Deutschland hatte der NATO eine Special Operations Air Task Unit – Rotary Wing (Maritime) (SOATU – RW (M)) zugesagt. Das dafür vorgesehene Beschaffungsvorhaben „Marinehubschrauber für Spezialoperationen“ (MH-SOF) wird nach Auskunft der Deutschen Marine nicht weiterverfolgt.
Was zugesagt war
Im Rahmen der NATO-Fähigkeitsplanung hatte Deutschland eine Special Operations Air Task Unit – Rotary Wing (Maritime), kurz SOATU – RW (M), angemeldet. Solche Einheiten stellen Drehflügler samt Besatzungen und Unterstützungspersonal bereit, um Spezialkräfte im maritimen Umfeld zu verlegen – etwa für erzwungene Bordungen von Schiffen (Opposed Boarding) und für Maritime Interdiction Operations. In der Deutschen Marine fällt dieses Einsatzspektrum in den Zuständigkeitsbereich des Kommandos Spezialkräfte der Marine in Eckernförde.
Zur Deckung dieses Bedarfs wurde ein integriertes Projektteam eingerichtet und ein Vorhaben mit der Bezeichnung MH-SOF aufgesetzt. Vorgestellt wurde es im Juli 2019 auf dem 31. Internationalen Hubschrauberforum in Bückeburg.
Anforderungen und Stückzahl
Nach Darstellung des Fachmagazins Soldat & Technik sollten bis zu sieben Hubschrauber beschafft werden, die auf die Anforderungen der Spezialkräfte im maritimen Bereich zugeschnitten sind. Die Zahl leitete sich aus der NATO-Quantifizierung ab: Eine Special Operations Air Task Unit – Rotary Wing umfasst demnach zwei bis sechs Hubschrauber sowie das zugehörige Personal.
Die in Bückeburg genannten Anforderungen waren anspruchsvoll: Das Muster sollte einschiffungsfähig sein, sich bewaffnen lassen, Fast Roping ermöglichen und über ein Radar zur Schiffsortung verfügen. Gefordert war zudem die Aufnahme von bis zu 16 Spezialkräftesoldaten samt Ausrüstung beziehungsweise einer Nutzlast von bis zu 2.000 Kilogramm. Als Einsatzraum wurden rund zwei Stunden Flugzeit oder ein Radius von 100 Seemeilen für Hin- und Rückflug zugrunde gelegt.
Marine: Projekt existiert nicht
Auf Nachfrage von Sicherheit & Verteidigung teilte ein Sprecher der Deutschen Marine mit, dass dieses Vorhaben nicht (mehr) existiere. Gründe für die Einstellung wurden nicht genannt.
Plausibel erscheint ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Zum Zeitpunkt der Vorstellung des Vorhabens waren die verfügbaren Haushaltsmittel deutlich knapper als in den Jahren nach 2022. Hinzu kommt, dass die Marine inzwischen über Plattformen verfügt, die Teile des geforderten Fähigkeitsprofils abdecken können.
Vorhandene und geplante Plattformen
Mit dem NH90 NTH Sea Lion verfügen die Marineflieger seit 2020 über einen einschiffungsfähigen Mehrzweckhubschrauber. Insgesamt 18 Maschinen wurden bis Januar 2023 an das Marinefliegergeschwader 5 in Nordholz ausgeliefert. Der Sea Lion übernimmt unter anderem den Bordbetrieb auf den Einsatzgruppenversorgern, den Such- und Rettungsdienst in Nord- und Ostsee sowie Transport- und Überwachungsaufgaben; die Fähigkeit, Spezialkräfte abzusetzen, gehört zum vorgesehenen Aufgabenspektrum.
Hinzu kommt der künftige schwere Transporthubschrauber der Bundeswehr. Beschafft werden 60 Maschinen des Typs CH-47F Block II in der Variante SR (Standard Range) mit Luftbetankungsfähigkeit. Die ersten Hubschrauber sollen im Herbst 2027 ausgeliefert werden, bis 2032 soll die Flotte vollständig sein. Stationiert werden sie überwiegend beim Hubschraubergeschwader 64 in Schönewalde/Holzdorf und in Laupheim. Zu den vier NATO-Aufgaben des Musters zählt ausdrücklich die Unterstützung von Spezialkräften, neben Lufttransport, Combat Search and Rescue und dem Lufttransport von Verwundeten.
