Zwölf Wochen nach Ankündigung der gemeinsamen Serienfertigung haben ARX Robotics und DEUTZ die ersten unbemannten Bodensysteme vom Typ GEREON aus dem DEUTZ-Werk in Ulm ausgeliefert. Die Charge ist für die ukrainischen Streitkräfte bestimmt und Teil eines größeren Auftragsvolumens.
Das Münchner Unternehmen ARX Robotics und der Kölner Antriebshersteller DEUTZ haben am 29. September 2026 die Auslieferung der ersten GEREON-Systeme aus Ulmer Fertigung bekanntgegeben. Die unbemannten Bodenfahrzeuge (Unmanned Ground Vehicles, UGV) gehen an die Streitkräfte der Ukraine und ergänzen die dort bereits eingesetzte GEREON-Flotte. Angaben zur Stückzahl der ersten Charge machen die Unternehmen nicht. Nach eigener Darstellung soll die Produktion in den kommenden Monaten schrittweise weiter hochgefahren werden.
Zeitplan eingehalten
Den Start der Serienfertigung hatten beide Unternehmen Anfang Juli angekündigt. Am 7. Juli 2026 teilte die DEUTZ AG mit, im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit ARX Robotics die industrielle Serienfertigung des GEREON aufzunehmen. Die Produktion geht auf eine im Oktober 2025 geschlossene Partnerschaft zurück. Damals wurde eine erste Auslieferung für den Spätsommer in Aussicht gestellt. Darüber hinaus sieht die Partnerschaft vor, DEUTZ-Antriebe in die unbemannten Landsysteme von ARX zu integrieren, zunächst batterieelektrisch und perspektivisch auch als kleinere Verbrenner- oder Hybridlösungen. Dafür wollen beide Unternehmen eine Schnittstelle zwischen der Softwareplattform Mithra OS und den DEUTZ-Antrieben entwickeln.
Aufgabenteilung zwischen Defence-Tech und Industrie
In der Kooperation bringt ARX Robotics die Systementwicklung, Software und Integration ein, DEUTZ die Fertigung und industrielle Produktionskapazität. ARX-Mitgründer und CEO Marc Wietfeld verweist darauf, dass Europas Streitkräfte kurzfristig unbemannte Landsysteme in großer Zahl benötigten. Entscheidend sei aus seiner Sicht nicht die technologische Basis, sondern die Geschwindigkeit, mit der neue Systeme von der Entwicklung in Produktion und Einsatz gelangen. Marco Herre, CEO der Business Unit Defense bei DEUTZ, sieht in der Auslieferung einen Nachweis, dass das Ulmer Werk komplexe Produkte in Serie fertigen kann. DEUTZ steuere dabei Erfahrung in Produktionsprozessen, Qualitätssicherung und Skalierung bei.
ARX Robotics wurde 2022 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 300 Mitarbeitende in München, Berlin, London und Kyjiw. DEUTZ, gegründet 1864, ist vor allem als Hersteller von Antriebssystemen für Bau- und Landmaschinen sowie weitere Off-Highway-Anwendungen bekannt und erzielte 2025 einen Umsatz von rund 2,0 Milliarden Euro.
Das System GEREON
GEREON ist ein modular ausrüstbarer, elektrisch angetriebener Geräteträger. Das Fahrzeug der Ein-Tonnen-Klasse kann bis zu 500 Kilogramm Nutzlast über maximal 40 Kilometer transportieren. Laut Hersteller lässt es sich unter anderem für Minenräumung, Kommunikationsrelais, Aufklärung und Überwachung, Materialtransport sowie die Evakuierung von Verwundeten ausrüsten. Die Bundeswehr erprobt die Plattform bereits seit längerem, unter anderem bei der eVA-Battlegroup in der Slowakei. Über die Militärhilfe der Bundesregierung waren bereits 2025 30 GEREON-RCS-Systeme an die Ukraine gegangen.
Hintergrund: Wachsender UGV-Einsatz in der Ukraine
Der Bedarf an unbemannten Bodensystemen ist insbesondere in der Ukraine stark gestiegen. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurden entsprechende Plattformen allein im März 2026 in mehr als 9.000 Einsätzen genutzt. Im November 2025 hatte dieser Wert noch bei rund 2.900 gelegen. Hauptsächlich dienen die Systeme der Logistik und der medizinischen Evakuierung unter Beschuss. Langfristig will die Ukraine die Frontlogistik vollständig durch robotisierte Systeme abwickeln. Die ukrainische Agentur für Verteidigungsbeschaffung hat nach eigenen Angaben mehr als 22.000 unbemannte Bodensysteme für die Auslieferung im Jahr 2026 unter Vertrag genommen.
