Simulator für den Schweren Waffenträger besteht Werksabnahme

Rheinmetall hat den Factory Acceptance Test für das Ausbildungsgerät zum Schweren Waffenträger Infanterie abgeschlossen. Die Besatzungen sollen damit bereits ausgebildet werden, während die Fahrzeuge noch an die Truppe ausgeliefert werden.
Foto: Rheinmetall

Rheinmetall hat den Factory Acceptance Test für das Ausbildungsgerät zum Schweren Waffenträger Infanterie abgeschlossen. Die Besatzungen sollen damit bereits ausgebildet werden, während die Fahrzeuge noch an die Truppe ausgeliefert werden.

Abnahme in Bremen

Das Ausbildungsgerät „Schieß- und Gefechtsausbildung schwerer Waffenträger Infanterie“ (AGSW) hat am Rheinmetall-Standort Bremen den Factory Acceptance Test (FAT) bestanden. An der Werksabnahme nahmen Vertreter des Amts für Heeresentwicklung und des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) teil, außerdem Soldatinnen und Soldaten der Jägertruppe und der Infanterieschule. Nach Angaben des Unternehmens hat der zuständige Projektleiter des BAAINBw das Bestehen des FAT bereits im Juli 2026 offiziell bestätigt.

Die Entwicklung des Simulators begann nach dem Vertragsschluss Anfang 2024 und endete im Juli 2026. Laut Rheinmetall hatten Bundeswehr und Industrie schon 2022 vereinbart, erste Ausbildungsmittel vor der Auslieferung der Fahrzeuge bereitzustellen. Infanterieschule und Amt für Heeresentwicklung waren in die Konzeptionsphase eingebunden, um die Anforderungen der späteren Nutzer frühzeitig zu berücksichtigen.

Aufbau des Simulators

Das AGSW umfasst eine Leitungs-, Auswerte- und Kontrollstation sowie vier Kampfräume. Simuliert werden unter anderem Fahrzeuginnenraum, Fahrzeuglogik, Bedienabläufe, Richtverhalten, Fahrdynamik und Ballistik. Das Ausbildungsspektrum reicht von der Einzelausbildung einzelner Besatzungsmitglieder über das Zusammenwirken der gesamten Besatzung bis zu taktischen Verfahren auf Zugebene.

Die Anlage ist für die Anbindung an sogenannte Infanterie-Desktoptrainer vorbereitet. Damit lässt sich auch das Zusammenwirken von Fahrzeugbesatzungen und abgesessenen Kräften üben. Nutzer können zudem eigene virtuelle Geländeabschnitte erstellen und anpassen, etwa um mögliche Einsatzräume nachzubilden und Marschwege oder Stellungen vorab zu trainieren.

Zweistufiges Ausbildungskonzept

Die Ausbildungslösung besteht aus zwei Stufen. Die erste Stufe bildet ein desktopbasierter Handlungstrainer, der dieselbe Simulationssoftware und Bedienlogik wie das AGSW nutzt. Er wurde zwischen September 2025 und April 2026 an die Jägerbataillone ausgeliefert. Das erste AGSW soll im Herbst 2026 an die Infanterieschule übergeben werden, bis Mitte 2027 sind insgesamt fünf Systeme vorgesehen. Nach der Abnahme an den jeweiligen Standorten will Rheinmetall die Software beider Systeme an den finalen Konstruktionsstand des Fahrzeugs anpassen und als einheitliche Version ausrollen.

Das Fahrzeug

Der Schwere Waffenträger Infanterie ersetzt bei der Bundeswehr den Waffenträger Wiesel. Die Streitkräfte beschaffen bis zu 123 Fahrzeuge; der Auftragswert liegt einschließlich Serviceleistungen bei rund 2,7 Milliarden Euro. Das Fahrzeug dient der direkten Feuerunterstützung der Infanterieverbände und gilt als Kernelement der neuen Kräftekategorie „Mittlere Kräfte“ im Heer. Technische Grundlage ist der australische Boxer CRV, ein 8×8-Radfahrzeug mit dem Zwei-Mann-Turm Lance und der Maschinenkanone MK30-2 ABM als Hauptwaffe, die auch im Schützenpanzer Puma eingesetzt wird.

Wegen begrenzter Fertigungskapazitäten in Deutschland wird der Großteil der Fahrzeuge in Australien gebaut; von den 123 bestellten Systemen stammen über 100 aus dem dortigen Werk. Im März 2026 kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius bei einem Besuch in Brisbane an, dass die ersten Fahrzeuge aus deutscher Fertigung zeitnah übergeben würden und ab Mitte 2026 das erste Fahrzeug aus australischer Produktion folge.

Vorbild Puma-Simulator

Konzeptionell baut das AGSW auf dem Ausbildungsgerät für den Schützenpanzer Puma (AGSP) auf. Für das AGSP hatte das Amt für Heeresentwicklung im September 2025 die Bereitschaft zur Übernahme erklärt. Im Dezember 2025 beauftragte das BAAINBw die PSM GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von KNDS Deutschland und Rheinmetall, mit der Lieferung von neun Systemen; das Volumen beträgt 119,5 Millionen Euro, die Auslieferung soll ab Mitte 2027 beginnen. Auf derselben technologischen Basis sollen laut Rheinmetall künftig auch Ausbildungsmittel für weitere Fahrzeuge entstehen, sodass Jäger, Panzergrenadiere und Heeresaufklärer an ihren Standorten eigene Simulatoren erhalten.

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