Der Bundestag hat die deutsche Beteiligung an der EU-geführten Militäroperation EUFOR Althea um ein weiteres Jahr verlängert. Das Mandat läuft damit bis Ende Juni 2027, die Obergrenze von bis zu 50 Soldatinnen und Soldaten bleibt unverändert.
Am 11. Juni 2026 beschloss der Bundestag die Fortführung des deutschen Beitrags zur Operation EUFOR Althea in Bosnien und Herzegowina. Grundlage ist ein Antrag der Bundesregierung; das bisherige Mandat wäre am 30. Juni 2026 ausgelaufen. Der Einsatz ist nun bis zum 30. Juni 2027 befristet. Über eine erneute Verlängerung müsste das Parlament vor Ablauf dieser Frist entscheiden. Die einsatzbedingten Zusatzausgaben werden für den Mandatszeitraum auf rund 16,1 Millionen Euro geschätzt.

Auftrag der Bundeswehr
EUFOR Althea soll zu einem sicheren und stabilen Umfeld in Bosnien und Herzegowina beitragen und die Umsetzung des Friedensabkommens von Dayton unterstützen, das den Bosnienkrieg 1995 beendete. Die deutsche Beteiligung umfasst Führungs-, Verbindungs-, Beratungs-, Beobachtungs- und Unterstützungsaufgaben sowie die Koordination der Ausbildung der bosnisch-herzegowinischen Streitkräfte. Zudem stellt die Bundeswehr Personal für den Stab im Hauptquartier.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Betrieb zweier Verbindungs- und Beobachtungsteams in Vlasenica und Čapljina. Diese Teams sammeln durch Patrouillen, Beobachtung und Kontakte zu lokalen Akteuren Informationen zur Lage vor Ort und sollen so das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken. Die Gesamtstärke von EUFOR Althea liegt nach Angaben aus dem Einsatzgebiet bei rund 1.100 bis 1.500 Soldaten; bei Spannungen kann sie vorübergehend verstärkt werden, wie im Frühjahr 2025 geschehen.
Hintergrund des deutschen Engagements
Die Bundeswehr war bereits von 2004 bis 2012 an EUFOR Althea beteiligt. Nach einer mehrjährigen Pause beschloss der Bundestag am 8. Juli 2022 die erneute Teilnahme deutscher Kräfte; seither wurde das Mandat jährlich verlängert. EUFOR Althea löste 2004 die NATO-geführte Mission SFOR ab und ist über das sogenannte „Berlin-plus“-Abkommen weiterhin eng mit Strukturen der NATO verbunden.
Lage im Land
Bosnien und Herzegowina strebt einen EU-Beitritt an. Den Kandidatenstatus erhielt das Land im Dezember 2022; im März 2024 beschloss der Europäische Rat, Beitrittsverhandlungen aufzunehmen, sobald zentrale Reformvorgaben erfüllt sind. Diese betreffen unter anderem Rechtsstaatlichkeit, die Funktionsfähigkeit staatlicher Institutionen sowie die Bekämpfung von Korruption und organisierter Kriminalität.
Innenpolitisch bleibt die Lage angespannt. Die Politik ist überwiegend entlang ethnischer Linien organisiert, Reformen geraten dadurch häufig ins Stocken. Die serbisch dominierte Entität Republika Srpska verfolgt Autonomie- und Sezessionsbestrebungen, die nach Einschätzung der Bundesregierung die Funktionsfähigkeit des Gesamtstaates schwächen. Treibende Figur war über Jahre der langjährige RS-Politiker Milorad Dodik. Zugleich versuchen externe Akteure, darunter Russland, ihren Einfluss in der Region auszubauen. Eine zwischenzeitlich zugespitzte Lage – etwa nach umstrittenen Gesetzen der Republika Srpska Anfang 2025 – hat sich nach Darstellung der Bundesregierung wieder weitgehend entspannt, das Konfliktpotenzial bleibt jedoch bestehen.
Einordnung der Bundesregierung
Die Bundesregierung bewertet die Fortsetzung des Einsatzes als wichtigen Beitrag zur Stabilität des Landes. Sie verweist darauf, dass die für einen EU-Beitritt notwendigen Reformen ein stabiles Sicherheitsumfeld voraussetzen, zu dem EUFOR Althea durch Präsenz und Abschreckung beitrage. Seit Inkrafttreten des Dayton-Abkommens kam es nach ihren Angaben zu keinen erneuten Kampfhandlungen.
Mit WhatsApp immer bestens informiert!
Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:
