Aufwuchsplan bis 2032: So soll die Artillerietruppe des Heeres wachsen

Aufwuchsplan bis 2032: So soll die Artillerietruppe des Heeres wachsen
RCH 155 | Foto: KNDS

Die Artillerietruppe des Heeres soll bis 2032 massiv wachsen. Insgesamt sind im aktualisierten Zielbild Einsatzkräfte Heer zehn Artilleriebataillone, 6.000 Dienstposten, 285 Rohrartilleriesysteme und 84 Raketenartilleriesysteme vorgesehen, das geht aus einer Präsentation im Rahmen der Future Artillery Conference 2026 hervor. Dies stellt im Vergleich zum Status quo mit sechs Artilleriebataillonen, 96 Rohrartilleriesystemen und 36 Raketenartilleriesystemen einen deutlichen Aufwuchs dar.

Korpsartilleriebataillon

Die geplanten zehn Artilleriebataillone setzen sich aus einem Korpsartilleriebataillon, zwei Divisionsartilleriebataillonen und sieben Brigadeartilleriebataillonen zusammen. Das Korpsartilleriebataillon wird über insgesamt 36 Raketenartilleriesysteme des Typs MARS 3 (EuroPULS) verfügen, gegliedert in drei schießende Batterien à 12 Raketenartilleriesysteme. Bei der dritten Batterie wird es sich um eine nichtaktive Einheit handeln. Der Verband soll in der Lage sein, Ziele in über 300 km Entfernung aufzuklären und präzise zu bekämpfen und somit das Gefechtsfeld für die Divisionsebene vorzubereiten (shapen).

Zur Zielerfassung (Target Acquisition, TA) ist zunächst das Aufklärungssystem HUSAR mit einer operativen Reichweite von bis zu 150 km vorgesehen. Da dies nicht den Anforderungen der Truppe entspricht, ist die Beschaffung einer Aufklärungsdrohne großer Reichweite (min. 300 km, möglicherweise sogar bis zu 500 km) geplant. Als Wirkmittel sollen die Predator Hawk Rakete von Elbit Systems mit einer Reichweite von 300 km, Loitering Munitions und die in Entwicklung befindliche Joint Fire Support Missile (JFSM) von MBDA zum Einsatz kommen. Letztere verfügt sogar über eine Reichweite von bis zu 500 km.

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Divisionsartilleriebataillone

Bei den beiden Divisionsartilleriebataillonen handelt es sich um das Artillerielehrbataillon 345 (10. Panzerdivision) und das Artillerielehrbataillon 325 (1. Panzerdivision). Beide Verbände werden über 20 Raketenartilleriesysteme und 27 Rohrartilleriesysteme verfügen, gegliedert in vier schießende Batterien. Die erste Batterie verfügt über 16 Raketenartilleriesysteme, die zweite und dritte Batterie über jeweils neun Rohrartilleriesysteme und die vierte nichtaktive Batterie über vier Raketenartilleriesysteme sowie neun Rohrartilleriesysteme.

Bei den Raketenartilleriesystemen für die Divisionsebene handelt es sich zunächst um die bereits in Nutzung befindlichen MARS II. Da von diesem Waffensystem aber nicht mal genügend vorhanden sind, um beide Divisionsartilleriebataillone vollständig auszustatten und der MARS II auch nicht mehr das jüngste Waffensystem ist, darf davon ausgegangen werden, dass mittel- bis langfristig auch hier der neue MARS 3 zum Einsatz kommen wird. Bei den Rohrartilleriesystemen handelt es sich zunächst um die PzH 2000 bis die bestellten RCH 155 übernehmen können.

Die Divisionsartilleriebataillone sollen in der Lage sein, Ziele in bis zu 150 km Entfernung aufzuklären und präzise zu bekämpfen und somit das Gefechtsfeld für die Brigadeebene zu shapen. Zur Zielerfassung (Target Acquisition, TA) sollen sie dazu mit einem Artillerieortungsradar und ebenfalls mit der Aufklärungsdrohne HUSAR ausgestattet werden. Als Wirkmittel sollen bei der Raketenartillerie die AT-2, GMLRS UNITARY, EXTRA und PREDATOR HAWK Raketen zum Einsatz kommen. Darüber hinaus ist die Entwicklung einer neuen Minenrakete mit einer Reichweite von bis zu 80 km als Nachfolger für die AT-2 angedacht. Die Radhaubitzen vom Typ RCH 155 sollen mit reichweitengesteigerter und gelenkter VULCANO-Munition ausgestattet werden und so eine Kampfentfernung von bis zu 70 km erreichen.

Brigadeartilleriebataillone

Die sieben geplanten Brigadeartilleriebataillone setzen sich zusammen aus vier schweren und drei mittleren Brigadeartilleriebataillonen. Sowohl die schweren als auch die mittleren Brigadeartilleriebataillone werden über jeweils 27 Rohrartilleriesysteme, gegliedert in drei schießende Batterien, verfügen. Wobei auch hier die dritte Batterie eine nichtaktive Einheit ist. Die schweren Bataillone werden mit der bereits in Nutzung befindlichen PzH 2000 ausgestattet. Die mittleren Verbände mit der bestellten RCH 155 Radhaubitze.

Die Brigadeartilleriebataillone sollen in der Lage sein, Ziele in über 70 km Entfernung aufzuklären und präzise zu bekämpfen. Zur Zielerfassung (Target Acquisition, TA) sollen sie dazu mit einem Artillerieortungsradar ausgestattet werden. Als Wirkmittel sind VULCANO, SMArt sowie HE (BB & BT) vorgesehen.

Bewertung

Bei der hier aufgezeigten Struktur dürfte es sich um einen Zwischenschritt bis 2032 handeln und nicht um die Zielstruktur der Artillerietruppe. In der Zielstruktur soll die Artillerietruppe über mehr als 285 Rohrartilleriesysteme und 84 Raketenartilleriesysteme verfügen. Kolportiert werden Zahlen von min. 150 Raketenartilleriesystemen, 229 Radhaubitzen und 121 Panzerhaubitzen. Laut dem Magazin loyal plant das Heer bis 2035 sogar mit insgesamt 1.350 Raketen- und Rohrartilleriesystemen. Der Aufwuchs der Artillerietruppe wird bis 2032 also nicht abgeschlossen sein, sondern bis mindestens 2035 (eher länger) andauern.

Bereits der geplante Aufwuchs bis 2032 dürfte herausfordernd genug sein. Es müssen vier weitere Bataillone aufgestellt und das dafür erforderliche Personal rekrutiert werden. Darüber hinaus müssen 189 Rohrartilleriesysteme und 48 Raketenartilleriesysteme zulaufen. Diese sind größtenteils bisher jedoch nicht mal bestellt. Bestellt sind Stand jetzt 106 Rohrartilleriesysteme (84 RCH 155 und 22 PzH 2000) und fünf Raketenartilleriesysteme. Zwar sollen noch dieses Jahr weitere MARS 3 und RCH 155 bestellt werden, ob diese jedoch auch rechtzeitig verfügbar sein werden bleibt abzuwarten.

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