Rheinmetall errichtet Logistikzentrum am Kassel Airport

Der Rüstungskonzern baut in Calden ein Logistik- und Technologiezentrum mit mehr als 30.000 Quadratmetern Nutzfläche. Das Land Hessen fördert das Vorhaben, das Investitionsvolumen liegt im dreistelligen Millionenbereich.
Foto: Rheinmetall

Der Rüstungskonzern baut in Calden ein Logistik- und Technologiezentrum mit mehr als 30.000 Quadratmetern Nutzfläche. Das Land Hessen fördert das Vorhaben, das Investitionsvolumen liegt im dreistelligen Millionenbereich.

Die hessische Landesregierung und die Rheinmetall AG haben am 27. August 2026 am Kassel Airport eine Absichtserklärung über den Aufbau eines gemeinsamen Verteidigungs- und Innovationsstandorts in Nordhessen unterzeichnet. Ministerpräsident Boris Rhein, Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori und Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger stellten die Pläne für den sogenannten Defence Hub Nordhessen vor Ort vor. Kern des Vorhabens ist ein neues Logistik- und Technologiezentrum in der Gemeinde Calden unmittelbar neben dem Flughafen. Ergänzend soll der bestehende Rheinmetall-Standort in Kassel ausgebaut werden.

Inbetriebnahme Ende 2027 geplant

Die Anlage soll eine Nutzfläche von über 30.000 Quadratmetern erhalten und Ende 2027 den Betrieb aufnehmen. Rheinmetall bezeichnet sie als eine der größeren Infrastrukturinvestitionen des Konzerns in Deutschland. Das Unternehmen beziffert das Gesamtvolumen der Investitionen auf einen dreistelligen Millionenbetrag, an dem sich das Land Hessen mit einer Förderung beteiligt. Zur Höhe der Landesmittel machten die Beteiligten keine Angaben.

Nach Darstellung des Konzerns soll das Zentrum die Auftragsabwicklung im nationalen wie internationalen Geschäft beschleunigen und Durchlaufzeiten sowie Lieferqualität verbessern. Papperger ordnete die Investition als Vorbereitung auf erwartete Aufträge im Bereich militärischer Fahrzeuge ein und verwies dabei ausdrücklich auf die Bundeswehr als Kunden. Björn Bernhard, Vorstandsvorsitzender der Division Vehicle Systems, hob die zentrale Lage des Standorts innerhalb Deutschlands hervor.

Jetzt Steady-Mitglied werden!

Die Standortwahl begründet das Unternehmen mit der Verkehrsanbindung, der Nähe zum bestehenden Werk im Kasseler Industriepark Mittelfeld und der Verfügbarkeit ausreichend großer Flächen. Ein weiteres Ziel ist die Verlagerung von Transportströmen aus dem nördlichen Stadtgebiet Kassels, wo der Werkverkehr bislang Wohngebiete und Straßen belastet. Rund 1.200 Quadratmeter der neuen Liegenschaft sind als Schulungsfläche für Beschäftigte aus Kassel und anderen Konzernstandorten vorgesehen. Zur Zahl der neu entstehenden Arbeitsplätze nannte Rheinmetall keine konkreten Werte.

Drohnenerprobung am Flughafen

Zusätzlich plant Rheinmetall ein Testzentrum für Drohnen auf dem Gelände in Calden. Das Unternehmen begründet dies mit den Erprobungsmöglichkeiten, die der Flughafen bietet, und mit der Nähe zum geplanten hessischen Drohnenkompetenzzentrum. Dieses Zentrum baut die Technische Universität Darmstadt mit Unterstützung des Landes am Kassel Airport auf; Forschung, Erprobung, Qualifizierung und Anwendung unbemannter Systeme sollen dort an einem Ort gebündelt werden, die Eröffnung ist für 2026 vorgesehen. Das Land fördert das Projekt mit acht Millionen Euro aus dem Digitalisierungsprogramm Distr@l und dem EU-Strukturfonds EFRE.

Für den Flughafen selbst hat die Ansiedlung wirtschaftliche Bedeutung. Der 2013 eröffnete Regionalflughafen schreibt seit Betriebsbeginn Verluste, 2024 lag das Defizit bei knapp fünf Millionen Euro. Größter Gesellschafter ist das Land Hessen mit 68 Prozent, Stadt und Landkreis Kassel halten je 14,5 Prozent, die Gemeinde Calden drei Prozent. Ministerpräsident Rhein kündigte an, den Standort künftig stärker als militärische Drehscheibe, für Trainingsflüge der Bundeswehr und für die Erprobung von Drohnentechnologie nutzen zu wollen.

Hintergrund: Wachstum im Fahrzeuggeschäft

Der Standort Kassel der Rheinmetall Landsysteme GmbH ist innerhalb der Division Vehicle Systems Europe für Entwicklung, Fertigung und Instandsetzung taktischer Rad- und Kettenfahrzeuge zuständig und beschäftigt derzeit rund 2.200 Mitarbeiter. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte die Division einen Umsatz von 2.431 Millionen Euro und lag damit 28 Prozent über dem Vorjahreswert; konzernweit stieg der Backlog zum 30. Juni 2026 auf 80,5 Milliarden Euro nach 56,0 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.

Nordhessen entwickelt sich damit weiter zu einem Schwerpunkt der deutschen Rüstungsindustrie. Rheinmetall hatte bereits angekündigt, die Beschäftigtenzahl am Standort Kassel binnen fünf Jahren nahezu zu verdoppeln und dort ab 2029 mehr als 500 Radpanzer des Typs Boxer zu fertigen. Neben Rheinmetall betreibt auch KNDS ein großes Werk in der Stadt.

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share