direktgeschäft über zehn bis 14 Flugzeuge angeboten.
Der polnische Verteidigungsanalyst Jarosław Wolski schrieb am 25. August auf der Plattform X, ihm gegenüber sei ein Beschaffungsumfang von acht bis 15 Maschinen genannt worden, mit einer Tendenz zum oberen Ende. Wolski verwies auf die Fähigkeit des Musters, von kurzen und unbefestigten Pisten zu operieren, sowie auf eine Nutzlast von 37 Tonnen. Weitere von ihm aufgeführte Einsatzoptionen, darunter der Transport von Patriot-Startgeräten oder HIMARS-Werfern, ein Umbau zum Tankflugzeug und die Nutzung als Träger für Abstandswaffen, stellen seine eigene Einschätzung dar und sind vom polnischen Verteidigungsministerium nicht bestätigt. Gleiches gilt für seine Behauptung, Polen habe eine über SAFE finanzierbare Beschaffung von zwei schwedischen Frühwarnflugzeugen ungenutzt gelassen; sie ist bislang unabhängig nicht verifiziert.

Hintergrund: Das EU-Instrument SAFE
SAFE (Security Action for Europe) ist ein 2025 aufgelegtes Kreditinstrument der Europäischen Union mit einem Volumen von rund 150 Milliarden Euro und Teil der Initiative ReArm Europe/Readiness 2030. Polen ist der mit Abstand größte Empfänger: Auf das Land entfällt eine Zuteilung von 43,7 Milliarden Euro. Am 29. Mai 2026 erhielt Warschau nach Angaben der Europäischen Kommission eine erste Vorfinanzierung von 6,6 Milliarden Euro, was 15 Prozent der Gesamtzuteilung entspricht. Polen war damit der erste Mitgliedstaat, an den Mittel aus dem Instrument ausgezahlt wurden.
Multinationale Kooperation seit Juli
Das polnische Interesse folgt auf eine Absichtserklärung, die am 7. Juli 2026 am Rande des NATO-Gipfels in Ankara unterzeichnet wurde. Neben Polen beteiligen sich Belgien, Frankreich, Kroatien, Spanien, die Türkei und das Vereinigte Königreich an dem Vorhaben, das als NATO-Projekt hoher Sichtbarkeit geführt wird. Vorgesehen ist eine gemeinsame Nutzung von Flugzeugen, Wartung, Ausbildung und Infrastruktur nach dem Vorbild der multinationalen A330-MRTT-Flotte. Stückzahlen, Kosten oder Zeitpläne wurden nicht genannt. Fünf der sieben Staaten betreiben das Muster bereits, Polen und Kroatien bislang nicht. Das kroatische Verteidigungsministerium hielt fest, dass für Zagreb bis 2030 keine Verpflichtungen oder Kosten entstehen.
Polen betreibt derzeit Transportflugzeuge des Typs C-130 Hercules, deren Alter und Auslastung von Fachbeobachtern kritisch bewertet werden. Parallel hat Warschau Ende Juni 2026 eine Absichtserklärung mit Spanien über die gemeinsame Beschaffung von A330-MRTT-Tankflugzeugen unterzeichnet, ebenfalls unter Rückgriff auf SAFE. Durch die Übernahme spanischer Lieferpositionen könnte Polen seine Bestellung von zwei auf vier Maschinen aufstocken. Vizepremier Władysław Kosiniak-Kamysz knüpfte dies an eine Auslieferung bis 2030. Der Auftragswert wurde nicht veröffentlicht.
Auslastung der Endmontage in Sevilla
Für Airbus wäre ein polnischer Auftrag industriepolitisch relevant. Das Unternehmen hat wiederholt darauf verwiesen, dass an der Endmontagelinie in Sevilla eine Rate von acht Flugzeugen pro Jahr erforderlich ist, um die Fertigung wirtschaftlich fortzuführen. Ohne neue Bestellungen droht nach Angaben des Herstellers ein Auslaufen der Produktion zum Ende des Jahrzehnts. Von 178 bestellten Maschinen waren zum Jahresende 2025 nach Herstellerangaben 137 ausgeliefert. Airbus und die Rüstungsagentur OCCAR hatten sich zuvor darauf verständigt, die Fertigung bis 2029 zu strecken; Frankreich und Spanien übernehmen dabei einen Teil der Auslieferungen. Zugleich sind Weiterentwicklungen vorgesehen, darunter eine Erhöhung der maximalen Nutzlast von 37 auf 40 Tonnen.
Eine förmliche Beschaffungsentscheidung Polens steht bislang aus. Weder Umfang noch Zeitplan oder Finanzierungsstruktur sind offiziell bestätigt.
