Das US-Verteidigungsministerium und Lockheed Martin haben eine Rahmenvereinbarung über Produktion und Instandhaltung der F-35 für die Lose 21 bis 30 vorgestellt. Vorgesehen sind mindestens 850 Flugzeuge für die US-Streitkräfte über zehn Jahre, die Umsetzung steht jedoch unter dem Vorbehalt des Kongresses.
Umfang der Vereinbarung
Das US-Verteidigungsministerium, das inzwischen als Department of War firmiert, und Lockheed Martin haben am 22. Oktober 2026 eine Rahmenvereinbarung für die mehrjährige Produktion und Instandhaltung der F-35 Lightning II bekanntgegeben. Sie umfasst 850 Flugzeuge für die USA über einen Zeitraum von zehn Jahren einschließlich der Erstausstattung mit Ersatzteilen, zehn Jahre Modifikationssätze und Instandhaltung sowie Bestellungen internationaler Kunden in den Produktionslosen 21 bis 30. Die Fertigungsrate soll weiterhin bei 156 Flugzeugen pro Jahr liegen.
Über die gesamte Laufzeit ergeben sich damit 1.560 Maschinen, von denen mindestens 850 auf die US-Streitkräfte entfallen. Offen ist bislang, wie sich die Stückzahlen auf die einzelnen Varianten sowie auf Air Force, Navy und Marine Corps verteilen. Lockheed Martin hat zudem zugesagt, mindestens 7 Mrd. US-Dollar aus eigenen Mitteln in Projekte zur Unterstützung des Programms zu investieren.
Vorbehalt des Kongresses
Bei der Vereinbarung handelt es sich noch nicht um einen Auftrag. Erst wenn der Kongress die Befugnis zur Mehrjahresbeschaffung erteilt und die entsprechenden Mittel bewilligt, wollen das F-35 Joint Program Office (JPO) und Lockheed Martin Vertragsbedingungen, Preise und Zeitpläne in einem formellen Vertrag festlegen. Das Unternehmen erwartet durch langfristige Preise und Mengenrabatte Einsparungen in Milliardenhöhe über den Lebenszyklus des Flugzeugs.
Der Kongress berät derzeit im Rahmen des Verteidigungsgesetzes für 2027 darüber, dem Pentagon Mehrjahresverträge für die F-35 und die F-15EX zu ermöglichen. Ein Haushalt für das Fiskaljahr 2027 ist noch nicht verabschiedet, die Vereinbarung ist damit derzeit nicht finanziert.
Stabilere Lieferkette und höhere Einsatzbereitschaft
Langfristige Verträge mit Zulieferern sollen den Einkauf von Rohstoffen und kritischen Bauteilen in größeren Mengen ermöglichen und den bisherigen jährlichen Vertragszyklus ablösen. Flugzeugproduktion, Ersatzteile und Modifikationsteile sollen gemeinsam beschafft werden, um Stückpreise zu senken. Integrierte Datenanalysen sollen Haushaltsmittel mit Kennzahlen zur Einsatzbereitschaft verknüpfen und den Teilebestand in Echtzeit sichtbar machen.
Lockheed-Martin-Chef Jim Taiclet erklärt, die größere Planungssicherheit erlaube Vorabinvestitionen in Kapazität, Effizienz und eine widerstandsfähigere Lieferkette. OJ Sanchez, Präsident von Lockheed Martin Aeronautics, betont, dass die Vereinbarung zusammen mit Investitionen in den globalen Ersatzteilpool die Einsatzbereitschaft der Flotte erhöhen soll. Michael Duffey, im Pentagon zuständig für Beschaffung und Instandhaltung, verweist darauf, dass finanzielle Anreize künftig an die tatsächliche Leistung gekoppelt würden.
In einer Telefonkonferenz mit Investoren gab Taiclet an, dass mindestens 60 Prozent des Wertanteils einer F-35 von Zulieferern stammen, darunter Northrop Grumman und BAE Systems. Vorgesehen ist ein Festpreisvertrag, bei dem die Preise unter bestimmten wirtschaftlichen Bedingungen angepasst werden. Nach Unternehmensangaben soll das Programm in den kommenden zehn Jahren 317.000 Arbeitsplätze in den USA sichern und jährlich rund 79 Mrd. US-Dollar Wirtschaftsleistung erzeugen.
Hintergrund: Einsatzbereitschaft und bisherige Lose
Die Instandhaltung der F-35 steht seit Jahren in der Kritik. Nach einem Bericht des US-Rechnungshofs GAO sank die Rate der Flugzeuge, die mindestens eine ihrer Aufgaben erfüllen können, zwischen den Fiskaljahren 2021 und 2025 von 67 auf 44 Prozent. Der Anteil voll einsatzfähiger Maschinen ging im selben Zeitraum von 38 auf 25 Prozent zurück.
Bislang wurde die F-35 in einzelnen oder wenigen Losen beschafft. Der letzte Vertrag über die Lose 18 und 19 mit 296 Flugzeugen im Wert von rund 24,3 Mrd. US-Dollar wurde im September 2025 nach etwa zweijährigen Verhandlungen abgeschlossen. Weltweit sind laut Lockheed Martin mehr als 1.375 F-35 im Dienst, die Flotte hat über eine Million Flugstunden absolviert.
Bezug zur Bundeswehr
Deutschland zählt zu den internationalen Kunden des Programms. Am 18. September 2026 übernahm die Bundeswehr in Fort Worth ihre erste F-35A. Die Auslieferung nach Büchel soll im dritten Quartal 2027 beginnen und bis 2029 andauern. Ob und in welchem Umfang deutsche Bestellungen in den Losen 21 bis 30 enthalten sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
