Die Führung der Deutschen Marine hat sich Medienberichten zufolge für Emden als Standort eines zusätzlichen Nordsee-Stützpunkts ausgesprochen. Bremerhaven wäre damit aus dem Auswahlverfahren ausgeschieden. Eine offizielle Bestätigung des Bundesverteidigungsministeriums steht aus.
Empfehlung liegt im Ministerium
Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Regionalmedien hat sich die Marineführung intern auf Emden festgelegt. Die Entscheidungsgrundlage soll aus einem ausführlichen Papier der Bundeswehr hervorgehen, das inzwischen zur formellen Entscheidung an das Verteidigungsministerium übermittelt wurde; die abschließende Zustimmung von Minister Boris Pistorius (SPD) und gegebenenfalls des Haushaltsausschusses des Bundestages steht noch aus, da es sich um ein Milliardenprojekt handelt. Die Berichte berufen sich auf Informationen aus Marinekreisen; offiziell mitgeteilt wurde bislang keine Entscheidung.Bei einem Besuch in Bremerhaven Mitte Juli hatte Pistorius erklärt, die Entscheidung falle in den kommenden zwei bis drei Monaten, weitere Zwischenstände werde er nicht kommunizieren.
Als Kandidaten galten zu diesem Zeitpunkt Bremerhaven und Emden, wobei sich die Marineführung um den Inspekteur, Vizeadmiral Jan C. Kaack, bereits für Emden ausgesprochen haben soll.

Hintergrund: Nur ein Stützpunkt an der Nordseeküste
Bislang verfügt die Marine an der Nordseeküste ausschließlich über den Stützpunkt „Heppenser Groden“ in Wilhelmshaven, den größten Marinestützpunkt der Bundeswehr und einen der größten in Westeuropa. Dort sind unter anderem elf Fregatten der Klassen Brandenburg, Sachsen und Baden-Württemberg, drei Einsatzgruppenversorger sowie der Betriebsstofftransporter „Rhön“ beheimatet.Pistorius hatte die Suche damit begründet, dass ein einzelner Hafen im Ernstfall nicht ausreiche: Deutschland benötige einen zweiten Standort, um ausweichen und Erreichbarkeiten sicherstellen zu können.
Die Planungen für einen zweiten Stützpunkt wurden Anfang 2026 mit Verweis auf die veränderte Sicherheitslage aufgenommen. Der zusätzliche Bedarf umfasst sieben Fregatten-Liegeplätze mit je 220 Metern Länge, zehn Liegeplätze für Minensuchboote mit je 80 Metern sowie zehn Schlepper-Liegeplätze mit je 40 Metern. In der Diskussion war zudem von rund 1.500 stationierten Soldaten sowie von Effekten für Zulieferbranchen die Rede.
Standortabwägung und regionale Interessen
Bremerhaven galt in der Abwägung als gut positioniert: Dort stehen kurzfristig verfügbare, planungsreife Flächen zur Verfügung, es existiert eine Werftindustrie, die Fregatten für die Bundeswehr baut, und die Marine ist bereits vor Ort vertreten. Vorgesehen war ein Marinehafen im Blexer Bogen mit Platz für sieben große Fregatten, zehn Minenboote und zehn Schlepper. In Emden richtete sich der Fokus dagegen auf Flächen am Rysumer Nacken sowie am Marinekai.Sowohl der Bremer Senat als auch die niedersächsische Staatskanzlei hatten für den jeweils eigenen Standort geworben.
Bremerhaven erhielt Anfang 2026 bereits 1,35 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen des Bundes zur Ertüchtigung der Hafeninfrastruktur – die bislang höchste Einzelförderung des Bundes für das Land Bremen. Im Emder Hafen sind unabhängig davon die Ertüchtigung des Emskais für 75 Millionen Euro sowie der Bau einer vierten Kaianlage für 150 Millionen Euro vorgesehen, mit Planungsbeginn durch NPorts im Jahr 2026.Da offizielle Begründungen fehlen, bleiben die Auswahlkriterien unklar. Als möglicher Faktor wird die westlichere Lage Emdens und damit die kürzere Distanz zu den betreffenden Seegebieten genannt.
Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) verbindet mit einer Ansiedlung wirtschaftliche Wachstumserwartungen; der Emder Kreisverband der Linken äußerte dagegen Bedenken und verwies auf das Risiko, dass ein Militärhafen die Stadt im Konfliktfall zum Ziel machen könnte.
Emden war bis Ende der 1990er Jahre bereits Marinestandort. Das dortige Marinestützpunktkommando wurde am 31. März 1997 aufgelöst und der Stützpunkt geschlossen.
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