Hensoldt verdoppelt Auftragseingang im ersten Halbjahr 2026

Der Sensorik- und Radarhersteller Hensoldt hat im ersten Halbjahr 2026 doppelt so viele Aufträge eingesammelt wie im Vorjahreszeitraum. Umsatz und operatives Ergebnis legten ebenfalls zweistellig zu, die Prognose für das Gesamtjahr bleibt unverändert.
Foto: HENSOLDT AG

Der Sensorik- und Radarhersteller Hensoldt hat im ersten Halbjahr 2026 doppelt so viele Aufträge eingesammelt wie im Vorjahreszeitraum. Umsatz und operatives Ergebnis legten ebenfalls zweistellig zu, die Prognose für das Gesamtjahr bleibt unverändert.

Die Hensoldt-Gruppe verzeichnete in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Auftragseingang von 2.812 Millionen Euro nach 1.405 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Wesentlicher Treiber waren nach Unternehmensangaben Beschaffungsvorhaben der Bundesrepublik Deutschland sowie weiterer europäischer Staaten. Der Auftragsbestand kletterte damit auf 10.356 Millionen Euro und überschritt erstmals die Marke von zehn Milliarden Euro; ein Jahr zuvor hatte er bei 7.070 Millionen Euro gelegen. Das Book-to-Bill-Verhältnis, das den Auftragseingang ins Verhältnis zum Umsatz setzt, stieg von 1,5 auf 2,4. Nach Marktbeobachtungen lagen sowohl Auftragseingang als auch Umsatz über den Erwartungen der Analysten: Der Konsens hatte den Auftragseingang bei rund 1,23 Milliarden Euro und den Umsatz bei etwa 1,15 Milliarden Euro veranschlagt.

Die Umsatzerlöse stiegen um 23,6 Prozent auf 1.167 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro, die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich von 11,3 auf 11,8 Prozent. Der bereinigte Free Cashflow blieb mit minus 136 Millionen Euro negativ, fiel aber besser aus als im Vorjahr (minus 181 Millionen Euro). Das Unternehmen verweist darauf, dass dieser Wert in der Verteidigungsindustrie zur Jahresmitte üblicherweise seinen Tiefpunkt erreicht, weil Vorleistungen für die im Schlussquartal fälligen Vertragsmeilensteine anfallen.

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Beide Segmente mit Zuwächsen

Im Segment Sensors legte der Auftragseingang um 57,6 Prozent auf 1.979 Millionen Euro zu. Ausschlaggebend waren Vertragserweiterungen für Eurofighter-Mk1-Radare, Aufträge für das Electronic-Attack-System Knifefish sowie zusätzliche Bestellungen von TRML-4D-Radaren. Der Segmentumsatz stieg um 16,9 Prozent auf 955 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA um 7,5 Prozent auf 113 Millionen Euro.

Deutlich dynamischer entwickelte sich das kleinere Segment Optronics: Der Auftragseingang versechsfachte sich nahezu auf 971 Millionen Euro (Vorjahr: 164 Millionen Euro). Hintergrund sind Großaufträge zur Ausstattung des Schützenpanzers Puma und des Radschützenpanzers Schakal mit digitaler Optronik. Der Schakal basiert auf dem Boxer-Fahrgestell und übernimmt den unbemannten Geschützturm des Puma; beschafft wird das System über die europäische Rüstungsagentur OCCAR. Der deutsche Kostenanteil für Entwicklung und Lieferung von 150 Fahrzeugen beläuft sich auf rund 3,4 Milliarden Euro, erste Serienfahrzeuge sollen ab Ende 2027 zulaufen. Der Optronics-Umsatz stieg um 63,2 Prozent auf 219 Millionen Euro, die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich von 1,0 auf 10,9 Prozent.

Einordnung: Rekordetat als Hintergrund

Die Auftragsentwicklung fällt in eine Phase stark steigender öffentlicher Verteidigungsausgaben. Der Bundestag beschloss im November 2025 einen Verteidigungsetat, der die deutschen Verteidigungsausgaben 2026 auf 108,2 Milliarden Euro anhebt – 82,69 Milliarden Euro im Einzelplan 14 und 25,51 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr. Allein auf die militärische Beschaffung entfallen davon rund 47,88 Milliarden Euro gegenüber 32,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Bis 2029 strebt die Bundesregierung Ausgaben von rund 152 Milliarden Euro an.

Bereits im ersten Quartal hatte Hensoldt seinen Auftragseingang mehr als verdoppelt. Damals lagen Auftragseingang bei 1.483 Millionen Euro und Auftragsbestand bei 9.801 Millionen Euro.

Aussagen des Managements und Ausblick

CEO Oliver Dörre betont, die politischen Beschlüsse zu höheren Verteidigungsausgaben schlügen sich nun im Auftragsbuch nieder; entscheidend sei die industrielle Umsetzung, also Lieferfähigkeit in Stückzahl und Tempo. Parallel arbeite das Unternehmen an vernetzten, softwaredefinierten Lösungen. CFO Christian Ladurner hebt hervor, maßgeblich sei die zuverlässige und profitable Überführung des Auftragsbestands in Umsatz und Ergebnis; Investitionen flössen in den Ausbau von Fertigungs- und Logistikkapazitäten bei gleichbleibender Margendisziplin.

Die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 bestätigte Hensoldt in allen Kennzahlen: Erwartet werden ein Konzernumsatz von etwa 2.750 Millionen Euro, ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,5 bis 2,0, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18,5 bis 19,0 Prozent sowie eine Cash Conversion von rund 50 Prozent des bereinigten EBITDA. Die Jahresmarge liegt dem Unternehmen zufolge regelmäßig deutlich über dem Halbjahreswert, da sich Auslieferungen und Abnahmen auf das zweite Halbjahr konzentrieren. Die Zahlen für die ersten neun Monate 2026 sollen am 5. November veröffentlicht werden.

Hensoldt erzielte im Geschäftsjahr 2025 mit rund 9.500 Beschäftigten einen Umsatz von 2,46 Milliarden Euro und ist im MDAX notiert.

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