Bremerhaven soll NATO-Drehscheibe werden

Das Verteidigungsministerium, das Land Bremen und der Logistikkonzern BLG haben eine Absichtserklärung zum „Deployment Hub Bremerhaven 2031“ unterzeichnet. Bis 2031 sind im Verteidigungshaushalt rund 1,35 Milliarden Euro für den Ausbau von Hafen, Verkehrswegen und Flughafen eingeplant.
Foto: Bundeswehr

Das Verteidigungsministerium, das Land Bremen und der Logistikkonzern BLG haben eine Absichtserklärung zum „Deployment Hub Bremerhaven 2031“ unterzeichnet. Bis 2031 sind im Verteidigungshaushalt rund 1,35 Milliarden Euro für den Ausbau von Hafen, Verkehrswegen und Flughafen eingeplant.

Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), die Freie Hansestadt Bremen und die BLG Logistics Group haben sich auf die Grundzüge eines militärischen Deployment Hubs in Bremerhaven verständigt. Unterzeichnet wurde der Letter of Intent am 29. September 2026 im Bremer Rathaus von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, Bürgermeister Andreas Bovenschulte und dem BLG-Vorstandsvorsitzenden Matthias Magnor. Die Erklärung ist rechtlich nicht bindend, legt aber die Leitlinien für die weitere Zusammenarbeit fest.

Deutschland als logistische Drehscheibe

Hintergrund ist die Rolle Deutschlands in der Landes- und Bündnisverteidigung. Aufgrund seiner zentralen Lage in Europa ist das Land im Ernstfall Transitraum für Truppenverlegungen der NATO-Verbündeten. Dafür müssen Aufnahme, Umschlag und Weitertransport von Personal und Material gewährleistet und die nötige Infrastruktur vorbereitet sein. Welche militärischen und zivilen Leistungen Deutschland dabei erbringen muss, regelt der Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU).

Nach Angaben der Bundeswehr sollen über Deutschland im Bündnisfall innerhalb von sechs Monaten bis zu 800.000 Soldatinnen und Soldaten an die NATO-Außengrenzen verlegt werden. Zu den Unterstützungsleistungen zählen unter anderem Schutz und Sicherung, Verkehrsleitung, Transport und Umschlag auf Straße, Schiene sowie in See- und Flughäfen, außerdem Unterbringung, Verpflegung und Betankung. Der Plan umfasst rund 1.400 Seiten und ist als Gesamtdokument als geheim eingestuft; federführend ist das Operative Führungskommando der Bundeswehr.

Bremerhaven als Anlaufpunkt

Bremen kommt in diesem Zusammenhang wegen des Zugangs zur Nordsee, des Überseehafens Bremerhaven, der vorhandenen Anlagen und der Anbindung ins Hinterland besondere Bedeutung zu. Der Standort hat eine lange militärische Vorgeschichte: Bremerhaven dient seit Mai 1945 als Hafen der US-Streitkräfte.

Mit der Absichtserklärung verpflichten sich die Beteiligten, die Kapazitäten bereitzustellen, die zur Erfüllung der NATO-Anforderungen und der Vorgaben aus dem Operationsplan Deutschland nötig sind. Im Mittelpunkt steht die Erneuerung und der Ausbau der bestehenden Hafeninfrastruktur sowie der damit verbundenen Hinterlandanbindung.

Finanzierung

Im Einzelplan 14 des Bundeshaushalts sind bis 2031 insgesamt rund 1,35 Milliarden Euro vorgesehen. Nach Informationen von Radio Bremen entfallen davon rund 800 Millionen Euro auf die Überseehäfen in Bremerhaven, weitere 160 Millionen Euro sind für den militärischen Ausbau des Bremer Flughafens eingeplant, unter anderem für die Erneuerung von Rollbahnen, einen zusätzlichen Hangar und eine Betankungsanlage. Für den Landesanteil hat der Bremer Senat bereits beschlossen, mehr als 212 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Hafen einzusetzen.

Stellungnahmen der Beteiligten

Pistorius erklärte, mit dem Vorhaben solle die Logistik für die Bundeswehr und im Ernstfall auch für verbündete Streitkräfte gesichert werden. In einem solchen Fall müssten zehntausende Soldaten auf dem Weg an die NATO-Ostflanke in Bremerhaven versorgt werden. Deshalb würden Hafen, Brücken, Straßen und Verkehrsanbindungen ausgebaut.

Bovenschulte ordnete die Mittel als die höchste Bundesförderung ein, die bislang für ein Projekt im Land Bremen bereitgestellt worden sei. Überseehafen, Verkehrsinfrastruktur in Bremerhaven und der Bremer Flughafen würden damit an die Anforderungen der Bundeswehr angepasst. Die vereinbarten Maßnahmen sollen zügig umgesetzt werden.

Die Bremer Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation, Kristina Vogt, betonte, dass die Infrastruktur sowohl militärisch als auch zivil nutzbar sein werde. Es sei sinnvoll, bestehende Strukturen zu nutzen, statt einen eigenen Hafen nur für den Bedarfsfall zu bauen. Zugleich forderte sie, die Finanzierungsverantwortung des Bundes für die Häfen zu einem zentralen Bestandteil der Nationalen Hafenstrategie zu machen.

BLG-Chef Magnor bezeichnete Bremerhaven als Knotenpunkt für die nationale und europäische Sicherheitsvorsorge. Das Unternehmen verstehe sich als Partner der öffentlichen Hand bei der Stärkung der Bündnisverteidigung.

Abgrenzung zu einem zusätzlichen Marinehafen

Unabhängig vom Deployment Hub plant der Bund einen weiteren Militärhafen an der Nordseeküste. Die Standortfrage ist noch offen; nach Berichten des NDR wird Pistorius am 5. Oktober in Emden erwartet, wo die Entscheidung über den Standort des neuen Hafens bekanntgegeben werden soll.

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